Staufen (kobinet)
Hans-Günther Heiden hat einen Bericht geschrieben.
Der Bericht handelt von Menschen mit Behinderung.
Diese Menschen kämpfen für ihre Rechte.
Das nennt man: Behinderten-Bewegung.
Behinderten-Bewegung bedeutet: Menschen mit Behinderung kämpfen für ihre Rechte.
Sie wollen die gleichen Chancen wie alle anderen Menschen.
Sie wollen überall mitmachen können.
Sie wollen selbst über ihr Leben bestimmen.
Im Jahr 1994 wurde das Grund-Gesetz geändert.
Im Grund-Gesetz steht: Alle Menschen sind frei.
Niemand darf andere Menschen verletzen.
Das war sehr wichtig für Menschen mit Behinderung.
Der Bericht hat eine Überschrift.
Die Überschrift heißt: Von Gandhi und Martin Luther King lernen.
Gandhi und Martin Luther King waren wichtige Menschen.
Sie haben für Gerechtigkeit gekämpft.
Gerechtigkeit bedeutet: Alle Menschen werden fair behandelt.
Jeder bekommt das, was er braucht.
Niemand wird schlechter behandelt.
Alle haben die gleichen Rechte und Chancen.
Sie haben nie Gewalt benutzt.
Heute gibt es wieder mehr Kriege auf der Welt.
Viele Menschen haben Angst vor Krieg.
Im Fernsehen sehen wir schlimme Bilder von Kriegen.
Die Politik will uns vor Krieg schützen.
Dafür kauft sie mehr Waffen.
Gandhi und Martin Luther King waren gegen Gewalt.
Sie wollten nie Krieg führen.
Martin Luther King war gegen den Vietnam-Krieg.
Vietnam-Krieg war ein Krieg in Vietnam.
Vietnam ist ein Land in Asien.
Der Krieg war von 1955 bis 1975.
Viele Länder haben bei diesem Krieg mitgemacht.
Sehr viele Menschen sind gestorben.
Er hat gegen den Krieg protestiert.
Menschen mit Behinderung kämpfen für ihre Rechte.
Sie wollen die gleichen Chancen wie andere Menschen.
Das ist ihr gutes Recht.
Aber sie sollen auch gegen Kriege sein.
Viele Menschen schauen bei Kriegs-Bildern weg.
Sie können die schlimmen Bilder nicht sehen.
Das kann ich verstehen.
Aber wegsehen ist nicht genug.
Es gibt ein Hör-Spiel über einen Krieg.
Hör-Spiel ist eine Geschichte nur zum Anhören.
Man kann die Geschichte im Radio hören oder als CD.
Es gibt verschiedene Stimmen und Geräusche.
Man kann sich die Geschichte wie einen Film vorstellen.
Das Hör-Spiel heißt: Ich zählte meine Leben nur noch in Sekunden.
Es erzählt von einem schweren Verbrechen im Jahr 1995.
Das Verbrechen war in Srebrenica.
Srebrenica liegt in Bosnien.
Bosnien ist ein Land in Europa.
In dem Hör-Spiel sprechen 3 Menschen.
Ein Mensch hat das Verbrechen überlebt.
Ein Täter hat bei dem Verbrechen mitgemacht.
Ein UN-Soldat sollte die Menschen schützen.
UN-Soldat ist ein Soldat für den Frieden.
UN bedeutet: Vereinte Nationen.
Das sind viele Länder zusammen.
UN-Soldaten sollen Kriege verhindern und Menschen beschützen.
Aber er konnte das Verbrechen nicht verhindern.

Foto: Hubertus Thomasius
Staufen (kobinet) In Hans-Günther Heidens spannendem Bericht über eine entscheidende Etappe der deutschen Behindertenbewegung, die Ergänzung von Artikel 3 des Grundgesetzes im Jahr 1994, findet sich die Überschrift "Von Gandhi und Martin Luther King lernen". Was heißt es für Behinderte, sich auf diese Vorbilder zu berufen? Das frage ich mich an dieser Stelle, nicht im speziell behindertenpolitischen Kontext. Sondern im allgemeinpolitischen Zusammenhang der Rückkehr des Themas Krieg auf die politische Agenda. Also in Anbetracht einer uns alle hierzulande betreffenden Kriegsgefahr. Sowie des uns wohl zurecht in Angst und Schrecken versetzenden medialen Anschauungsunterrichts, was die grausame Realität des Krieges für die unmittelbar Betroffenen bedeutet. Eine unmenschliche Realität, vor der uns die Politik bewahren möchte durch Vorbereitung auf sie mittels Aufrüstung und Remilitarisierung. – Wären Gandhi und Martin Luther King da mitgegangen? Nein, nach allem, was wir über sie wissen. Gewaltloser Widerstand war Gandhis Losung und auch die von Martin Luther King, der zusammen mit der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung energisch gegen den Vietnam-Krieg protestierte.
