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Berlin (kobinet) Mit großer Sorge und Entsetzen blicken das Aktionsbündnis AbilityWatch und andere Verbände auf die jüngsten Äußerungen von Dr. Klaus Heckemann zur Eugenik. "Im Editorial der Verbandszeitschrift der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen skizziert er eine Zukunftsvision, bei der genetische Tests und Verfahren flächendeckend dazu verwendet werden sollen, das 'Risiko der Geburt eines schwerstkranken Kindes' auszuschließen. Seine Auffassung, dies sei 'zweifellos Eugenik. Allerdings in ihrem besten und humansten Sinn', offenbart eine gefährliche Haltung und ist untragbar. Wir sehen in solchen Ansichten eine beunruhigende Rückkehr zu menschenverachtenden Ideologien, die in unserer Gesellschaft keinen Platz haben dürfen.
„Wir schließen uns Organisationen wie Achse e. V. und der DGM e. V.. an und fordern die Vertreter*innenversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen dazu auf, unverzüglich sicherzustellen, dass Menschen wie Dr. Klaus Heckemann keine Verantwortung mehr in ihrer Organisation tragen“, heißt es auf der Internetseite von AbilityWatch.
Link zum Bericht von AbilityWatch
Die AG Selbst Aktiv von behinderten Menschen in der SPD Mittelsachsen zeigt sind tief erschüttert, dass von Medizinern heute, über 90 Jahre nach dem Inkrafttreten des „Gesetz zur Vermeidung erbkranken Nachwuchses“, wieder solche Gedanken geäußert werden. Johannes Gyarmati, Kreisvorsitzender der AG Selbst Aktiv in der SPD Mittelsachsen sagte: “Ich bin angewidert davon, dass ein Revival der Klassifizierung von ‚unwertem Leben‘ unter dem Deckmantel des medizinischen und technischen Fortschritts als ‚Eugenik allerdings, in ihrem besten und humanste Sinne‘ gesprochen wird. Erik Vogel, stellvertretender Kreisvorsitzender der AG Selbst Aktiv in der SPD Mittelsachsen ergänzte: “Das Ziel des medizinischen Fortschritts muss es sein, ein selbstbestimmtes Leben und die Inklusion von Menschen mit Einschränkungen in vollem Umfang medizinisch zu ermöglichen. Wir fordern den Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung auf, rasch die nötigen personellen Konsequenzen zu ziehen. Die Aussagen von Dr. med. Klaus Heckemann sind von einem Vorsitzenden einer Körperschaft des Öffentlichen Rechts absolut inakzeptabel und verletzen die Gefühle und die Würde von Menschen mit Behinderungen.“
Der Bundestagsabgeordnete der CDU, Hubert Hüppe, hat die Äußerungen zum Anlass genommen, um sich mit einem Brief an die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen zu wenden. „Ich gehe davon aus, dass die KV Sachsen als Verursacherin nun auch der erforderlichen Debatte in ihren KVS-Mitteilungen den nötigen Raum geben wird“, betont er am Ende des Schreibens.
Der Landesbeauftragte für Inklusion der Menschen mit Behinderungen von Sachsen, Michael Welsch, zeigt sich ebenfalls entsetzt über die Aussagen des Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS), Klaus Heckemann. „Allein diese Wortwahl verbietet sich von selbst. Herr Heckemann vertritt darüber hinaus wohl ernsthaft die Auffassung, dass die vermeintliche ‚Gesundheit‘ der Gesellschaft vor die individuelle gestellt werden müsse und es gutes Recht sei, Menschen künftig nach genetischen Anlagen zu selektieren“, so der Landesbeauftragte. „Derartige Aussagen sind auch ein Beleg dafür, dass bis in breite Fachkreise hinein noch häufig von einem rein medizinischen Modell von Behinderung ausgegangen wird, das vordergründig auf Defizite abstellt. Zugespitzt werden so, wie in diesem Editorial geschehen, Behinderungen und chronische Erkrankungen als vermeidbares Risiko angesehen und auf den Kostenfaktor reduziert“, so Michael Welsch weiter.
Vor dem Hintergrund der Äußerungen Heckemanns ist es für den Landesbeauftragten schwer vorstellbar, wie mit solchen Repräsentanten ernsthafte Gespräche über eine Verbesserung der medizinischen Versorgung von Menschen mit Behinderungen, z. B. mit Blick auf die mangelhafte Barrierefreiheit vieler Arztpraxen, geführt werden können. Er fordert eine konsequente Aufarbeitung des ungeheuerlichen Vorfalls.




