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Der weitere Weg zu Barrierefreiheit und Inklusion beim Reisen

Mann mit dunkler Anzugjacke, hellem Hemd und dunklen karriertem Schlips. Er trägt eine Brille mit dunklem Rand und Haarwuchs an den Seiten des Kopfes
Michael Kiessling MdB
Foto: Thomas Trutschel

BERLIN (kobinet) Mit Beginn des Herbstes 2025 haben sich bereits auch für dieses Jahr viele schöne Erinnerungen an Reisen, viele Fotos und bleibende Eindrücke angesammelt. Bei vielen Reisenden ist das jedoch ebenso mit der Frage verbunden: "Wie wird es nun mit dem barrierefreien Reisen in Deutschland weitergehen ?" Bis zum dritten Weltgipfel des barrierefreien Tourismus, der im italienischen Turin stattfinden wird, sind es nur noch vier Wochen. Mit den Reiseerinnerungen sind häufig ebenso erste Gedanken an weitere Reisen verbunden. Vom bewährten System "Reisen für Alle" in Deutschland war immer wieder einmal zu hören oder zu lesen - darunter aber auch mit  der Aussage verbunden: Nach der Insolvenz der NatKo wird weiter am Erhalt dieses Informationssystems gearbeitet. Ja, und dann haben wir inzwischen eine neu gewählte Bundesregierung. So ist es interessant, zu erfahren, welche Ziele sich diese neue Bundesregierung in diesem Thema stellt. Dazu hat uns das Mitglied des Deutschen Bundestages und Vorsitzender der AG Tourismus der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Michael Kießling unsere Fragen beantwortet.

kobinet: Welche Schwerpunkte sieht die CDU/CSU-Bundestagsfraktion für die weitere Entwicklung der Barrierefreiheit der Destinationen in Deutschland?

Michael Kiessling: Zentral für die Entwicklung der Barrierefreiheit ist aus Sicht der CDU/CSU-Bundestagsfraktion vor allem die Zukunft der Infrastruktur, wobei Verkehr und digitale Infrastruktur gleichermaßen gemeint sind. Mobilität ist immer eine Kernfrage der Barrierefreiheit, weshalb wir als Fraktion einen flächendeckenden Ausbau von Mobilitätsträgern deutlich befürworten, gerade auch im ländlichen Raum. Die bessere Vernetzung stark frequentierter Routen nach Kriterien der Barrierefreiheit sowie die bessere Erschließung bisher unzugänglicher Bereiche, muss vorangetrieben werden. Das gilt vor allem für den Schienen- und Busverkehr. Der damit verbundene bauliche Aufwand muss sich auch mit einem grundsätzlichen Umdenken bei der städtebaulichen Planung verbinden lassen. Nur so kann die nachhaltige Nutzbarkeit der Anlagen für die gesamte Bevölkerung auf Dauer gewährleistet werden. Diese materielle Entwicklung muss jedoch auch angemessen auf digitaler Ebene gespiegelt werden. Der effektive Abbau von Barrieren beim Zugriff auf digitale Inhalte, gerade auch für seh- und hörgeschädigte Menschen, muss auch wesentlicher Aspekt der bundesweiten Bemühungen um einen grundlegenden Bürokratieabbau sein.

kobinet: Welche Schwerpunkte sieht die CDU/CSU-Bundestagsfraktion, um das Umfeld für ein Reisen ohne Barrieren in Deutschland (Bahn, ÖPVN, Hotellerie und Gastronomie, Kulturstätten und so weiter) zu fördern?

Michael Kiessling: Auch speziell für den touristischen Sektor muss der Bereich Verkehr in den Fokus gerückt werden, verbunden mit der grundsätzlichen Frage der Konnektivität. Die inhaltlich besten Angebote nützen wenig, wenn sie räumlich nicht erreichbar sind. Hier müssen, insbesondere bei der Bahn, Standards und Normierungen noch konsequenter vereinheitlicht werden, auch hinsichtlich des grenzüberschreitenden Verkehrs zwischen einzelnen Bundesländern. Mit Blick auf begegnungsintensive Bereiche wie Messen, interaktive Ausstellungen, aber auch ganz zuvorderst die Gastronomie wollen wir den Betreibern jener Branchen die Arbeit dahingehend erleichtern, dass wir sie auch hier gezielt von Bürokratie und unnötigen Auflagen befreien. So können sie sich wieder mehr auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, die individuelle Ansprache und Betreuung ihrer Gäste. Ein barrierefreies Konzept ist immer eine wichtige Grundlage für die konkrete Arbeit, doch es muss auch genug Zeit bleiben, diese Konzepte ganz konkret an den Gast zu bringen.

kobinet: Gibt es in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Überlegungen, die Bedingungen für Reisen ins Ausland weiter zu verbessern und dabei das Verringern von Barrieren für Menschen mit Behinderungen zu unterstützen?

Michael Kiessling: Der Aspekt des barrierefreien Reisens hat auch eine wichtige Rolle in unseren Überlegungen als CDU/CSU-Fraktion gespielt, als wir die – nun erfolgreich gesicherte – haushälterische Ausstattung der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) thematisiert haben. Die DZT spielt bis heute die Daten für das Informations- und Zertifizierungssystem „Reisen für Alle“ aus und spielt insofern auch eine tragende Rolle in der Ermöglichung und Koordination barrierefreier touristischer Angebote im Bereich des Auslandstourismus. Auch hier gilt, dass der Grundbetrieb möglichst reibungslos laufen muss, um sich angemessen auf aufmerksamkeitsintensivere Bereiche wie den der Barrierefreiheit konzentrieren zu können. Etwa mit Blick auf den Flugverkehr wurde in der vergangenen Wahlperiode die Frage behandelt, wie gegebenenfalls in Zukunft das Angebot barrierefreier Boarding-Möglichkeiten angepasst werden müsste. Verschiedene Fluggesellschaften beklagten dabei, dass der auf Vermeidung von Diskriminierung angelegte ungeprüfte Zugang zu gesonderten Boarding-Möglichkeiten oft dazu führe, dass Menschen ohne einschlägige Beeinträchtigungen dieses Angebot aus Bequemlichkeit nutzten. Damit gingen Kapazitäten für die eigentliche Zielgruppe verloren. Der generelle Punkt, wie die Ressourcen für Barrierefreiheit beim Reisen auch direkt bei denen ankommen, die sie wirklich brauchen, und inwiefern der Gesetzgeber dort gegebenenfalls gegensteuern kann, wird aktuell noch diskutiert.

