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Vom Novemberblues 2019 zum Februarblues 2024 oder Trump Reloaded ist kein Fake

Hans-WilliWeis auf Bank am Wald und Bruce Springsteen
Hans-Willi Weis und Bruce Springsteen (Collage)
Foto: HW, HT, ov

Staufen (kobinet) Nein, der american king of white trash ist leider nicht im politischen und juristischen Spamfilter hängengeblieben. Und dürfte bald nicht nur über fly over country sein bekanntes Unwesen treiben. Nobody knows the trouble we will see! – Stockt nicht auch euch der Atem? Zu sehen, nach vier Jahren wiederholt sich etwas, von dem wir glaubten, sein politisches Horrorszenario läge hinter uns. Wir treten, so fühlt es sich an, auf der Stelle und deren Boden ist heute noch schlüpfriger und dichter am Abgrund als vier Jahre zuvor. Sie habe Herzschmerzen bekommen, so eine Bekannte von uns, als sie am Bildschirm sah, wie US-Amerikaner stundenlang bei hohen Minustemperaturen Schlange stehen, um ihrem Idol, ihrem „Erlöser“, zum Triumph zu verhelfen. „Trump came from heaven to earth, this time it was no virgin birth.“

Desto dringlicher, im Kopf Klarheit zu schaffen über die bedrohlichen Vorgänge, drüben wie übrigens auch hüben, es handelt sich um denselben Ungeist. Mein Text von Ende 2019 ist derzeit so aktuell wie seinerzeit. Insbesondere was er über „Repräsentation“ ausführt. Die wenigen Minuten konzentriertes Lesen lohnen sich auch deshalb, weil ich zuletzt – ein kleiner Lichtblick – von meiner persönlichen Begegnung mit Bruce Springsteen alias „the boss“ berichte. Wenn die anderen uns mit Trump kommen, können wir nicht splitternackt dastehen.

Liberale Elite und Krise der Repräsentation

Mitte November 2020, die Welt im Fieber, Pandemie und Präsidentschaftswahl,Trump und Drosten. Unsere Welt ist ganz Medienwelt. Trump und Drosten, weder der einen noch der anderen Medienwelt und einem ihrer sozialen Ankermilieus sich zugehörig fühlen, heißt gesellschaftlich verloren gehen. In einer medial nicht repräsentierten Dunkelzone verschwinden. Das Erlebnis eines „social distancing“ unabhängig von Corona, nicht im aktiven Modus, als Widerfahrnis vielmehr.

Wie zu jeder und jedem von uns, so kommt auch zu mir, ins Ohr des erblindeten Autors, des nicht nur aus Coronagründen in seinem Homeoffice Festsitzenden, die Welt im Medienweltmodus. Darin steht der Twitterer Trump, mit ihm das mediale Schauspiel des Trumpismus, für die Welt des Populismus. Der Podcaster Drosten, der an Rationalität und Objektivität appellierende Wissenschaftssprech des Pandemie-Experten, steht für die Gegenwelt des Liberalismus, des politischen und des gesellschaftlich-kulturellen, für mich das sympathischere Medienweltformat.

Beiden Welten gemeinsam ist die neoliberale Geschäftsgrundlage, der wirtschaftliche und der gesellschaftliche Wettbewerb aller mit allen, die harte Währung sozusagen, auf die Verlass ist im Unterschied zu ideologischen Statements, zum ideellen Überbau. Weshalb es geschehen kann, dass bekennende Feministinnen in den USA, weil sie sich einen wirtschaftlichen Vorteil versprechen, ihr Wahlkreuz bei Trump machen, „pussygraping“ hin oder her. Ökonomische Vorteilsnahme wiegt schwerer als die Vermeidung kognitiver Dissonanz. Zynisches Egoverhalten schlägt ideologische Bekenntnistreue, Selbstbehauptung rangiert auch unter Kulturliberalen im Zweifelsfall vor solidarischem Verhalten.

