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Diskriminierung von Behinderten: Für mehr Autismus in der Politik

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Berlin (kobinet) "Diskriminierung von Behinderten: Für mehr Autismus in der Politik", so titelt Marko Schlichting einen Kommentar in der Nachrichtenplattform ntv vom 1. Juni 2024, in dem er auf die Äußerungen der FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann eingeht, die Bundeskanzler Olaf Scholz "autistische Züge" vorgeworfen hat. "In dieser Woche hat eine Bemerkung der FDP-EU-Spitzenkandidatin Marie-Agnes Strack-Zimmermann Schlagzeilen gemacht. Sie wollte den Bundeskanzler kritisieren. Doch in Wahrheit hat sie Menschen diskriminiert. Leider kein Einzelfall", heißt es u.a. im Kommentar, in dem Marko Schichting auch auf andere negative Äußerungen über behinderte Menschen eingeht.



„Es ist schon einige Jahre her, da hielt ein Abgeordneter der AfD eine Rede im Bundestag, in der er Menschen mit Down-Syndrom im weitesten Sinne die Bildungsfähigkeit absprach. In einem Interview mit dem MDR sprach sich AfD-Landeschef Björn Höcke gegen inklusive Schulmaßnahmen aus. Der gemeinsame Unterricht von nicht behinderten und behinderten Kindern schade der Bildungselite, behauptet er. In dieser Woche bescheinigte die Spitzenkandidatin der FDP für die Europawahl, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Bundeskanzler Olaf Scholz ‚autistische Züge‘. Sie meinte das negativ. Später entschuldigte sie sich bei autistischen Menschen. Es hätte dieser Entschuldigung nicht bedurft, hätte sich Frau Strack-Zimmermann vorher überlegt, was sie sagt. Von Scholz sind derartige verbale Entgleisungen nicht bekannt“, schreibt Marko Schichting u.a. in seinem Kommentar.

Link zum vollständigen Kommentar für ntv vom 1. Juni 2024

Die Äußerungen der FDP-Politikerin hat auch bei einer Reihe von kobinet-Leser*innen Ärger ausgelöst. So hat sich beispielsweise Benjamin Appelt an die Redaktion der kobinet-nachrichten gewandt:

„Guten Tag, erstmal Mein Name ist Benjamin Appelt ich bin der Landesinklusionsbeauftragte der Linksjugend Solid. Sicher haben Sie schon von der Äußerung von Frau Strack Zimmermann (FDP) zu Olaf Scholz gehört, dass dieser autistische Züge hätte. Dies wird vehement von der Gemeinschaft der Autisten abgelehnt und als Fehltritt betrachtet. Sie hat bewusst eine Gruppe von Menschen im Neurodiversittätsspektrum schlecht geredet und kapiert nicht, dass dies der Wahrnehmung der Autisten in der Gesellschaft, diese nur negativ zu betrachten, einen Bärendienst leistet“, schreibt der Inklusionsbeauftragter der Linksjugend Saar, Benjamin Appelt.

Und weiter betont er im Rahmen einer Presseinformation: „Ich wehre mich dagegen, dass ein Politikprofi wie Frau Strak Zimmermann im Politischen Diskurs mit ihrem politischen Kontrahenten Olaf Scholz zu Ungunsten einer Gruppe von Menschen mit Behinderung, den Autisten, vorgeht. Es ist leider sehr häufig so, dass wir Autisten negativ gesehen werden. Die Wiederholung dieser Vorurteile als Schimpfwort begünstigt die Vorurteile, egal welche Gruppe von Menschen mit Behinderung gemeint sind. Autisten werden aber überdurschnittlich oft von Politikern und Medienschaffenden in ein schlechtes Licht gerückt, in dem man den politischen Gegner einfach so negativ empfundene Eigenschaften in Form einer verbalen Autismusdiagnose um die Ohren haut. Autisten sind eine sehr vielfältige Gruppe von Menschen, die unter anderem eine Reizfilterschwäche haben. Es gibt aber irre viele Vorteile. Ich vergleiche dies immer mit einem Skillsystem beim Rollenspiel: ‚Wenn man alle Punkte in Stärke Setzt geht der Rest eben Flöten. Jede Stärke hat auch ihre Kosten aber man kann auch Schwächen zu Stärken machen!‘ Wir werden schon genug diskriminiert und missverstanden. Halbherzige Entschuldigungen aus der Retorte sollten nicht der Fall sein. Darum verbitte ich mir ‚diese diffamierende Sprache‘, die nichts als ein rhetorischer Querschläger ist. Es kann nicht sein, dass jedes Mal Jahrzehnte von Aufklärungsarbeit und Lobbyarbeit von einem bzw. einer vorurteilbehafteten Politiker*in zu Nichte gemacht werden.“

„Auch fordere ich jegliche Medien, die einen Bericht gedruckt haben, dazu auf eine Klarstellung über Autismus abzudrucken. Frau Strak Zimmermann ist herzlich dazu eingeladen, einmal eine ganze Woche mit mir und anderen Autisten zu verbringen und unsere Welt kennenzulernen und unsere Barrieren, die Menschen wie sie aufbauen. Danach kann sie sich entschuldigen, aber nur nach dem sie sich mit einigen Autist*inne zusammen gesetzt hat“, so der Landesinklusionsbeauftragter der Linksjugend Solid Saar Benjamin Appelt.