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Zur inklusiven Gesellschaft ist es noch ein langer Weg

Portraitfoto. Ein Mann mit Brille im dunklen Anzug mit weißem Hemd
Pastor Uwe Mletzko, Vorstandsvorsitzender der Evangelische Stiftung Alsterdorf
Foto: Heike Günther

HAMBURG (kobinet) Vor 15 Jahren ist die UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland in Kraft getreten. Eine lange Zeit, doch die Bemühungen um eine inklusive Gesellschaft und barrierefreie Teilhabe in allen Lebensbereichen sind noch zu zögerlich. Auch die Evangelische Stiftung Alsterdorf macht diese Erfahrung in vielen ihrer Arbeitsbereiche und fordert mehr Tempo bei der Umsetzung der Behindertenrechtskonvention und einen glaubwürdigen Willen zur Weiterentwicklung.

„In der Tradition unseres Gründers Heinrich Matthias Sengelmann sind wir an der Seite der Menschen, die von gesellschaftlicher Ausgrenzung bedroht sind oder sie erleben – aufgrund von Behinderung oder Krankheit, Obdachlosigkeit oder Alter“, sagt Pastor Uwe Mletzko, Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Stiftung Alsterdorf (ESA).

„Wir haben in den vergangenen vier Jahrzehnten der Konversion von einer Anstalt zu einem inklusiven und sozialraumorientiertem diakonischen Unternehmen große Fortschritte gemacht, was den Abbau von Barrieren, Selbstbestimmungsrechte der betroffenen Menschen und die Förderung von Teilhabe angeht – aber hin zu einer wirklich inklusiven Gesellschaft ist es noch ein langer Weg“, so beschreibt Mletzko die derzeitige Situation und beschreibt an zwei Beispielen auf welchen Feldern noch mehr getan werden muss:

  • Beispiel Gesundheit: Menschen mit Behinderung erleben immer noch viele Hindernisse im Zugang zu Gesundheitsversorgung. Die Folge: Sie leiden unnötig an Schmerzen, Krankheiten werden oft zu spät erkannt und nicht angemessen behandelt. Das schränkt sie in ihren Teilhabemöglichkeiten ein. Zum Beispiel ist die gynäkologische Vorsorge für körperlich eingeschränkte Personen teilweise nur in Bremen möglich, weil dort die Voraussetzungen geschaffen wurden.
  • Beispiel Arbeit: Arbeit ist ein wichtiger Teil von Selbstbestimmung und Selbstständigkeit. Tatsächlich ist es für viele Menschen mit Behinderung schwierig, einen Arbeitsplatz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu finden. Hier gibt es bürokratische Barrieren, aber auch Vorbehalte und Unsicherheit auf Seiten der Unternehmen. Mletzko: „Wir unterstützen Menschen dabei, einen passgenauen, individuellen Arbeitsplatz zu finden. Dafür brauchen wir auch die Offenheit auf Seiten der Unternehmen. Hier gibt es Fortschritte, aber es ist noch sehr viel Luft nach oben.“