Zu solch nüchternem Kalkül und seinen zynischen Verhaltenskonsequenzen sind jene Anhänger des Populismus, die als Liberalisierungs- und Deregulierungsverlierer zu ihm gestoßen sind, in der Regel gar nicht fähig. Nicht am Eigeninteresse orientierte Überlegung, der Affekt leitet sie. Nicht nur der Ärger und Frust von Spielverlierern, vielleicht mehr noch das Ressentiment von „Erniedrigten und Beleidigten“. Ist doch seitens der tonangebenden Liberalen in Politik und Medien stets von Chancen, Vorteilen und Gewinn die Rede, die nicht nur die Demokratie, sondern vor allem ihre neoliberale Wettbewerbsordnung allen in Aussicht stellt. Wie sollten sie also nicht zu dem Eindruck gelangen, die herrschenden Eliten versuchten, sie für dumm zu verkaufen.

Dieser verständlichen Gefühlsreaktion, diesem „Gefühlsstau“ mitunter, bieten populistische Politiker und Politikdarsteller ein Ventil. Dessen Funktionsweise bezeichnet Hans Ulrich Gumbrecht mit dem Begriff „Resonanzkommunikation“. Diese geht nicht über Inhalte, sie erfolgt durch wechselseitige Gefühlsverstärkung. Die populistische Resonanzkommunikation sammelt und bündelt die Affektenergien von Frustration, Verzweiflung, Ärger, Zorn und Wut und richtet ihren aggressiven Furor auf das generalisierte Feindbild sämtlicher Populisten: Diese verdammten liberalen Eliten (gleichzeitig ein Buchtitel des selbstkritischen Liberalen Carlo Strenger). Darüber hinaus ködern die Regisseure des Spektakels das depravierte Selbst, das gekränkte Ego, mit dem Angebot eines kompensatorischen Größen selbst durch Identifikation mit einem emotional positiv aufgeladenen, aber sachlich inhaltsleeren Objekt: Trumps „Make America great again“ etc.

Was sagt der linksliberale Resonanz-Euphoriker Hartmut Rosa wohl über das Zustandekommen einer derart erschreckend erfolgreichen Resonanzbeziehung am antiliberalen, populistischen Pol des politischen und gesellschaftlichen Spektrums? Dass er sich gelingende Resonanzbeziehungen eigentlich ganz anders vorstellt? Ich möchte an dieser Stelle einer anderen Frage nachgehen, der nämlich, was uns die von Gumbrecht ins Blickfeld gerückte „Resonanzkommunikation“ über Repräsentation und Repräsentationsmangel in der liberalen Demokratie lehrt.

Vier Ebenen von Repräsentation

Zunächst wird am Beispiel Resonanzkommunikation unmittelbar deutlich, dass hinsichtlich des Politischen Repräsentation nicht gleich Repräsentation ist. Die Repräsentation eines politischen oder sozialen Milieus, von welcher in der Resonanzkommunikation gesprochen werden kann, hat überhaupt nichts zu tun mit der Art von Repräsentation, an die man als erstes denkt beim Begriff der demokratischen Repräsentation, d.h. mit der Repräsentation von Interessen, wie sie durch mandatierte politische Interessenvertreter, Abgeordnete etwa, verkörpert wird. Als „Stimmungsrepräsentation“ lässt sich die resonanzkommunikative Spielart des Repräsentierens meines Erachtens am besten auf den Begriff bringen. Eine dritte Variante möchte ich „Bekenntnisrepräsentation“ nennen, in ihr spielen ideologische Identifikationsobjekte die Hauptrolle (wie Heimat, Nationalität, Glaube oder Konfession). Die vierte Form, die Repräsentation von Erfahrung, finde ich am interessantesten, weil hier das Konzept resp. die Funktion von Repräsentation an eine Grenze stößt. Insofern nämlich, als die Frage verneint werden muss, ob Erfahrungen repräsentierbar sind durch Repräsentanten, die diese nicht selber machen. Erfahrungen, die zu signifikant unterschiedlichen Lebenswelten gehören und nicht allgemein, d.h. auch von Menschen in anderen Lebensverhältnissen geteilt werden. Und zwar scheinbar desto weniger, als sich die Gesamtgesellschaft zunehmend in disparate Lebenswelten mit divergierenden Alltagserfahrungen fragmentiert.

