
Foto: Sarah Hohmann / HMSI
Frankfurt (kobinet) Bei seinem Besuch im Hessischen Koordinationsbüro für Frauen mit Behinderung (HKFB) in Frankfurt hat Andreas Winkel, Beauftragter der Hessischen Landesregierung für Menschen mit Behinderungen, das HKFB als wichtige und kompetente Anlaufstelle für Frauen mit Behinderung, ihre Angehörigen sowie für Fachkräfte gewürdigt. Winkel tauschte sich mit HKFB-Leiterin Rita Schroll über Erfahrungen und aktuelle Herausforderungen aus, mit denen Frauen mit Behinderung in ihrem Bestreben konfrontiert sind, volle gesellschaftliche Teilhabe zu erlangen. Wichtige Punkte waren dabei unter anderem Unzulänglichkeiten bei der medizinischen Versorgung von Frauen mit Behinderung sowie notwendige Verbesserungen bei Hilfsangeboten für von Gewalt betroffene Frauen mit Behinderung.
Rita Schroll betonte, dass sich die Lebensbedingungen von Frauen mit Behinderung trotz aller Fortschritte noch immer grundlegend sowohl von denen von Frauen ohne Behinderung als auch von denen von Männern mit Behinderung unterscheiden. Frauen mit Behinderung seien beispielsweise deutlich häufiger von körperlicher und sexueller Gewalt betroffen als Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt. In diesem Zusammenhang machte die HKFB-Leiterin deutlich: Es werden dringend mehr barrierefreie Schutzwohnungen für von Frauen mit Behinderung und ihre Kinder benötigt, in die diese nach einem Frauenhausaufenthalt ziehen können.
Schroll lenkte den Blick auch auf die besondere Lage gehörloser Frauen, die mehr als dreimal so häufig Gewalt erleben, wie andere Frauen. „Suchen diese Frauen nach einer Vergewaltigung ein Krankenhaus auf, um medizinische Soforthilfe zu erhalten, ist es für sie extrem schwierig bis unmöglich, kurzfristig Unterstützung durch eine Gebärdendolmetschung zu bekommen“, betonte Schroll. Deshalb würden für diese Notsituationen häufig Angehörige oder Bekannte der gehörlosen Frau als Gebärdendolmetscherinnen hinzugezogen. Dies könne aber zu zusätzlichen Belastungen für die von Gewalt betroffenen und dadurch oft traumatisierten Frauen führen.
Zudem berichten Frauen mit Behinderung häufig von großen Schwierigkeiten bei der gesundheitlichen Versorgung: Neurologische Übungen zum Wideraufbau der Gedächtnisleistung sind häufig nicht für die Nutzung eines Screenreaders angepasst, sodass diese für die Genesung wichtigen Übungen von blinden und sehbehinderten Menschen nicht absolviert werden können. Hilfen beim Ausfüllen von oftmals sehr persönlichen Fragebögen und Formularen können aufgrund personeller Engpässe häufig nicht gegeben werden. Dies stellt Frauen mit Behinderungen vor große Schwierigkeiten, denn viele Frauen mit Behinderung können oder möchten auf keine Begleitperson beim Arztbesuch zurückgreifen.
„Ich bin froh, dass es diese Einrichtung in Hessen gibt! Ich bin überzeugt, Frauen mit Behinderung brauchen den besonders geschulten Blick auf ihre Lebenssituation. Und sie brauchen diese starke Stimme“, ergänzt der Landesbehindertenbeauftragte.




