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Trauer um langjährig Aktiven Jens Merkel

Jens Merkel mit Raul Krauthausen und Sigrid Arnade bei der Ankettaktion 2016 in Berlin
Jens Merkel mit Raul Krauthausen und Sigrid Arnade bei der Ankettaktion 2016 in Berlin
Foto: privat

Grimma (kobinet) Der 5. Mai ist traditionell ein Tag, an dem behinderte Menschen auf die Straße gehen und sich für ihre Rechte stark machen. Dieses Jahr war dieser Tag von Trauer überschatten, zumindest bei denjenigen, die Jens Merkel kennen - und das sind viele. Seit vielen Jahren war er am 5. Mai mittendrin bei Veranstaltungen in Sachsen, aber auch immer wieder in Berlin. Vor kurzem hatte Jens Merkel sogar noch ein wichtiges Urteil in Sachen Finanzierung der Kosten für die Assistenz bei Urlaubsreisen erstritten. Hierfür ist er in dem sich jahrelang hinziehenden Verfahren bis vor's Bundessozialgericht gezogen und hatte Erfolg. Am 5. Mai 2024 ist Jens Merkel völlig überraschend gestorben, die Trauer darüber ist groß.

„Gestern erreichte uns die Nachricht, dass Jens Merkel gestorben ist. Der Schock sitzt tief. Ausgerechnet am 5. Mai, dem Protesttag von Menschen mit Behinderung, verlässt uns unser Freund, Gründungs- und Vorstandsmitglied. Jens war sehr oft an diesem Tag bei der Demo in Berlin, es war ihm sehr wichtig, die anderen Aktivist*innen zu treffen und für seine bzw. unsere Rechte auf die Straße zu fahren. Jens war Aktivist durch und durch und hat nicht selten den Aktivismus über die eigene Gesundheit gestellt. Jahrelang ist er quer durch Deutschland gefahren, hat sich 2016 mit an das Reichstagsufer gekettet und hat unermüdlich bei allen Gelegenheiten für die Rechte von Menschen mit Behinderung gekämpft. In den letzten Jahren hat er energisch und unnachgiebig auf juristischem Weg für die Erstattung von Reisekosten für Assistenzpersonen gekämpft – bis ihm in einem Urteil Recht gegeben wurde, auf das sich nun alle Assistenznehmer*innen berufen können. Jens hat große Spuren hinterlassen – in der Behindertenszene, in seinem geliebten Heimatort Grimma in Sachsen und in unseren Leben. Seine Energie, sein Humor und seine Hartnäckigkeit werden uns sehr fehlen“, heißt es in einem Nachruf auf Jens Merkel des Netzwerk für Inklusion, Teilhabe, Selbstbestimmung und Assistenz (NITSA).

Link zum NITSA-Nachruf

„Jens Merkel war Im ForseA-Vorstand von 2007 bis 2009 als Beisitzer, danach bis 2014 stellvertretender Vorsitzender. Er war an der Gründung des Muldentaler Assistenzvereines als Vorsitzender beteiligt, hatte auch das Ehrenamt des Behindertenbeauftragten des Landkreises Leipzig inne, arbeitete bei der Interessenvereinigung für Körperbehinderte des Muldentales, ebenso in der Liga Selbstvertretung Sachsen mit. 2014 hob er den Verein Netzwerk für Inklusion, Teilhabe, Selbstbestimmung und Assistenz e.V. Nitsa e.V. mit aus der Taufe und war dort bis zu seinem Tod stellvertretender Vorsitzender Jens Merkel war bundesweit politisch sehr aktiv und ein großer Kämpfer für die Gleichstellung für die Menschen mit Behinderung. Auch gerichtlich war er erfolgreich. Er erstritt bis zur positiven höchstrichterlichen Entscheidung die Kostenerstattung für seine notwendige Begleitung während Urlaubsfahrten. Aufsehen erregte die Rückgabe der Annen-Medaille aus Protest gegen das Bundesteilhabegesetz“, heißt es auf der Internetseite „Unsere WegbereiterInnen“, die von Gerhard Bartz vom Forum selbstbestimmter Assistenz (ForseA) betrieben wird.

Link zum Eintrag über Jens Merkel auf der Internetseite Unsere WegbereiterInnen