Um zu veranschaulichen, was ich angesichts dieser gesamtgesellschaftlichen Vorzeichen mit der wachsenden Unmöglichkeit von Erfahrungsrepräsentation meine: Der von ihnen umjubelte und auf den Präsidentensessel im Weißen Haus gehievte Quoten-und Immobilienmilliardär Trump repräsentiert in diesem Amt nicht die lebensweltlichen Erfahrungen der Angehörigen des „White Trash“ im „Rust Belt“. Woran sie allerdings so lange keinen Anstoß nehmen wie sie mit ihrem Idol in Resonanzkommunikation sind, es ihnen täglich und stündlich im Staccato der Tweets die gewünschte aggressive Stimmungsrepräsentation im Doppelpack mit einer ebenso ersehnten euphorisierenden Bekenntnisrepräsentation frei Haus bzw. auf ihre Smartphones liefert. Sie von Tag zu Tag mit dem unvergleichlichen Erlebnis ihrer gefühlten Auferstehung von den „sozial Toten“, ihrer phantasmatischen Rückkehr aus dem Schattenreich der Enterbten (der „Globalisierungsverlierer“, wie die von der postindustriellen Ökonomie erzeugten Überflüssigen gemeinhin verharmlosend genannt werden) versorgt.

Was mich an den Ausgangspunkt dieser Überlegungen zurückbringt. Zu meinem persönlichen Erlebnis der sozialen Distanzierung, im passiven Modus des Verschwindens in der gesellschaftlichen und medialen Unsichtbarkeit. In der kommunikativen Resonanzlosigkeit. Dem Gegenpol zu jener Resonanzkommunikation, die ihre Kultgemeinde nicht lediglich zusammenschweißt, sondern periodisch in den siebten Himmel einer parareligiösen Kommunion entrückt. Mein dazu konträres Gefühlserlebnis der Resonanzlosigkeit bezieht sich nun in punkto Repräsentation weniger auf die politisch institutionelle Ebene der Parlamente und Mandatsträger, als vielmehr auf die dem vorausliegende Prozessebene des kulturellen und gesellschaftlichen Diskurses, darauf also, wie die Gesellschaft im Nachdenken über sich, in der intellektuellen Reflexion, sich selbst beschreibt. Die Agenten dieser Selbstbeschreibung sind die Intellektuellen und in einem weiter gefassten Verständnis die Medien bzw. der Journalismus. Um diese Ebene von Repräsentation handelt es sich bei dem von mir angedeuteten Gefühl eigener Nichtzugehörigkeit, kurz, wie ich jetzt auch sagen könnte, meiner Nichtrepräsentation. In den Aspekten Erfahrungsrepräsentation und Stimmungsrepräsentation. Denen gegenüber die Aspekte Interessen- und Bekenntnisrepräsentation zunächst sekundär erscheinen.

Frustgefühl und Aggression von Globalisierungsverlierern sind der Brennstoff populistischer Resonanzkommunikation

Ein Beispiel. Der Ökonom Marcel Fratzscher, Chef des renommierten DIW, der zuletzt eine Publikation mit dem Titel Die neue Aufklärung vorgelegt hat, erinnerte im Gestus des neuen Aufklärers kürzlich im Deutschlandfunk die Hörer daran, was für ein Segen im Unterschied zum amerikanischen das deutsche Gesundheitswesen für uns alle bedeute. Es sichere die „Gleichbehandlung aller“, wie sich einmal mehr in der Coronakrise zeige. Allerdings, was Fratzscher nicht sagt, beginnt die Gesundheitsversorgung nicht auf der Intensivstation und der Lackmustest der Gleichbehandlung findet nicht erst bei der Warteschlange an den Beatmungsgeräten statt. So nonchalant über die Einzelheiten hinwegsehen und unserem Gesundheitssystem vollmundig den egalitären Persilschein ausstellen, dies vermag einer, der kein Zyniker ist, nur dann, so vermute ich, wenn er persönlich noch nie die Erfahrung hat machen müssen, als „Fallpauschale“ in überfüllten Wartezimmern bei Terminknappheit durch bundesdeutsche Arztpraxen geschleust zu werden. Als pflichtversicherter AOKler – „allgemeiner Ortskranker“ könnte man das Kürzel auch übersetzen – sich an Kassengestellen notdürftig gesundheitlich und kosmetisch über die Runden zu hangeln. Könnte es sein, jemand in der Rolle des intellektuellen Beobachters gewichtet die Relationen anders bzw. verspürt, wie ich, den Impuls, sie zurechtzurücken, sobald er oder sie aus der bürgerlichen Komfortzone herausfällt und in einem Abstiegsmilieu resp. in Verliererverhältnissen gelandet ist?

