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Lebenswerte Lebensräume für alle

Eine  Frau spricht in einer im Raum sitzenden Gruppe mit dem  Mikrofon in der  Hand
Elke Falk von der Kommission zur Förderung der Inklusion von Menschen mit Behinderungen der Stadt Münster (KIB) zur Nutzung Leichter Sprache bei Veranstaltungen.
Foto: KSL.Münster

MÜNSTER (kobinet) Zugänglichkeit und die Chance auf Teilhabe wurden in einer Tagung in Münster als grundlegende Vorbedingungen für die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen herausgestellt. Über die Umsetzung dieses inklusiven Anspruchs sprachen Expertinnen und Experten der Stadt Münster sowie Mitwirkende des inklusiven Tourismusangebots Vredens bei der Fachveranstaltung „Lebensraum Stadt –Attraktiv für alle!“. Dazu lud das Kompetenzzentrum Selbstbestimmt Leben (KSL) Münster Ende Januar in den Freiherr-vom-Stein-Saal der Bezirksregierung in Münster ein. Die Konzepte der Referenten entpuppten sich im Verlauf dieser Veranstaltung auch als Inspirationsquelle für andere Städte, Gemeinden und Kreise in NRW.

Unter den rund 30 Teilnehmenden waren Beauftragte für Menschen mit Behinderungen, Mitglieder der Behindertenbeiräte, Stadtmarketing- und Tourismusbeauftragte, Mitarbeitende der Stadtplanung und Stadtentwicklung sowie Mitarbeitende der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatungsstellen aus dem Regierungsbezirk Münster.

Zu Beginn der Fachveranstaltung stellte Marc Gottwald-Kobras, Mitarbeiter im Stadtplanungsamt der Stadt Münster, in seinem Beitrag den neuen „Leitfaden Inklusive Beteiligung“ der Stadt Münster vor – und den Weg dorthin. „Im Rahmen des Zukunftsprozesses der Stadt Münster wurde deutlich: Menschen mit Behinderungen nehmen die bisherigen Beteiligungsangebote wenig wahr. Und das soll sich ändern“, so Gottwald-Kobras. Um Qualitätsstandards für die inklusive Beteiligung der Öffentlichkeit zu setzen, wurde der Leitfaden nach der Maxime „Nichts über uns ohne uns!“ entwickelt. Freiwillige engagierte Menschen mit Behinderungen wurden zu sogenannten Beteiligungspiloten. In dieser Rolle nahmen sie die bestehenden Angebote der Bürgerbeteiligung genau unter die Lupe. Marc Gottwald-Kobras lieferte in seinem Vortrag spannende Einblicke in diesen partizipativen Prozess und zum finalen Leitfaden, der zeitnah dem Rat der Stadt zum Beschluss vorgelegt wird.

Unter dem Titel „Münsters Mitte Machen“ stellte Simone Thiesing, Mitarbeiterin im Stadtplanungsamt der Stadt Münster, das Handlungskonzept „Barrierefreie Innenstadt Münster“ vor. Ziel des Projekts: Das Zentrum Münsters noch stärker zu einem Ort für alle Menschen machen. Auch die Ergebnisse dieses Konzepts fußen auf der Beteiligung von Experten in eigener Sache: Menschen mit verschiedenen Behinderungen und Mobilitätseinschränkungen begingen und analysierten eine Beispielroute durch die Innenstadt Münsters. „Hierbei wurden von den Teilnehmenden neben physischen Barrieren zum Beispiel auch schlecht einsehbare Wegweiser oder enorme Geräuschkulissen dokumentiert“, erklärte Thiesing. In Ihrem Vortrag zeigte sie die Hürden der Umsetzung sowie Maßnahmenvorschläge auf, wie die erfassten Barrieren in der Innenstadt bereits jetzt und in Zukunft Schritt für Schritt abgebaut werden.

„Miteinander sprechen, die Menschen immer wieder abholen, nicht direkt 100 Prozent verlangen, sondern Schritt für Schritt Barrieren abbauen“, so beschreibt Karin Otto, Mitwirkende des inklusiven Tourismusangebots in Vreden ihr Erfolgsrezept. Vreden, im westlichen Münsterland gelegen, hat sich als ländliche Kommune mit einem engagierten Netzwerk touristischer Leistungsträger und Aktivitäten zum Best-practice-Beispiel der Region entwickelt. Die Stadt Vreden darf sich offiziell „Tourismusort für Alle!“ nennen.

Die Veranstaltung wurde von Prof. Dr. Peter Neumann, Fachberater für barrierefreies Planen und Gestalten, moderiert. Als Experte für Konzepte zur Tourismus-, Stadt- und Regionalplanung war er er zum Beispiel beim Handlungskonzept Barrierefreie Innenstadt der Stadt Münster beteiligt und auch für die Stadt Vreden ein gefragter Projektpartner im Prozess auf dem Weg zum „Tourismusort für Alle“.