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KÖLN (kobinet) Zum ersten Mal wurden in einer Umfrage der Landeselternschaft der Förderschulen GE und KME in Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit dem mittendrin e.V. Eltern von Förderschulkindern in Nordrhein-Westfalen zur Zufriedenheit und zur Schulwahl befragt. Über 2300 Eltern haben sich beteiligt und differenziert geäußert.
73 Prozent der Eltern äußern sich in der Umfrage mit ihrer Förderschule sehr zufrieden oder zufrieden (5 oder 4 Sterne bei der Gesamtzufriedenheit). 15 Prozent sind unentschieden (3 Sterne). 12 Prozent sind unzufrieden oder sehr unzufrieden (2 oder 1 Stern). Die durchschnittliche Gesamtzufriedenheit beträgt 4,0 Sterne (zufrieden).
Gefragt nach der Zufriedenheit mit den einzelnen Leistungen an der Förderschule, sind die Eltern überdurchschnittlich zufrieden mit dem guten Verhältnis zu den Lehrkräften (durchschnittlich 4,2 Sterne), mit der Schulbegleitung (4,2) und der Verlässlichkeit der Schul- und Unterrichtszeiten (4,1). Mäßig zufrieden äußern sie sich zum Lernangebot (3,8), zur Information über den Unterricht (3,7), zum Lernfortschritt des Kindes (3,7) und zum Therapieangebot an der Förderschule (3,5).
15 Prozent der Eltern überlegen, ihr Kind an eine inklusive Schule wechseln zu lassen. Dabei gibt es aus Sicht von 11 Prozent keine inklusive Schule, die den Bedürfnissen ihres Kindes gerecht wird. Demgegenüber überlegen 83 Prozent der Eltern nicht, ihr Kind an eine inklusive Schule wechseln zu lassen.
Die Eltern wählen durchschnittlich knapp fünf verschiedene Gründe aus, warum sie ihr Kind an einer Förderschule angemeldet haben:
- An der Förderschule gibt es kleinere Klassen und mehr Lehrkräfte (72 %).
- Ihr Kind würde in der allgemeinen Schule beim Lernstoff nicht „mitkommen“ (66 %).
- Darüber hinaus begründen 46 % der Eltern ihre Wahl der Förderschule damit, dass sie überzeugt sind, dass die Förderschule grundsätzlich die bessere Schulform für Kinder mit Behinderung ist.
- 42 % kreuzen als Anmeldegrund an, dass ihnen empfohlen worden sei, die Förderschule zu wählen.
- Oft genannt wird auch die therapeutische Versorgung (41 %) und der Schülerspezialverkehr (38 %).
18 Prozent der Eltern geben an, dass ihr Kind vor der Förderschule eine inklusive Schule besucht hat. Sie kennen also beide Schulformen.
Im entsprechenden Kommentarfeld geben diese Eltern am häufigsten an, dass die inklusive Schule zu wenig förderpädagogische Ressourcen hatte oder überfordert war, dass das Kind wenig lernte oder es lediglich „verwahrt“ wurde. Aber auch zu große Klassen, soziale Probleme und Ausgrenzung oder das Fehlen einer geeigneten weiterführenden inklusiven Schule werden häufig genannt.
15 Prozent der Eltern überlegen, ihr Kind an eine inklusive Schule wechseln zu lassen, sehen aber in den meisten Fällen keine geeignete Schule.
Diese Eltern geben im entsprechenden Kommentarfeld sehr häufig an, dass sie sich mehr soziale Kontakte mit Kindern ohne Beeinträchtigung wünschen und keine strukturelle Ausgrenzung. Ebenfalls sehr häufig sehen sie ihre Kinder in der Förderschule unterfordert und erhoffen eine bessere Förderung in einer inklusiven Schule und einen besseren Schulabschluss.
Zur Bewertung der Ergebnisse dieser Umfrage stellte der Vorsitzender der Landeselternschaft der Förderschulen GE und KME in NRW Bernd Klagge fest:: „Die große Mehrheit der Eltern der Förderschulkinder sind sehr zufrieden oder zufrieden mit den Förderschulen in NRW. Sie geben ein eindeutiges Plädoyer für die Förderschule ab. Daher ist das bewährte System der Förderschulen nicht anzutasten und mit den notwendigen Ressourcen auszustatten. Handlungsbedarf gibt es bei den Therapieangeboten und, wie wir aus anderen Umfragen wissen, wegen fehlender Ferienbetreuung und systematischem Unterrichtsausfall an vielen Schulen. Inklusive Schulen müssen attraktiver für Kinder mit Beeinträchtigung werden, jedoch nicht auf Kosten der Förderschulen.“
Eva-Maria Thoms, die Vorsitzende des Elternvereins des mittendrin e.V. fasste ihre Einschätzung in folgenden Worten zusammen: „Vor allem die angegebenen Gründe für die Anmeldung an der Förderschule zeigen, dass Eltern vieler Kinder mit Behinderung selbst 10 Jahre nach Verankerung der Inklusion im Schulgesetz immer noch kein inklusives Schulangebot vorfinden, das ihre Kinder wirklich einbezieht. Es fehlt an Ressourcen und es fehlt an einer Schul- und Unterrichtsentwicklung, die die Lernbedürfnisse von Schüler*innen mit Behinderung mitdenkt. Es ist höchste Zeit, dass die Landesregierung endlich planvoll und strukturiert daran arbeitet, inklusive Bildung in guter Qualität in die Fläche zu bringen. Wo bleibt der im Koalitionsvertrag angekündigte Aktionsplan?“




