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Jetzige Situation in den Frauenhäusern ist ein Desaster

Schreibmaschine  mit eingespanntem Blatt auf dem in großen Buchstaben Gewlt gegen Fraue steht
Verhinderung von Gewalt gegen Frauen darf nicht nur Vorsatz bleiben
Foto: Pixabay/viarami

HANNOVER (kobinet) Jede dritte Frau in Deutschland hat in ihrem Leben bereits körperliche und/oder sexualisierte Gewalt erlebt. Bei Frauen mit Behinderung liegt die Zahl etwa doppelt so hoch. In diesen Fällen benötigen die Betroffenen schnellen und unkomplizierten Schutz. In Niedersachsen gibt es jedoch zu wenig Plätze in Frauenhäusern. In manchen Landkreisen sind gar keine entsprechenden Einrichtungen vorhanden. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) in Niedersachsen fordert deshalb anlässlich des „Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen“ die verbindliche Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben und eine ausreichende Finanzierung

In Niedersachsen gab es im vergangenen Jahr täglich durchschnittlich 74 polizeilich erfasste Fälle häuslicher Gewalt – also knapp 27.000 innerhalb eines Jahres. Im Gegenzug gibt es jedoch nur 45 Frauenhäuser, die 2.200 Frauen und ihren Kindern Schutz bieten können. „Diese Zahlen sind ein Desaster. Sie machen sehr deutlich, wie schlecht es um die Versorgung von gewaltbetroffenen Frauen in Niedersachsen steht“, betont Annette Krämer, SoVD-Verbandsratsmitglied für Frauen- und Familienpolitik. Das sei insbesondere deshalb erschütternd, da Deutschland sich mit Inkrafttreten der Istanbul-Konvention 2018 dazu verpflichtet hat, die Anforderungen zur Prävention und Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt umzusetzen.

„Seit fünf Jahren passiert hier allerdings viel zu wenig. Das muss sich dringend ändern“, fordert Krämer. Es sei nicht hinnehmbar, dass es so wenig verfügbare Plätze in Frauenhäusern gebe. „In den Landkreisen Friesland, Holzminden, Osterholz, Wesermarsch und Wittmund gibt es sogar gar keine entsprechenden Einrichtungen. Das ist für die betroffenen Frauen eine Katastrophe“, sagt das SoVD-Verbandsratsmitglied.

Außerdem werde das Thema Barrierefreiheit sträflich vernachlässigt. „Das ist ein enormes Problem, da gerade Frauen mit Behinderung fast doppelt so häufig von Gewalt betroffen sind wie Frauen ohne Behinderung“, erläutert Krämer weiter und ergänzt: „Die Politik muss dringend mehr Geld in die Hand nehmen und Frauenhäuser sowie Beratungsstellen verlässlich finanzieren.