Edouard Louis – in Frankreich bekanntgeworden durch seine autobiographische Coming-of-Age-Erzählung Das Ende von Eddy – sagte in seiner Lecture an der Humboldt-Universität, „die Realität ist eine große Seltenheit in der Politik“. Zweifellos eine Übertreibung, eine notwendige allerdings, vor dem Wahrnehmungs- und Erfahrungshintergrund des jugendlichen Homosexuellen aus einem provinziellen, proletarischen und homophoben Herkunftsmilieu. Provokationshalber reizt es mich, die Übertreibung des jungen Wilden zu variieren: die Realität ist eine große Seltenheit in der medialen Performance mancher unserer intellektuellen Abstraktionskünstler. Täte da nicht ab und an eine Prise Konkretion gut, gewissermaßen als Antidot gegen das Zuviel an intellektueller Abstraktionskunst?

Niemand springt so ohne weiteres über seinen Schatten, am wenigsten den eigenen „Erfahrungsschatten“. Also auch nicht – egal wie beharrlich ich meine abweichenden Erfahrungen geltend zu machen versuche – die liberale intellektuelle Elite in ihrem gewöhnlich behüteten, gegen soziale Unbill und Alltagsnöte gesicherten akademischen Mittelschichtmilieu. Und so wenig wie das Gros der linksliberalen deutschen Intellektuellen dürften – um zurückzukehren zu der zuvor schon in den Blick genommenen globalen Dimension des Problems – die in den USA imstande sein, die Schranken ihrer milieuspezifischen Erfahrung zu überwinden. Zwar werden die dortigen intellektuellen Meinungseliten im Bund mit den Liberalen der Demokratischen Partei weiterhin den Versuch unternehmen, den Benachteiligten und Unterprivilegierten eine Stimme zu verleihen, sich als deren Interessenrepräsentanten auf der meinungspolitischen Bühne und bestimmten floskelhaften parteiprogrammatischen Inhalten nach ins Zeug zu legen. Insofern sie jedoch infolge ihrer milieutypischen Gebundenheit und des lebensweltlichen Erfahrungshorizonts weiter außerstande sein dürften, sich zu „Erfahrungsrepräsentanten“ und „Stimmungsrepräsentanten“ jener Abgehängten, jener Erniedrigten und Beleidigten, zu mausern, sind die Erfolgsaussichten äußerst gering. So gering wie die Aussicht, dass ein liebenswürdiger Langweiler wie Joe Biden on the long run Nennenswertes auszurichten vermag gegen die Verwüstung in den Herzen und Köpfen, die der dämonisch geniale Entertainer Trump hinterlassen hat, wenn auch vielleicht nicht bei allen seiner siebzig Millionen Wählerinnen und Wähler.

Wobei im Trumpismus nicht einmal die Hauptursache für den gesellschaftlichen Spaltungsprozess zu suchen ist, die schließlich in der von keiner Seite ernsthaft infrage gestellten neoliberalen Agenda in Wirtschaft und Gesellschaft liegt. Deren „Its the economy, stupid“ als die brutale Kehrseite des verabsolutierten Wettbewerbs Looser gleichsam in großer Stückzahl wie am Fließband produziert. Die wiederum von der Dunkelheit eines Schattenreichs absorbiert werden, aus dessen Erfahrungswelt und atmosphärischer Realität kaum etwas oder nichts zu den höheren Welten der intellektuellen und sonstigen Eliten durchdringt.

