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Nicht-invasive Pränataltests sollen Kassenleistung werden

Kleinkind, das in Decken eingewickeltist, schaut den Betrachter  des Bildes nach oben an
Kleine Kinder verändern das Leben in Familien
Foto: Pixabay/Pexels

BERLIN (kobinet) Die Bundesregierung wird aufgefordert, ein Monitoring zu den Folgen der Kassenzulassung des Nicht- invasiven Pränataltest (NIPT) zu veranlassen. Das fordert die interfraktionelle Gruppe Pränataldiagnostik in Form eines Antrags an die Bundesregierung. Sie bringt damit eine Initiative auf den Weg, die dem Bundesratsbeschluss „Kassenzulassung des nicht-invasiven Pränataltests (NIPT) – Monitoring der Konsequenzen und Einrichtung eines Gremiums“ vom 16. Juni 2023 entspricht:

Wie dringend die Auseinandersetzung mit der NIPT-Kassenzulassung ist, zeigen die Abrechnungszahlen zum NIPT in den ersten zwölf Monaten seit Kassenzulassung (Juli 2022 bis Juni 2023), welche die interfraktionelle Gruppe beim GKV-Spitzenverband angefordert hatte. Sie zeigen, dass der Test zirka 63.000 Mal bei rund 160.000 Geburten pro Quartal zum Einsatz kam.

Damit kommt auf weniger als drei Geburten ein NIPT. Das ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass der vorgeburtliche Trisomien-Bluttest nicht nur in begründeten Einzelfällen zum Einsatz kommt, wie es die Mutterschafts-Richtlinie des G-BA vorsieht, sondern doch zur Routineuntersuchung in der Schwangerschaft geworden ist. Zudem deuten Zahlen, zum Beispiel aus Bremen, darauf hin, dass seit der NIPT-Kassenzulassung risikoreichere invasive Untersuchungen zur Abklärung eines positiven Befunds zugenommen haben.

Während der Orientierungsdebatte zu pränatalen Bluttests als Kassenleistung, die der Bundestag 2019 geführt hat, bestand überfraktionelle Einigkeit, dass der Test nicht als Reihenuntersuchung eingesetzt werden dürfe. Der Antrag der interfraktionellen Gruppe gibt dem Parlament die Möglichkeit, seiner Verantwortung gerecht zu werden und über ein Monitoring Regelungsbedarfe bei der Pränataldiagnostik zu identifizieren. Das ist dringend geboten angesichts weiterer molekulargenetischer Tests, die in Entwicklung sind und mit denen in absehbarer Zeit Wahrscheinlichkeiten anderer genetischer Besonderheiten angezeigt werden können. Weil diese Entwicklung fundamentale ethische Grundfragen unserer Werteordnung berührt, hat das Parlament die Aufgabe, Bedingungen und Grenzen zu definieren.

Lesermeinungen

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2 Lesermeinungen
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Heidi Eiselein
02.03.2024 18:32

Wie viel Geld haben diese abgerechneten Kassenleistung in diesem Zeitraum gekostet und wie viele Menschen mit seltenen genetisch bedingten Veränderungen sind letztendlich geboren worden?
Vermutlich hätten die Kosten für diese 160.000 Tests ausgereicht um Familien mit einem behinderten Säugling für einen längeren Zeitraum zu unterstützen und gemeinsam fit für ein inklusives wertvolles Leben zu machen.

Heidi Eiselein
02.03.2024 18:29

Bereits diese Bluttests sind ein Eingriff in die Menschenwürde des Säuglings! Es wird anhand von Gendaten entschieden, ob Leben lebenswert ist!