kobinet: In welchem Grad misst die CDU/CSU-Bundestagsfraktion dem weiteren Ausbau des Informations- und Zertifizierungssystem „Reisen für Alle“ Bedeutung bei?

Michael Kiessling: Wir freuen uns sehr, dass unsere intensiven Bemühungen als CDU/CSU-Fraktion um den Erhalt und die Modernisierung von „Reisen für Alle“ in der vergangenen Wahlperiode von Erfolg gekrönt waren. Mit der Bayern Tourist GmbH (BTG) hat sich ein kompetenter, erfahrener und verlässlicher Koordinator für das Programm gefunden. „Reisen für Alle“ hat in seiner jahrelang aufgebauten Expertise, seinen Kontakten zu Betroffenenverbänden und in seinem gewachsenen Wiedererkennungswert einen hohen Gesamtwert für die Branche, den es nicht einfach zu verwerfen galt. Wir wissen um die Sinnhaftigkeit des Anliegens und auch speziell um die Sinnhaftigkeit dieses Programms, was uns die BTG auch erst vor wenigen Wochen im Rahmen eines von uns erbetenen Sachstandsberichts bestätigt hat. Die BTG beschreibt zudem bereits jetzt einen leichten, aber durchaus erkennbaren Anstieg in der Nachfrage nach barrierefreien Angeboten, sowohl durch Unternehmensbetreiber selbst, aber auch durch Architekten, Barrierefreiheits- und Inklusionsbeauftragte und nicht zuletzt von Gästen. Der verschlankte, wirtschaftlich-kundenorientierte Ansatz der BTG wird bisher sehr gut angenommen, was uns seitens der Politik umso mehr darin bestätigt, dass wir dieses Segment weiter angemessen fördern und idealerweise zum Standard machen wollen. Letzteres gilt dabei insbesondere für kommunale Einrichtungen.

kobinet: Gibt es in der CDU/CSU-Bundestagsfraktionen Vorstellungen darüber, die Bundesinitiative Barrierefreiheit und Vertreter jener Menschen, die von Barrieren betroffen sind, in die weitere Arbeit mit einzubinden?

Michael Kiessling: Die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Rahmen der Bundesinitiative Barrierefreiheit einberufene Arbeitsgruppe, der auch zum Beispiel der Deutsche Behindertenrat angehört, haben zuletzt die Überarbeitung der Zertifizierungskriterien für „Reisen für Alle“ grundlegend analysiert und angepasst. Die angepasste Fassung wurde anschließend dem Beirat der Bundesinitiative Barrierefreiheit vorgelegt, der sie am 9. April 2025 angenommen hat. Nun gilt es, diese neuen Kriterien zunächst in der Praxis zu erproben. Dieser Prozess wird zu gegebener Zeit evaluiert, wobei natürlich auch Betroffenenverbände unbedingt wieder ihre Erfahrungen mit einbringen müssen, um die Aussagekraft der Evaluation zu gewährleisten. In der Zwischenzeit wird es zudem weitere Gelegenheiten geben, etwa im Rahmen öffentlicher Anhörungen, in denen der Austausch mit Betroffenenverbänden und Gruppen grundlegend fortgeführt werden kann. Wie innerhalb der zuvor getroffenen Ausführungen zu Mobilitätskonzepten gilt auch hier: Das beste Konzept nützt nichts, wenn es die Lebensrealität seiner Adressaten verkennt und deshalb die Maßnahmen nicht bei ihnen ankommen. Es ist uns als CDU/CSU ein zentrales Anliegen, im Rahmen unseres Verständnisses von Menschenwürde mit allen Menschen offen und wertschätzend ins Gespräch zu treten. Es war im Jahr 2011 die Initiative unserer Fraktion, mit der Schaffung von „Reisen für Alle“ die Teilhabe an Erholung, Kultur, Horizonterweiterung und nicht zuletzt Genuss für alle Menschen nicht dem Zufall zu überlassen. Vielmehr soll „Reisen für Alle“ verlässliche, qualitativ hochwertige und adressatengerechte Informationsangebote im ganzen Bundesgebiet bereitstellen. Adressatengerecht kann es aber wiederum nur sein, wenn wir die Adressaten kennen, mit ihren Anliegen und ihren Herausforderungen. Deswegen haben wir in der Vergangenheit immer wieder den Austausch mit Betroffenengruppen und -verbänden gesucht und haben auch vor, dies fortzuführen.

kobinet: Vielen Dank für Antworten auf unsere Fragen sowie für Ihr Angebot, Sie bei weiteren Fragen unserer Leserinnen und Leser wieder dazu anzusprechen. Darauf kommen wir gern zurück.

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Bernd Kittendorf
02.09.2025 11:38

Ich habe die interessanten Fragen gelesen.
Auch Antworten und gar Lösungsansätze aus der Politik wären interessant. Das, was als Sichtweise der Fraktion eingefügt wurde, ist wenig ergiebig, verrät aber, in welchem Umfang mit Verbesserungen zu rechnen ist.