Ähnlich, was die politische und gesellschaftliche Zukunft der USA betrifft, sieht dies anscheinend der Standford-Emeritus Hans-Ulrich Gumbrecht. „…dass es da eine Elite gibt, die nur noch sich selbst sehen kann, die nur noch ihre eigenen Anliegen und Bedürfnisse hat.“ Gemessen am tatsächlichen Ausnahmestatus der Welt derer, die, mit einem vielbeachteten Buchtitel zu sprechen, über sich und die Obama Jahre sagen, We were eight years in power. Ein „wir“, an dem das Exklusive, das Auschließende nicht auf Anhieb ins Auge sticht, das seinem gesellschaftlich privilegierten „Klassensubjekt“ liberal politische Elite eingeschrieben ist. – An diesem Maßstab gemessen, erkennt man plötzlich in Trumps absurder Behauptung (in seiner ersten Pressekonferenz unmittelbar nach der Wahl), We were the most inclusive movement ein Fünkchen Wahrheit. Oder wie Gumbrecht sagt, „es ist doch so … dass sozusagen auf einer Gefühlsbasis Trump einem großen Teil der Bevölkerung bei uns das Gefühl gegeben hat, dass sie wieder in die Politik eingeschlossen sind“. (Gespräch mit ihm in „Kultur aktuell“ auf Dlf am 8.11. 2020).

Sollte man folglich den intellektuellen und politischen Eliteangehörigen, ob hierzulande oder anderswo, nicht zurufen: Es ist die Resonanzkommunikation, ihr Dummköpfe! Wie könnte das, Resonanzkommunikation, von Seiten der liberalen intellektuellen Elite gehen? Weil Resonanzkommunikation in diesem Fall zugleich die Erfahrung und die Gefühle derjenigen aus dem Verlierer- und Abgehängtenmilieu halbwegs authentisch widerspiegeln müsste, bin ich skeptisch, ich wüsste nicht, wie dieser Erfahrungs- und Gefühlstransfer vonstatten gehen sollte. Das Betriebssystem der Intellektuellen basiert auf der Nüchternheit von Reflexion und auf gedanklicher Abstraktion. Konkretheit und Intensität, wie sie die Voraussetzung für Resonanzkommunikation sind, wird man noch am ehesten bei Kunstschaffenden antreffen.

Und selbst unter diesen, was populäre Resonanzkommunikation angeht, womöglich nur bei Ausnahmekünstlern. Wie in den USA Bruce Springsteen einer ist. Wer schon vor bald 40 Jahren, also Anfang der 1980er Jahre des zurückliegenden Jahrhunderts, ein Album wie Nebraska herausgebracht hat, Songs von düsterer Poesie über ein dunkles Amerika und seine verlorenen Gestalten, im Nirgendwo vagabundierende Figuren, so einem traut man auch heute immer noch einiges zu. Und so komme ich zum Schluss noch einmal auf mich zurück und erlaube mir eine bescheidenen Phantasie ad personam. Dass ich – wie Hans-Ulrich Gumbrecht – in Amerika lebe und Bürger der USA bin (wenn schon nicht born in the USA). Irgendwo im nebligen Nebraska wohne oder meinetwegen in der Einöde der Badlands. Wo ich an einem trüben Novembertag zufällig Bruce Springsteen begegne oder er mir begegnet. Ich ihm meine Geschichte erzähle und er sogleich – anders als jene intellektuellen Abstraktionskünstler, die konkret mit Schicksalen wie dem meinen nicht in Berührung kommen möchten – mit diesem Stoff in Resonanz geht. Um mir in seinem nächsten Album den Song Blind life matters zu widmen. Vielleicht auch nur eine Coverversion seines Hits Dancing in the dark, mit dem schlichten Hinweis im Booklet, „einem Blinden zugeeignet, dessen Klopfzeichen aus dem sozialen Totenreich ungehört bleiben“.

Zweimal O-Ton Bruce Springsteen:

https://www.youtube.com/watch?v=EPhWR4d3FJQ

https://www.youtube.com/watch?v=7_UNKMPVj2Q