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Menschen mit Behinderung droht Exklusion und Diskriminierung. Personalmangel verhindert Teilhabe!

Demo HEPs
HEP-Bündnis ruft zu Protest auf Demonstration am 25. April 2024 in Wiesbaden auf dem Kranzplatz
Foto: Stephan Laux

Villmar - Weyer (Kobinet) HEP-Bündnis ruft zu Protest auf:

Demonstration am 25. April 2024 in Wiesbaden auf dem Kranzplatz um 12 Uhr

Hessen braucht HEPs und andere Inklusionsprofis!

Heilerziehungspfleger*innen (HEP) sind für die Assistenz und Pflege von Menschen mit Behinderung zuständig. Die Berufsgruppe fällt derzeit leider durch alle politischen Raster und erfährt kaum Unterstützung und Stärkung. Deshalb hat sich ein breites Bündnis von Selbstvertretungen, Verbänden, Fachschulen, Einrichtungen und Angehörigenvertretungen zusammengefunden und positioniert sich für eine Stärkung der HEPs und für andere Berufsgruppen im Feld der Behindertenhilfe. Inklusion kann nur mit ausreichend Fach- und Assistenzkräften gelingen! Diese auszubilden und deren Arbeitsbedingungen zukunftsfähig zu gestalten, braucht schnelles und entschlossenes politisches Handeln. Alle müssen jetzt der Inklusion eine Stimme geben!

Laut dem Statistischen Bundesamt lebten 2022 in Deutschland 7,8 Millionen schwerbehinderte Menschen. Das sind 9,4 % der Gesamtbevölkerung. In Hessen waren es 587.000 schwerbehinderte Menschen. Nicht alle von diesen sind auf Unterstützung angewiesen. Aber knapp 1 Millionen Menschen mit Behinderung, die in Deutschland Leistungen der Eingliederungshilfe (Sozialgesetzbuch IX) beziehen, brauchen häufig HEPs und andere Inklusionsprofis, um den Alltag zu bewältigen. In Hessen sind es aktuell 72.000 Leistungsempfänger*innen. HEPs und andere Fachkräfte arbeiten in ambulanten oder stationären Wohnangeboten, in Rehabilitationszentren, in Werkstätten, in Förderschulen und integrativen Kindertagesstätten oder direkt in den Familien. Sie sind Profis, die Inklusion ermöglichen. Ziel ihrer Arbeit: Menschen mit Hilfebedarf in deren Selbstbestimmung und Alltag zu unterstützen und ihnen ein Leben in der Mitte der Gesellschaft zu ermöglichen.

Aufgrund eines massiven Fach- und Arbeitskräftemangels droht mittlerweile eine Unterversorgung für Menschen in vielen Bereichen der Behindertenhilfe und Sozialpsychiatrie. Es gibt immer weniger Inklusionsprofis und damit immer weniger Wohn- und Arbeitsangebote für Menschen mit Behinderung. Für selbstbestimmte, kleinteilige Angebote fehlen die Finanzierung, die Fachkräfte und Wohnraum.

Die Zahl der Schüler*innen in den Fachschulen für Heilerziehungspflege sinkt in Hessen und bundesweit dramatisch. In 2024 werden deutlich unter 400 HEPs ihre Ausbildung in Hessen abschließen. Der Bedarf an Fachkräften in der Hessischen Behindertenhilfe beträgt aktuell aber rund 3.000 und wächst jährlich aufgrund des demographischen Wandels. Diese Situation verhindert Inklusion und diskriminiert Menschen mit Behinderung und deren Familien.

In Hessen will die neue Landesregierung die Rahmenbedingungen für HEPs und deren Auszubildende verbessern. Dafür wurden im Koalitionsvertrag konkrete Maßnahmen vereinbart, die das HEP-Bündnis ausdrücklich begrüßt. Die Maßnahmen müssen schnell kommen, um eine sich immer weiter zuspitzende Notlage abzuwenden.

