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Behindertes Kind als Schadensfall: Zwischenruf von Dr. Franz Joseph Huainigg

Dr. Franz-Joseph Huainigg
Dr. Franz-Joseph Huainigg
Foto: Parlamentsredaktion/Photo SIMONIS

Wien (kobinet) Der österreichische Oberste Gerichtshof (OGH) hat in einer vor kurzem getroffenen Entscheidung die Geburt eines unerwünschten behinderten Kindes als Schadensfall anerkannt. "Der Arzt, der bei der Pränataldiagnostik das Fehlen eines Oberarmes übersehen hatte, wurde zum Schadenersatz der nicht nur behinderungsbedingten Mehrkosten, sondern für die gesamte Lebensexistenz des Kindes verurteilt", heißt es in einem Bericht der KLEINE ZEITUNG. Dr. Franz Joseph Huainigg, ehemaliger Behindertensprecher im österreichischen Parlament, der einen Elektrorollstuhl und ein Beatmungsgerät nutzt, hat in einem Gastkommentar für die KLEINE ZEITUNG dazu seine Meinung kundgetan.

„Vor 15 Jahre wurde die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen im Parlament beschlossen. Österreich hat sich vom medizinisch defizitären Modell der Betrachtung von Menschen mit Behinderungen abgewandt. Im Vordergrund sollen jetzt die Fähigkeiten und Potentiale von Menschen mit Behinderungen stehen. Behinderte Kinder haben ein Recht auf gleichberechtige Teilhabe in allen Lebensbereichen. Das OGH-Urteil wirft diese Bemühungen zurück und führt behinderten Menschen wieder vor Augen, dass sie in Wirklichkeit Schadensfälle seien! Mir schaudert davor, wie es dem jetzt sechsjährigen Kind geht. Wie lebt man als Kind, wenn man früher oder später erfährt, dass man wegen dem fehlenden Oberarm von den Eltern unerwünscht sei und die gesamten Kosten der Lebensexistenz von einem Arzt gezahlt werden müssen. Ich glaube, dass hier der psychische Schaden weitaus größer ist, als die erreichten Schadenersatzforderungen. Im OGH-Urteil ist zu lesen, dass die Eltern auch argumentiert hätten, die Abtreibung im Ausland durchzuführen, da die Voraussetzungen für eine schwere Behinderung, wie sie bei der eugenischen Indikation vorgesehen wäre, wohl nicht zum Tragen gekommen wäre“, schreibt Dr. Franz Joseph Huainigg u.a. in seinem Gastkommentar für die KLEINE ZEITUNG.

Link zum vollständigen Gastkommentar von Dr. Franz Joseph Huainigg vom 28. Januar 2024

Link zum Bericht der KLEINE ZEITUNG über das Urteil des OGH