Sich in behindertenpolitischen Gleichstellungsangelegenheiten, in unserem gruppenspezifischen Eigeninteresse also, „mit Liebe, mit Wahrheit, mit leidenschaftlicher Rationalität und mit militanter Entschlossenheit“ auf „den Geist“ dieser beiden großen Vorbilder berufen, mag legitim sein. Passt nach meinem Dafürhalten jedoch nicht zusammen mit konstantem Schweigen über gegenwärtige Kriege und Kriegsgefahren und die dabei drohende Entmenschlichung auf Seiten aller Beteiligten. Wenn Sehende (anders als ich, ein Erblindeter) sagen, ich kann mir diese Bilder nicht oder nicht nicht länger ansehen – beispielsweise infolge von „Kriegshandlungen“, verhungernde Kinder und Frauen oder Propagandavideos von ausgemergelten Geiseln, die ihr Grab schaufeln –, ich muss da wegschauen und mich mit was anderem beschäftigen, so kann ich es nachempfinden. Dies muss allerdings nicht Schweigen und Verdrängen zur Folge haben.
Erzählen ist eine Form der Konfrontation mit einer an sich unerträglichen Wirklichkeit, die es ermöglicht, sich mit einer solchen Wirklichkeit zu konfrontieren und dennoch standzuhalten. – Ein Antikriegshörspiel nannte die Sprecherin beim Deutschlandfunk das Hörspiel „Ich zählte meine Leben nur noch in Sekunden“. Ein Theaterstück am Hamburger Thalia-Theater liegt ihm zugrunde. Es erzählen drei reale, historisch verbürgte Zeitzeugen bzw. Beteiligte. Die Stimme eines überlebenden Opfers der Massenerschießungen, die eines der unmittelbar an der Ausführung des Verbrechens beteiligten Täter und die Stimme eines der holländischen „UN-Blauhelme“, die das genozidale Massaker im jugoslawischen Bürgerkrieg (zwischen Serben und Bosniaken) hätten verhindern sollen.
https://www.hoerspielundfeature.de/srebrenica-hoerspiel-ueber-das-kriegsverbrechen-von-1995-100.html

Foto: Hubertus Thomasius
Staufen (kobinet) In Hans-Günther Heidens spannendem Bericht über eine entscheidende Etappe der deutschen Behindertenbewegung, die Ergänzung von Artikel 3 des Grundgesetzes im Jahr 1994, findet sich die Überschrift "Von Gandhi und Martin Luther King lernen". Was heißt es für Behinderte, sich auf diese Vorbilder zu berufen? Das frage ich mich an dieser Stelle, nicht im speziell behindertenpolitischen Kontext. Sondern im allgemeinpolitischen Zusammenhang der Rückkehr des Themas Krieg auf die politische Agenda. Also in Anbetracht einer uns alle hierzulande betreffenden Kriegsgefahr. Sowie des uns wohl zurecht in Angst und Schrecken versetzenden medialen Anschauungsunterrichts, was die grausame Realität des Krieges für die unmittelbar Betroffenen bedeutet. Eine unmenschliche Realität, vor der uns die Politik bewahren möchte durch Vorbereitung auf sie mittels Aufrüstung und Remilitarisierung. – Wären Gandhi und Martin Luther King da mitgegangen? Nein, nach allem, was wir über sie wissen. Gewaltloser Widerstand war Gandhis Losung und auch die von Martin Luther King, der zusammen mit der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung energisch gegen den Vietnam-Krieg protestierte.
Sich in behindertenpolitischen Gleichstellungsangelegenheiten, in unserem gruppenspezifischen Eigeninteresse also, „mit Liebe, mit Wahrheit, mit leidenschaftlicher Rationalität und mit militanter Entschlossenheit“ auf „den Geist“ dieser beiden großen Vorbilder berufen, mag legitim sein. Passt nach meinem Dafürhalten jedoch nicht zusammen mit konstantem Schweigen über gegenwärtige Kriege und Kriegsgefahren und die dabei drohende Entmenschlichung auf Seiten aller Beteiligten. Wenn Sehende (anders als ich, ein Erblindeter) sagen, ich kann mir diese Bilder nicht oder nicht nicht länger ansehen – beispielsweise infolge von „Kriegshandlungen“, verhungernde Kinder und Frauen oder Propagandavideos von ausgemergelten Geiseln, die ihr Grab schaufeln –, ich muss da wegschauen und mich mit was anderem beschäftigen, so kann ich es nachempfinden. Dies muss allerdings nicht Schweigen und Verdrängen zur Folge haben.
Erzählen ist eine Form der Konfrontation mit einer an sich unerträglichen Wirklichkeit, die es ermöglicht, sich mit einer solchen Wirklichkeit zu konfrontieren und dennoch standzuhalten. – Ein Antikriegshörspiel nannte die Sprecherin beim Deutschlandfunk das Hörspiel „Ich zählte meine Leben nur noch in Sekunden“. Ein Theaterstück am Hamburger Thalia-Theater liegt ihm zugrunde. Es erzählen drei reale, historisch verbürgte Zeitzeugen bzw. Beteiligte. Die Stimme eines überlebenden Opfers der Massenerschießungen, die eines der unmittelbar an der Ausführung des Verbrechens beteiligten Täter und die Stimme eines der holländischen „UN-Blauhelme“, die das genozidale Massaker im jugoslawischen Bürgerkrieg (zwischen Serben und Bosniaken) hätten verhindern sollen.
https://www.hoerspielundfeature.de/srebrenica-hoerspiel-ueber-das-kriegsverbrechen-von-1995-100.html




