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Bremer Protesttag fordert: Zukunft barrierefrei gestalten

Wappen Bundesland Bremen
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Foto: Gemeinfrei, public domain

BREMEN (kobinet) Nach mehr als drei Jahren Corona-Pandemie wird die Bremer Behindertenbewegung wieder auf den Straßen der Stadt sichtbar. Anlässlich des Europäischen Tages der Menschen mit Behinderungen beginnen Betroffene den traditionellen Protesttag am 5. Mai in Bremen mit einer Demonstration. Diese startet ab 12.00 Uhr am Rudolf-Hilferding-Platz.

Von dort aus wird sich der Demonstrationszug über Herdentor und Schüsselkorb auf den Weg zur Bremischen Bürgerschaft machen. Ab 12.45 Uhr wird dort eine Abschlusskundgebung mit Redebeiträgen und Musik stattfinden. Auf diese Weise werden Menschen mit Behinderungen erneut deutlich machen, dass sie sich einmischen wollen, denn es geht um Inklusion und volle gesellschaftliche Teilhabe. Diese Suppe darf weder verwässert noch versalzen werden!

Am 5. Mai werden sich in den Reihen der Demonstrierenden auch Menschen mit vielen anderen Beeinträchtigungen befinden. Auch für sie sind die Positionen der psychiatriekritischen Bewegung von Bedeutung, ist sich Florian Grams, der stellvertretende Geschäftsstellenleiter der LAGS und Rollstuhlfahrer, sicher: „Im Kampf gegen Diskriminierungen und für Inklusion war und ist wichtig, dass kein Mensch ausgegrenzt werden darf. Alle Menschen wollen ein fester Teil der Gesellschaft sein und an ihr teilhaben. Deshalb müssen Barrieren und Ausgrenzungen beseitigt werden. Wir brauchen eine solidarische und inklusive Gesellschaft. Dafür gehen alle gemeinsam am 5. Mai auf die Straße.“

Die Bremer Behindertenbewegung hat eine lange Geschichte. Hier entstand eine der ersten Krüppelgruppen, welche für die Rechte von Menschen mit Behinderungen eingetreten ist. In Bremen gab und gibt es aber auch eine starke psychiatriekritische Bewegung, die Teil der Behindertenbewegung ist. Sie entstand als Reaktion auf die Abschaffung der psychiatrischen Großeinrichtungen in Italien vor genau 45 Jahren. Die dortige Erkenntnis war, dass Menschen ihre Fähigkeiten entwickeln können, wenn man sie ernst nimmt, sie nicht wegsperrt und ihnen die notwendige Unterstützung in ihrem Lebensumfeld bietet. In diesem Zusammenhang entstand die noch immer aktuelle Forderung nach Abschaffung von Großeinrichtungen und nach der Ambulantisierung von Unterstützungsleistungen.