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Oberschwaben: Entwicklungsgebiet im Bereich der Inklusion

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Baindt (kobinet) Vor drei Jahren trat die Reform der Eingliederungshilfe im Rahmen des Bundesteilhabegesetzes in Kraft und auch in Sachen Barrierefreiheit könnte Deutschland schon viel weiter sein. Wie sich die Situation in Oberschwaben gestaltet, damit hat sich Marion Jurgovsky beschäftigt und einen entsprechenden Beitrag für die kobinet-nachrichten mit dem Titel "Oberschwaben in Baden-Württemberg – Ein Entwicklungsgebiet im Bereich der Inklusion" verfasst. Soviel sei vorweg gesagt, wer in einer großen Behinderteneinrichtung sein Leben fristen möchte, für diejenigen könnte Oberschwaben eine gute Adresse bieten. in Sachen Inklusion scheint diese Region dem Bericht zufolge nicht empfehlenswert.

Bericht von Marion Jurgovsky

Oberschwaben in Baden-Württemberg – Ein Entwicklungsgebiet im Bereich der Inklusion

2009 hat Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert. Doch wie sehen die Möglichkeiten zur tatsächlichen Teilhabe am Leben für Menschen mit einer Beeinträchtigung aus? Wie steht es denn heute Ende des Jahres 2022 um die Inklusion? Nun, das ist letztlich wie bei so vielen Fragen eine Sache der Bewertung, und die fällt je nach Befragtem sehr unterschiedlich, geradezu widersprüchlich aus. Während Menschen, die eine Position in der Verwaltung oder Politik inne haben, von großen Fortschritten sprechen, zeigen sich viele Menschen mit einer Beeinträchtigung sehr frustriert, sogar resigniert. Wie kommt das?

Es sind wohl eben jene unterschiedlichen Positionen, die mit unterschiedlichen Blickwinkeln auf das Thema schauen, die dann zu unterschiedlichen Bewertungen führen. Auf der einen Seite die Politik und Verwaltung, die auf ihre durchgeführten Maßnahmen, die auch immer mit Ausgaben und Aufwand verbunden sind, stolz sind. Auf der anderen Seite die Menschen mit Beeinträchtigung, die in ihrem Alltag weiterhin mit Barrieren auf baulicher und sozialer Ebene konfrontiert sind.

Ein Beispiel ist hier der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV). Die Verwaltung kann darauf verweisen, dass nun zahlreiche Bushaltestellen erneuert und mit einem Blindenleitsystem ausgestattet wurden. Der Mensch im Rollstuhl steht hier gelegentlich weiterhin lange, weil zahlreiche Busunternehmen noch immer unzugängliche Busse einsetzen.

Im Bereich Wohnen gibt es in Oberschwaben große Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigungen. Diese richten sich an Menschen aller Altersgruppen mit jeweils unterschiedlicher Beeinträchtigung. So besteht die Möglichkeit, dass ein Mensch sein ganzes Leben in einer Einrichtung verbringt. Eine vollstationäre Einrichtung kann als Sonderwelt, als eigener Kosmos verstanden werden. Dadurch entsteht eine Entfremdung zwischen Menschen mit und Menschen ohne Beeinträchtigung, denn das alltägliche Leben bietet hier nur wenig Begegnungsmöglichkeiten, da auch Freizeit und Kulturangebote innerhalb der Einrichtung durchgeführt werden. Was Menschen mit Beeinträchtigung für die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft brauchen, wird dadurch nicht zum Thema, denn all das wird den Einrichtungen überlassen.

Letztendlich bleibt festzustellen, dass diese Region nicht inklusiv und von der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention weit entfernt ist.