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Wenn behinderte Menschen nur mit Vornamen genannt werden

Hans-Günter Heiden
Hans-Günter Heiden
Foto: ISL

Berlin (kobinet) Thomas Gottschalk hat bei seiner "letzten" Sendung von Wetten, dass..? sehr anschaulich aufgezeigt, wie der Umgang mit behinderten Menschen und die Berichterstattung über behinderte Menschen in den Medien im letzten Jahrtausend üblich war. Dafür hat er in den sozialen Medien und auch in einem Kommentar des österreichischen Online-Nachrichtendienstes BIZEPS herbe Kritik geerntet. Wie weit verbreitet es immer noch ist, dass behinderte Menschen beispielsweise in Zeitungsberichten selbstverständlich mit Vornamen genannt werden, während die anderen, über die berichtet wird, mit vollem Namen genannt werden, das zeigt ein aktueller Bericht des TAGESSPIEGEL mit dem Titel Inklusion im Kiez. H.-Günter Heiden vom NETZWERK ARTIKEL 3 ließ es sich nicht nehmen, im Vorfeld des Welttages der Menschen mit Behinderungen auf diese unangemessene Berichterstattung mittels eines Leserbriefes an den TAGESSPIEGEL hinzuweisen.

Leserbrief von H.-Günter Heiden zum Artikel „Inklusion im Kiez“ an den TAGESSPIEGEL

Im Artikel „Inklusion im Kiez“ schreibt ein Reporter mit Vornamen Boris über eine Ausschuss-Sitzung im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Warum ich ihn ohne Nachnamen nenne, dazu gleich. Eingeladen hatte der Werkstattrat der Lebenswerkgemeinschaft und die Werkstatträte hatten Forderungen an die Politik: Es ging um mehr Unterstützung im Alltag, um mehr an Barrierefreiheit im Verkehr und auf den Ämtern – kurz: um mehr Inklusion. Und das ist auch notwendig, denn am 3. Dezember ist wie jedes Jahr der Internationale Tag der Menschen mit Behinderungen und Berichterstattung dazu ist bitter notwendig.

Warum aber werden die fünf Werkstatträte im Text und Bild nur mit Vornamen genannt, haben sie etwa keine Nachnamen: Andy, Andreas, Lea, Emma und Sascha? Der im Text ebenfalls erwähnte Stadtrat der Grünen wird mit seinem vollen Namen Urban Aykal genannt und der Reporter nennt sich Boris Buchholz.

Wenn es um mehr Inklusion gehen soll, dann muss es auch endlich mit der Unsitte aufhören, Menschen mit Behinderungen nur mit ihrem Vornamen zu nennen – hat der Reporter sie etwa auch geduzt, wie es oft vorkommt? Der Artikel 8 der UN-Behindertenrechtskonvention, die in Deutschland den Rang eines Bundesgesetzes hat, verlangt mehr Bewusstseinsbildung, auch in den Medien! In diesem Sinne, lieber Tagesspiegel, wünsche ich mir mehr Sensibilität in der Berichterstattung!

Mit freundlichen Grüßen

H.- Günter Heiden

Link zum Artikel Inklusion im Kiez des TAGESSPIEGEL

„Ist Gottschalk noch zeitgemäß? Kritik nach ‚Wetten, dass..?‘-Sendung, so titelt Martin Ladstätter von BIZEPS seinen Kommentar zum Auftritt von Thomas Gottschalk. „Felix Mayrs beeindruckender Auftritt bei ‚Wetten, dass..?‘ überschattet von groben Moderationsfehlern von Thomas Gottschalk“, heißt es weiter in der Überschrift zum Kommentar von Martin Ladstätter.

Link zum BIZEPS-Kommentar

Link zum Facebookhinweis von Denis Sonne zum Gottschalk-Auftritt