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Trauer um Martin Marquard

Bild von der Busblockade-Aktion 1987 in Berlin
Bild von der Busblockade-Aktion 1987 in Berlin
Foto: privat

Berlin (kobinet) "Am 14. März 2024 starb Martin Marquard (9.10.1944 – 14.3.2024). Den älteren unter uns wird er noch lebhaft in Erinnerung sein: als Berliner Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderung, als Mitbegründer und Mitstreiter des Spontanzusammenschlusses Mobilität für Behinderte, kurz Spontis, als Vorstandsvorsitzender des Berliner Behindertenverbands und verantwortlicher Redakteur der Berliner Behindertenzeitung, um nur einige Tätigkeiten zu nennen, in denen er sich für die Rechte behinderter Menschen einsetzte." Über diese traurige Nachricht berichtet Uschi Aurien auf Facebook. Die Trauerfeier mit anschließender Urnenbeisetzung findet am 24. April 2024 um 10:00 Uhr auf dem St. Matthäus-Kirchof, Großgörschenstraße 12-14 in 10829 Berlin statt.

„Martin Marquard studierte Publizistik, Politikwissenschaft, Soziologie und hängte dann noch ein Lehrerstudium dran. Aber als Lehrer konnte er nur wenige Jahre arbeiten. 1971 wurde er mit der Diagnose Chronische Polyarthritis, einer schweren Rheumaerkrankung, konfrontiert. In 15 Jahren werden Sie im Rollstuhl sitzen, lautete die Prognose. So kam es. ‚… wenn ich mich hinsetzte, hatte ich gleich wieder Angst vor dem Aufstehen … Da haben mir behinderte Menschen besonders geholfen: Sie haben mir vor Augen geführt, wie dumm und bescheuert ich doch bin, krampfhaft laufen zu wollen. Und das stimmte: Der Rollstuhl war wie eine Befreiung. Da hat mein Leben wieder angefangen.‘ 13 Jahre aktive Mitarbeit bei den Spontis prägten ihn. Behindert und aktiv sein. Sich nicht auf ein individuelles Schicksal zurückziehen, sondern den Blick auf die Barrieren in der Gesellschaft richten mit dem Ziel, diese zu beseitigen. Die Spontis schrieben mit ihren Aktionen Berliner Politikgeschichte. Rollstuhlfahrer*innen blockierten mit Ihren Elektro-Rollstühlen am 23. Januar 1987 die Kreuzung am Adenauerplatz. Wenige Tage später bei minus 15 ° die Kreuzung am Kranzlereck. Zum 20Jährigen Jubiläum bezeichnete Marquard den Spontanzusammenschluss als eine politische Instanz, an der niemand vorbeikomme. Die Einführung rollitauglicher Niederflurbusse ist dem Engagement der Spontis zu verdanken. Oder wie Marquard es ausdrückte: Ohne den Spontanzusammenschluss wäre Berlin nicht das, was es heute ist“, berichtet Uschi Aurien in ihrem Nachruf auf Martin Marquard.

Unter weiter schrieb sie auf Facebook: „In den Jahren als Berliner Behindertenbeauftragter gelang ihm der Spagat, ein glaubwürdiger Vertreter für die Rechte behinderter Menschen zu sein und zu bleiben und gleichzeitig Repräsentant der Verwaltung. Er konnte Fronten verbinden, ohne seine Integrität zu verlieren. Eine hohe Messlatte für seinen Nachfolger. Ein Thema, das ihm besonders am Herzen lag, war die Ermordung behinderter und psychisch kranker Menschen im Nationalsozialismus. Anlässlich der Enthüllung der ‚T4‘-Informationstafel in der Tiergartenstraße am 10. Juli 2008 fand Martin Marquard deutliche Worte: ‚Das Hauptproblem liegt aus meiner Sicht darin, dass es keine klare, konsequente, eindeutige, ungeteilte Ablehnung des Euthanasiegedankens in unserer Gesellschaft gibt – früher wie heute.‘ Als du vor 15 Jahren in den Ruhestand gingst, wurdest du gefragt, was du dir für die Zukunft wünschst. Deine Antwort: Eine barrierefreie Stadt. Martin, wir arbeiten dran.“

Link zum Facebookeintrag von Uschi Aurien