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Paradoxien im Pflegealltag

Zwei übereinander liegende Hände von denen eine deutlich einer älteren Person gehört
Pflegende Hände
Foto: Pixabay/sabinevanerp

BERLIN (kobinet) In der Dialogreihe „HU_Körperdiskurse“ des Lehrstuhls Pädagogik bei Beeinträchtigungen der körperlich-motorischen Entwicklung der Humboldt-Universität zu Berlin in Kooperation mit dem Zentrum für Inklusionsforschung Berlin (ZfIB) hat gestern die sechste Veranstaltung stattgefunden.

Diese digitale Veranstaltung wurde von Wiebke Richter mit ihrem sehr persönlichen Beitrag „Wem gehört mein Körper?“ eröffnet. Sie berichtete den circa 75 Teilnehmenden von ihren persönlichen Erfahrungen als pflegebedürftiger Mensch in unterschiedlichen Lebensphasen, schilderte ihre Gedanken zum Spannungsfeld Fürsorge gegen die Macht in Pflegesituationen und reflektierte ihre Strategien der emotionalen Abgrenzung, wenn Berührungen als zu nah oder unangenehm von ihr empfunden werden.

In Pflegesituationen sei ihr, so Wiebke Richter, besonders respektvolles Handeln, ein beidseitiges Einverständnis, Mitsprache bei Auswahl der Pflegeperson sowie ein Vertrauensverhältnis zur pflegenden Person wichtig.

Im zweiten Teil der Veranstaltung erläuterte Prof Dr. Sabine Hartmann-Dörpinghaus in ihrem Vortrag „Die Unüberführbarkeit leiblicher Gewissheit“ ihre pflegewissenschaftliche Sichtweise auf alltägliche Pflegesituationen. Vor allem in der Medizin sei ein Vermessen des Körpers (weiterhin) im Sinne einer Verdinglichung selbstverständlich. Dieser Zugang sei allerdings bei einer Betrachtung von beruflichen Pflegesituationen, die immer auch Beziehungssituationen sind, unzulänglich: Vielmehr bedarf es des Einbezugs weiterer Punkte, wie zum Beispiel Einzigartigkeit, Unsicherheit, Instabilität, Intransparenz, Unvorhersehbarkeit, Unüberschaubarkeit und Wertekonflikte.

In der anschließenden Diskussion wurden die Positionen der Referentinnen lebhaft diskutiert.

Weitere Einzelheiten zu dieser Veranstaltung können auch auf dieser Internetseite nachgelesen werden.