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Eltern sind entsetzt: Köln plant Förderschule im Zukunfts-Stadtteil Kreuzfeld

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Köln (kobinet) Am Montag, den 22. Januer 2024, wird im Schulausschuss der Schulentwicklungsplan der Stadt Köln abschließend beraten. Danach sollen zwei neue Förderschulen Geistige Entwicklung gebaut werden – eine davon im neuen Stadtteil Kreuzfeld. Laut aktueller Planung soll die Schule sogar räumlich getrennt von allen anderen Schulen stehen, am Rand des Viertels, hinter einem Gewerbeblock. "Diese Planung offenbart ein geradezu vorgestriges Denken von einem Gemeinwesen, das Menschen mit Behinderung separiert und möglichst weit entfernt von der Mitte der Gesellschaft unterbringt. Es ist in Stein und Stadtplanung gegossene Separation und Diskriminierung“, sagt Ute Berger vom Elternverein mittendrin e.V., der auch auf eine Protestaktion am Montag hinweist.

Die Eltern haben den Schulausschuss und Stadtentwicklungsausschuss angeschrieben. Sie fordern einen Stopp für den Bau neuer Förderschulen und sie fordern für den neuen Stadtteil Kreuzfeld eine inklusive Bildungslandschaft. Alles andere sei nach nunmehr 15 Jahren rechtsgültiger UN-Behindertenrechtskonvention und zehn Jahre nach der Verankerung der Inklusion im Schulgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen völlig aus der Zeit gefallen. Begründet wird der Bau neuer Förderschulen mit dem angeblichen Elternwillen. Gleichzeitig gibt es aber immer noch keine Lösung für die Schülerbeförderung ins Gemeinsame Lernen. Immer noch müssen viele Eltern ihre behinderten Kinder täglich zur Schule bringen und abholen, wenn sie sich für eine inklusive Schule entscheiden. Da es zu wenige wohnortnahe Schulplätze gibt, kostet das oft 2-3 Stunden pro Tag und ist ein wichtiger Grund dafür, dass Eltern die Förderschule wählen, wo die Beförderung zum Gesamtpaket gehört.

Eine ganze Schulklasse will am Montag zum Protest vor dem Schulausschuss kommen. Sie demonstrieren für einen Mitschüler, der seit einem halben Jahr nicht zur Schule kommen kann, weil die Stadt Köln den Schultransport verweigert. Die Jugendlichen können nicht verstehen, dass die Stadt nichts dafür tut, dass ihr Mitschüler endlich die Schule besuchen kann. Der Antrag auf Schülerbeförderung wurde abgelehnt, obwohl die Eltern sich noch um mehrere Geschwisterkinder kümmern müssen und es nicht schaffen, ihren Sohn jeden Tag mit der KVB von Seeberg nach Rodenkirchen zu bringen. Die Fahrt dauert einfach mindestens 1,5 Std und insgesamt 6 Stunden pro Tag. Der Bruder des Jungen besucht eine Förderschule. Hier wurde die Schülerbeförderung problemlos bewilligt.

Ende August 2023 hat die UNO bei der Staatenprüfung in Genf geprüft, wie weit Deutschland mit der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention gekommen ist. Deutschland hat eine deutliche Rüge von der UNO bekommen. In den abschließenden Bemerkungen fordert der UN-Fachausschuss, den Abbau von Sondersystemen wie Förderschulen zu beschleunigen, weil inklusive Bildung ein Menschenrecht ist.

„Der Bau und Betrieb von Förderschulen kostet viel Geld“, sagt Ute Berger vom Inklusionsverein mittendrin e.V. „Das Geld muss in den Ausbau inklusiver Bildung investiert wird, damit inklusive Beschulung attraktiver wird. Dann brauchen wir auch keine neuen Förderschulen. Es ist Aufgabe der Stadt, dafür zu sorgen, dass alle jungen Menschen in Köln ihr Recht auf inklusive Bildung in einem inklusiven Schulsystem endlich wahrnehmen können!“

Einige Eltern und Schüler*innen werden am 22.01.2024 ab 14 Uhr vor Ort sein und für den Ausbau inklusiver Bildung in Köln demonstrieren.