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Rufknopf am ICE 4

Rufknopf am Einstieg des ICE 4
Rufknopf am ICE 4
Foto: Kay Macquarrie

Berlin (kobinet) Der Kieler Kay Macquarrie fährt viel mit der Bahn und hat oft auch in Berlin zu tun. In seiner Kolumne für kobinet hat er sich Gedanken zum ICE 4, dem Zuglift und dem grünen Rufknopf am Einstieg für behinderte Reisende gemacht. Veränderung tut weh, meint Macquarrie. Eine Nervensäge oder jemand, der einfach Bahnfahren möchte wie alle anderen auch?

Es gibt Gewohnheiten, die einem lieb werden – oder jedenfalls nicht weiter stören. Jahr(zehnte)lang wurden Menschen mit Behinderung dazu “erzogen” sich brav im Verkehr der Deutschen Bahn anzumelden. 24 Stunden vorher oder gar 48 Stunden vorher, um überhaupt mitgenommen zu werden. Um zum Beispiel Hilfe für Hürden (Stufen!!!) zu bekommen, die die Bahn samt Zulieferern aufgebaut hat und die eine Gesellschaft meist stillschweigend mitträgt (Ableismus).

Und dann kommen Leute vorbei, die mal auf den Knopf drücken. Den Knopf, der am modernen ICE die Hilfe holen soll: auf Knopfdruck quasi. Spontan reisen – wie alle anderen auch. Gut gedacht, schlecht gemacht. Denn der Einstieg in den Zug erfolgt über einen Zuglift, der zwar funktioniert – wenn auch meist klemmenderweise -, aber so dermaßen kompliziert ist, dass sich die 1000 Schritte zum Entfalten kein Mensch merken will. Und Schulungen dazu nach dem Motto daherkommen: VR-Brille auf und dann klappt das schon, wenn ein Knopfdrücker vorbeikommt. Weit gefehlt, liebe Bahn und lieber Siemenskonzern.

Und wer muss die Geschichte einer handfesten Fehlplanung ausbaden? Das ohnehin krass belastete Personal im Zug oder am Bahnsteig – mitsamt Fahrgästen wie mich, die es wagen, sieben Jahre (!) nach Einführung des spontanen Reisens auf den Knopf zu drücken. Statt einfach mal machen, heißt es von den Bahnverantwortlichen: Bitte meldet euch doch wieder an, denn dann können wir unsere Statistik weiter verschönern und sagen, was für ein tolles Unternehmen wir sind mit jährlich hunderttausenden von Hilfestellungen für Menschen mit Behinderung.

Es gibt übrigens noch einen Player, der neben dem Quasimonopolisten Bahn (insbesondere für Reisende mit Behinderung), und dem Haus und Hoflieferanten Siemens mit ihren fehlgeplanten Stufenzügen im Spiel der Nichtveränderung mitmischt: Es ist die Bundespolizei, die nicht selten willkürlich angewandtes Hausrecht umsetzt, wenn die Bahn sagt: Deine Nase und deine Knopfdrückerei gefällt mir nicht, dich nehme ich nicht mit!

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Marion
22.02.2024 14:05

Ich habe mit meiner Behinderung und der DB noch nie Probleme gehabt, auch wenn ich mir mehr Reisefreiheit für uns Rollis wünsche. Selbst die BPOL war bisher immer hilfsbereit und eine falsche Bemerkung würde für mich sofort die Frage nach dem Wissen zum AGG und den Folgen des StGB heraus locken.

Der Wunsch nach totaler Barrierefreiheit, der Traum davon, dass die Bahn jetzt alle Züge verschrottet und neue kauft, oder der Traum nach unendlichem Bahn-Personal, dass mich zu jedem Zeitpunkt in den Zug trägt … Es wären ja nur diese kleine 78 Millionen Personalmehrkosten und diese rund 10200 zusätzlichen Bahnmitarbeiter*innen um bundesweit den 24/7 Mobilityservice anbieten zu können. Bei 80- 120 Mio Bahnkunden wären das ja auch bloß 1-2 Euro die Bahntickets teurer werden und das werden doch die Kunden als Beitrag zur Inklusion, trotz steigender Lebenshaltungskosten, verkraften können. Oder?