
München (kobinet) Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bin schwerbehindert und nutze deswegen einen Elektrorollstuhl. In diesem muss ich fortwährend sitzen um mich fortbewegen zu können. Für meine Teilhabe nutze ich außerdem Assistenz zum Beispiel für meine Begleitung auf kulturelle Veranstaltungen.
Mit großer Erschütterung muss ich feststellen, dass für Menschen im Rollstuhl 15 Jahre nach der Ratifizierung der UN Behindertenrechtskonvention immer noch keine gleichberechtigte Teilhabe in der Landeshauptstadt München bei den meisten Konzerten möglich gemacht wird. Am 20. Juni besuchte ich das Konzert von Depeche Mode im Olympiastadion. Hierfür erwarb ich eine Eintrittskarte für den Preis von 99,78 €. Die Begleitperson wurde löblicherweise freigestellt.
Die Gegengerade hinter den oberen Sitzplätzen im Olympiastadion ist ausschließlich für Rollstuhlfahrer*innen ausgewiesen. Da sich das überwiegende Publikum in den oberen Sitzreihen das Konzert stehend angesehen hatte, war es mir nicht möglich einen freien Blick in Richtung Konzertbühne zu erhaschen. Bei einem Eintrittsgeld in dieser Höhe habe ich ein Recht auf freien Blick zur Bühne. Mein Recht auf gleichberechtigte Teilhabe sehe ich verletzt und ich fühle mich diskriminiert. Beiliegend bzw. im Anhang finden Sie ein Bild bzw. Film mit der Ansicht meiner Perspektive.
Die Rechte von Menschen mit Behinderung bezüglich der kulturellen Teilhabe werden in der UN Behindertenrechtskonvention im Art. 4 Satz e, Art. 5 Abschnitt 3 und Art. 30 Paragraf 1 Satz b beschrieben. Die Olympiapark GmbH steht unter 100-prozentiger Beteiligung der Landeshauptstadt München. Ich erwarte, dass für die Zukunft entsprechende Vorkehrungen getroffen werden, dass Menschen mit Behinderung die volle Teilhabe bei Veranstaltungen ermöglicht.
Dieser offene Brief geht an die Olympiapark GmbH, den Oberbürgermeister Dieter Reiter als Vertreter der Landeshauptstadt, sowie an den Behindertenbeirat und an soziale Medien und die Presse.
Mit freundlichen Grüßen
Andreas Vega




