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Erster Auszubildender Rollstuhlnutzer bei der DB Regio

Nahverkerszüge begegnen sich auf dem Bahnsteigen des Bahnhofs Dortmund
Züge auf dem Bahnhof Dortmund
Foto: Pixabay/hpgruesen

Frankfurt am Main (kobinet) "Für die Deutsche Bahn zu arbeiten war schon immer der Traum von Nico M. Und seit knapp zwei Jahren lebt er ihn endlich. Nico macht nämlich eine Ausbildung zum Kaufmann für Verkehrsservice mit dem Schwerpunkt Distribution und ist damit der erste Azubi im Rollstuhl bei der DB Regio", heißt es in der Ankündigung des über 5minütigen Fernsehbeitrags des Hessischen Rundfunks, auf den Sabine Lohner die kobinet-nachrichten hingewiesen hat.

Link zum Beitrag des HR

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Ralph Milewski
11.12.2024 12:16

Die Nachricht über den ersten Auszubildenden im Rollstuhl bei der DB Regio wirft einen kritischen Blick auf die derzeitige Wahrnehmung von Inklusion in der Arbeitswelt – und hier liegt das Problem. Es wird hervorgehoben, dass Nico M. der erste Rollstuhlfahrer in einer Büroausbildung bei der DB Regio ist. Doch ist dies wirklich der Grund, warum der Begriff „Inklusion“ so häufig und mit Begeisterung in den Raum geworfen wird?

Betrachten wir die Zahlen und die Realität: Die DB Regio beschäftigt Tausende von Mitarbeitern, darunter auch viele Auszubildende. Dass jemand mit einer Behinderung – in diesem Fall im Rollstuhl – nun in einem Bürojob seine Ausbildung macht, sollte in einer modernen Gesellschaft längst die Norm sein. Büroarbeit stellt keine besonderen körperlichen Anforderungen, und Menschen mit Behinderungen sind genauso in der Lage, solche Aufgaben zu übernehmen. Warum also ist es ein Meilenstein, wenn dieser Ausbildungsweg nun für einen Rollstuhlfahrer geöffnet wird?

Es stellt sich die Frage, warum in einer Zeit, in der Inklusion ein grundlegendes gesellschaftliches Ziel sein sollte, solche „Durchbrüche“ noch immer als außergewöhnlich gefeiert werden. Wenn wir uns die Fakten anschauen, muss man leider feststellen, dass die DB Regio und andere große Unternehmen in diesem Bereich noch weit davon entfernt sind, Menschen mit Behinderungen in allen Bereichen der Arbeit zu integrieren. Ein Rollstuhlfahrer im Bürojob – das ist keine Sensation, sondern sollte schlichtweg eine Selbstverständlichkeit sein.

Dass dies überhaupt erwähnenswert auf kobinet erscheint, ist mir schleierhaft und verdeckt die eigentlichen Herausforderungen: Warum müssen Menschen mit Behinderungen immer noch in spezielle Kategorien eingeordnet und als „Besonderheit“ dargestellt werden? Was sagt es über unsere Gesellschaft aus, wenn wir solche Nachrichten als Fortschritt feiern, obwohl die wahre Inklusion noch lange nicht erreicht ist?

Inklusion bedeutet nicht, auf einzelne Menschen zu zeigen und sie für „besondere“ Leistungen zu loben, wenn sie in Bereiche eintreten, die bereits theoretisch für alle zugänglich sind. Es geht vielmehr darum, Barrieren abzubauen, Vorurteile zu hinterfragen und die Gesellschaft so zu gestalten, dass Menschen mit und ohne Behinderungen selbstverständlich miteinander arbeiten können, ohne dass sie sich in spezielle Kategorien einordnen lassen müssen.

Es bleibt zu hoffen, dass solche Nachrichten nicht nur als Einzelfall, sondern als Anstoß für eine breitere Veränderung und echte Inklusion in allen Bereichen der Arbeitswelt verstanden werden. Aber solange wir weiterhin „Durchbrüche“ wie diese feiern, ohne die zugrunde liegenden systemischen Probleme anzugehen, bleibt der Begriff „Inklusion“ leider nur ein leeres Schlagwort.