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Weibernetz begrüßt Vorhaben des Bundesarbeitsministeriums für verbesserten Gewaltschutz

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Foto: Weibernetz

Kassel (kobinet) "Nach Veröffentlichung der neuen Studie zum hohen Gewaltvorkommen plant das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) Konkretisierungen zum Gewaltschutz im SGB IX. Auf einer Fachveranstaltung des Ministeriums am 11. Juli 2024 wurde das Vorhaben bekannt gegeben." Dies teilt die Politische Interessenvertretung behinderter Frauen Weibernetz e.V. mit. Dem Bericht zufolge sollen Mindestandards im Paragraf 37a SGB IX eingefügt werden sowie Konkretisierungen in weiteren Paragrafen.



„Zu Beginn der Veranstaltung hatten sowohl Staatssekretär Dr. Rolf Schmachtenberg als auch der Behindertenbeauftragte Jürgen Dusel eingeleitet, dass der Gewaltschutz für den Staat ein zentrales Anliegen ist. Die Umsetzung von Artikel 16 UN-BRK sei dabei das leitende Ziel. Weibernetz begrüßt dieses Vorhaben außerordentlich. Wichtig ist es nun, dass Bund, Länder, Kostenträger und Leistungserbringer*innen an einem Strang ziehen, um in dieser Legislaturperiode noch auf Erfolgskurs gehen zu können“, heißt es im Bericht des Weibernetz.

Link zum Bericht des Weibernetz

Informationen des Weibernetz zur Studie

„Sowohl in Wohneinrichtungen als auch in Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) erleben Frauen und Männer mit Beeinträchtigungen nach wie vor sehr häufig Gewalt in verschiedenen Ausprägungen. Sexualisierte Gewalt und sexuelle Belästigung erleben Frauen deutlich häufiger als Männer. Zu diesem Ergebnis gelangt eine im Juli 2024 veröffentlichte repräsentative Studie des Instituts für empirische Soziologie (IfeS) an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Erstellt wurde die Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales“, heißt es in einem weiteren Beitrag des Weibernetz.

Gewalt in Wohneinrichtungen

Auffällig sei die besonders hohe Gewaltbetroffenheit in ambulanten Settings. Etwa 80 Prozent der Befragten berichteten von psychischer Gewalt, knapp 60 Prozent körperliche Gewalt. Deutlich geschlechtsdifferenzierte Abweichungen betreffen sexualisierte Gewalt und sexuelle Belästigung. Knapp jede 3. Frau im ambulanten Bereich berichtet von sexualisierter Gewalt (Männer zu 7 Prozent), sexuell belästigt wurden sogar mehr als 60 Prozent der Frauen (Männer zu etwas mehr als 30 Prozent).
In stationären Wohneinrichtungen sind die Gewalterfahrungen etwas geringer, befinden sich jedoch ebenfalls auf hohem Niveau.

Gewalt und sexuelle Belästigung in WfbM

In Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) ist das Risiko sexuell belästigt zu werden dem Bericht des Weibernetz über die Studie zufolge, etwa dreimal so hoch wie auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. „37 Prozent der Frauen in WfbM wurden in den letzten drei Jahren sexuell belästigt, 15 Prozent der Männer in WfbM. In den allermeisten Fällen geht die Belästigung von behinderten – überwiegend männlichen – Kolleg*innen aus, nur sehr selten von Leitungspersonen. Auch körperliche und psychische Gewalt erleben Beschäftigte in Werkstätten zu etwa 30 und 15 Prozent, jedoch seltener als im Kontext Wohnen“, berichtet das Weibernetz.

Stärkung des Gewaltschutzes in Einrichtungen notwendig

Durch die Zahlen der neuen Studie wird nach Ansicht des Weibernetz wiederholt deutlich, dass dringend verstärkter Gewaltschutz notwendig ist. Seit der ersten repräsentativen Studie aus dem Jahr 2012 ist das Thema der Gewalt in Einrichtungen präsenter geworden und es wurden erste Maßnahmen getroffen. Weitere müssen nun folgen, zum Beispiel:

– Mindeststandards für Gewaltschutzkonzepte nach Paragraf 37a SGB IX

– interne und externe Beschwerdestellen sowie Monitoring

– Änderungen im Gewaltschutzgesetz für Bewohner*innen in Einrichtungen und Assistenznehmer*innen

– ein Gewalthilfegesetz mit Rechtsanspruch auf Beratung und Frauenhaus

– Empowerment, Partizipation und Selbstbestimmung in Einrichtungen

– Täter*innenarbeit mit behinderten Tatpersonen

– Schließlich: Verfolgung des Ziels der Deinstitutionalisierung gemäß der UN-BRK

Link zum Bericht des Weibernetz „Neue Studie belegt: Gewalt in Einrichtungen weiterhin sehr hoch“