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7,6 Prozent betriebsintegrierte Werkstattplätze im Rheinland

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Köln (kobinet) Die rheinischen Werkstätten für Menschen mit Behinderung bieten durchschnittlich Tätigkeiten in zehn verschiedenen Arbeitsbereichen an. Dabei sind etwas mehr als die Hälfte (50,19 Prozent) aller Werkstattbeschäftigten im Bereich Verpackung/Montage tätig. Der Anteil der Werkstattbeschäftigten, die ihren konkreten Arbeitsplatz in einem Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes haben, ist weiter steigend: Ende 2022 bestanden 2.837 sogenannte betriebsintegrierte Arbeitsplätze (BiAp). Damit arbeiteten 7,6 Prozent aller Beschäftigten, die in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) beschäftigt sind, betriebsintegriert. Das geht aus einer Vorlage für den Sozialausschuss des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) vor, die alle wesentlichen Ergebnisse der Leistungsdokumentation der 43 rheinischen Werkstätten für Menschen mit Behinderung zum Stand 31. Dezember 2022 zusammenfasst.

„Die Leistungsdokumentation ist ein landesweit einheitlich abgestimmtes Instrument, über das die WfbM jährlich Nachweise vorlegen, dass die von ihnen eingegangenen Verpflichtungen zur Qualität der Leistungen im Vereinbarungszeitraum eingehalten wurden und geeignete Qualitätssicherungsmaßnahmen erfolgt sind. Die Ergebnisse zeigen zudem, dass im Jahr 2022 139 Beschäftigte der WfbM in eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt wechselten. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 95 Beschäftigte. 57 Prozent aller Vermittlungen erfolgten dabei aus einer bestehenden betriebsintegrierten Beschäftigung“, heißt es im Newsletter des LVR.

Alle Ergebnisse gibt’s in der Vorlage Nr.15/2140 für den Sozialausschuss des LVR.

Da die behinderten Menschen, die im Rahmen betriebsintegrierter Arbeitsplätze arbeiten, weiterhin den Status von Werkstattbeschäftigten haben und weit unter dem Mindestlohn arbeiten, tritt die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben dafür ein, dass die betriebsintegrierten Arbeitsplätze mit Hilfe des Budget für Arbeit in reguläre sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse bei den entsprechenden Betrieben umgewandelt werden. Um die Aufklärung behinderter Menschen über ihre Möglichkeiten im Rahmen des Budget für Arbeit und des Budget für Ausbildung zu unterstützten, betreibt die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) gemeinsam mit einigen Projektpartnern seit August 2023 ein Projekt mit dem Titel „Budgetkompetenz – Initiative zum Budget für Arbeit und Ausbildung“. „Mit diesem Projekt wollen wir gemeinsam mit unseren erfahrenen Projektpartnern auf diesem Gebiet einen einfacheren Zugang zum Budget für Arbeit oder Ausbildung ermöglichen. Wir wollen eine kompetente Beratung für die praktische Umsetzung anbieten und behinderte Menschen dazu befähigen, auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu gelangen,“ fasst es Wiebke Schär, Projektleiterin bei der ISL zusammen.

Wiebke Schär betont weiter: „Zudem wendet sich das Modellprojekt an Arbeitgeber*innen, die sozialversicherungspflichtige Arbeits- bzw. Ausbildungsplätze im Rahmen der Budgets verwirklichen wollen. Besondere Aufmerksamkeit wird auf Betriebe gelegt, die Werkstattbeschäftigte bereits auf Außenarbeitsplätzen beschäftigen.“ Bestehende Unterstützungsangebote für Fachdienste oder Beratungsstellen erhalten zudem Informationen, Schulungsangebote und Praxisbeispiele, um die Umsetzung der Budgets zu fördern. Für Budgetnutzer*innen wird eine Interessenvertretung im Sinne des Peer-Supports aufgebaut. Komplettiert werden die Projektangebote durch eine Informations- und Vernetzungsplattform.

Das Budget für Arbeit ist für Menschen gedacht, die aufgrund ihrer Behinderung bisher nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten, weil sie entweder voll erwerbsgemindert bzw. werkstattberechtigt sind. Damit soll die Möglichkeit geschaffen werden, ihr Recht aus Artikel 27 der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) wahrzunehmen, als behinderter Mensch Arbeit frei wählen zu dürfen und seinen Lebensunterhalt durch Arbeit selbst zu verdienen.

Das Projekt wird aus Mitteln des Ausgleichsfonds gefördert und ist auf vier Jahre ausgelegt. Projektpartner sind Access (Erlangen), die Bundesarbeitsgemeinschaft Unterstützte Beschäftigung (BAG UB), BBD Neuss und integra Lübeck.

Link zu weiteren Infos zum Budget für Arbeit: www.budgetfuerarbeit.de