Wichtig ist auch die schnelle Durchsetzung von erleichterten Zugängen von ausländischen Fachkräften und Auszubildenden in das Feld der Behindertenhilfe. Die im Ausland erworbenen Fachhoch- und Hochschulreifen müssen als gleichwertig akzeptiert oder zumindest als Zugangsvoraussetzung für eine HEP-Ausbildung anerkannt werden.

Am 25. April ab 12 Uhr führen wir als Bündnis auf dem Kranzplatz vor der Staatskanzlei eine große Protestaktion durch, um auf die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung und den Personalmangel in der Behindertenhilfe aufmerksam zu machen. Viele Menschen werden kommen: Selbstvertreter*innen, Angehörige, HEPs, Auszubildende etc. Vor der Protestaktion werden wir in der Landespressekonferenz unser Forderungspapier der Öffentlichkeit vorstellen. Die Aktion ist Teil eines bundesweiten Protesttages!

Wir bitten Sie hiermit, unser Anliegen zu unterstützen und sich politisch dafür einzusetzen, dass der Personal- und Ausbildungsmangel in der Behindertenhilfe genauso entschieden bekämpft wird wie in anderen Hilfefeldern! Soziale Gerechtigkeit und sozialer Frieden brauchen Wachsamkeit für alle Hilfefelder!

Kommen Sie am 25.4. um 12h nach Wiesbaden und protestieren Sie mit uns!

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Ansprechpartner für das Bündnis:

Bianca Girschik-Benderoth

Mission Leben – Akademie für Pflege- und Sozialberufe

Mina-Rees-Straße 6

64295 Darmstadt

Telefon: +49 (0)6151 / 87012-20

E-Mail: [email protected]

Alexander Mühlberger

Lebenshilfe Landesverband Hessen e. V.

Raiffeisenstraße 18

35043 Marburg

Telefon: +49 (0)6421 94840-221

E-Mail: [email protected]

Dr. Thorsten Hinz

Stiftung Nieder-Ramstädter Diakonie

Wichernstr. 34

64367 Mühltal

Telefon +49 (0)6151 149-1690

E-Mail: [email protected]

Lesermeinungen

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3 Lesermeinungen
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Heidi Eiselein
21.03.2024 21:09

Gute Idee öffentlich drauf aufmerksam zu machen.
In Gedanken werde ich bei Euch sein.
Meine Behinderung ermöglicht mir leider keine aktive Teilnahme.

Heidi Eiselein
21.03.2024 21:07

Das Problem der Exklusion ist wohl Deutschlandweit vorhanden.
Ich jedenfalls habe in Bayern weder einen Platz in einer Wohneinrichtung mit barrierefreiem Zugang gefunden. Auch ein Platz für ein Wohntraining für mehrfach Körperbehinderte Menschen habe ich nicht finden können. Die lokalte Einrichtung in Würzburg hat zwar Plätze frei, aber kann aufgrund des Personalmangels bereits seit über einem Jahr niemanden aufnehmen.
Nicht besser sieht es in Einrichtungen für psychisch Kranke Betroffene aus oder auch in Wohnheimen für Menschen mit kognitivem Unterstützungsbedarf.
In Unterfranken gibt es in vielen Einrichtunge leider teilweisen Leerstand – wegen Personalmangels.

Gleiches gilt bei uns auch in Pflegeheimen.

Schön fände ich es, wenn Betroffene in den leerstehenden Zimmern wenigstens eine Lösung ihres Wohnproblems angeboten werden könnte. Aber da scheitert es meines Wissens an den Bestimmungen…

Marion
Antwort auf  Heidi Eiselein
23.03.2024 10:57

Un ändern wird sich diese Situation auch nicht. Das liegt aber im wesentlichen an der gesellschaftlichen Entwicklung. Andere EU-Länder sind da besser, das aber auch nur, weil da das Miteinander noch gut funktioniert. Wer heute eine Behinderung hat, den würde ich immer raten (so schlimm das klingt), Deutschland zu verlassen. Leider ist das nicht für jeden möglich.