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Kunst für blinde und sehbehinderte Menschen im Kunstmuseum Marburg begreifbar

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Marburg (kobinet) Das Kunstmuseum Marburg und sein Freundeskreis sind seit Jahren auf dem Weg der Zugänglichkeit und Inklusion. Seit 2018 fördert die Aktion Mensch einzelne Museumsprojekte, um Barrieren abzubauen. Im Fokus des 2022 begonnenen, mehrjährigen Projekts "Museum für alle!“, stehen Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen. In Museen, die primär visuell fokussiert sind, kommen Menschen mit Blindheit oder Sehbehinderungen oft zu kurz. Die Texte sind klein, Beschreibungen fehlen und – oberstes Gebot – die Kunstwerke dürfen nicht angefasst werden. Das Kunstmuseum Marburg und die "Freunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte“ haben sich auf den Weg gemacht und arbeiten fortwährend an inklusionsorientierten Formaten. Aktuell bietet ein Begleitheft in Braille-Schrift, ein Audioguide, ein Gebäudemodell sowie ein taktiler Lageplan für Menschen mit Blindheit und Sehbehinderung gute Orientierungspunkte im Museum.

Dies ist insbesondere auf die enge Zusammenarbeit mit der Deutschen Blindenstudienanstalt (blista) zurückzuführen, die beim Abbau von Barrieren mit Rat und Tat zur Seite steht. Ein Kooperationsvertrag besiegelt jetzt die Zusammenarbeit der beiden Vereine für die kommenden zwei Jahre. „Marburg gewinnt mit der Initiative der Museumsfreunde und der Kompetenz der blista hier ein weiteres Highlight für Menschen mit Blindheit oder Sehbehinderung – und ich bin der festen Überzeugung, dass mindestens genauso viele sehende Besucher*innen Kunst begreifen wollen“, so Patrick Temmesfeld, der Vorstandsvorsitzende der blista.

Die Kooperation zwischen der blista und den Museumsfreunden erfolgt analog zur Zusammenarbeit mit dem Lebenshilfewerk Marburg-Biedenkopf – im Rahmen des erwähnten Aktion-Mensch-Projekts. Es entstehen Angebote, die einen erfüllenden, erlebnisreichen Museumsbesuch für blinde und sehbehinderte Menschen ermöglichen. Dr. Catharina Graepler, Vorsitzende im Führungsduo des Freundeskreises, bekräftigt das Anliegen des Vorstands, das Museum auch für jene Menschen zugänglich machen zu wollen, die bislang aufgrund einer Beeinträchtigung den Weg in das Kunstmuseum oder das Landgrafenschloss nur schwerlich gefunden haben.

Ganz konkret soll die Benachteiligung von blinden und sehbehinderten Menschen im Museum durch neue Wege in der Kunstvermittlung mit Hilfe von akustischen, riechbaren und taktilen Zugängen verringert werden. Organisiert werden regelmäßig stattfindende, inklusive Workshops und Führungen. Die blista unterstützt als bundesweites Kompetenzzentrum für Menschen mit Blindheit und Sehbehinderung bei der Erstellung von didaktischem Material und Tastmodellen. Ein „Tastwagen“ soll Materialien zur Vermittlung einzelner Exponate zur Verfügung stellen. Als Expert*innen in eigener Sache werden Menschen mit Behinderungen in die Vorhaben einbezogen und bereichern den Bereich „Bildung und Vermittlung“ impulsgebend, als Workshopleitung oder Museumsguides. Schon jetzt können Menschen mit und ohne Sehbehinderungen an der entwickelten Architekturführung teilnehmen. Sie bringt den Besuchenden kunsthistorische Entwicklungen und die Verbindungen zwischen Architektur, Kunst und Gesellschaft näher.

Als nächstes Projekt steht der „Schwälmer Tanz“ von Carl Bantzer auf dem Programm, eines der Highlights im Kunstmuseum Marburg. Tanzende Paare, ein wogendes Getümmel – eine wirkliche Herausforderung, die Dank der Expertise der blista gemeistert werden kann.