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Werkstätten für Menschen mit Behinderung: Ausbeutung oder Sprungbrett?

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Köln (kobinet) "Werkstätten für Menschen mit Behinderung: Ausbeutung oder Sprungbrett?" So lautet der Titel eines halbstündiges Radiofeatures von Jelena Berner, die vor kurzem im Deutschlandradio Kultur veröffentlicht wurde. Dabei kommen auch verschiedene Akteur*innen der Behindertenbewegung zu Wort.

„Katrin Langensiepen ist Grünen-Abgeordnete im EU-Parlament und scharfe Kritikerin der Werkstätten für Menschen mit Behinderung – kurz WfbM: ‚Es ist das bestausgeweitete Billiglohn-Modell EU-weit. Nirgendwo in der EU kann ein Unternehmen so billig produzieren lassen wie in einer WfbM. Ich erinnere gern: Die Menschen haben keinen Arbeitnehmer*innen-Status. Sie haben kein Streikrecht, keinen Mindestlohn, sie haben keine Arbeitnehmer*innen-Rechte. Es ist das System, welches ich kritisiere. Das kriegt man nicht gelöst, indem wir sagen: Wir geben euch jetzt den Mindestlohn. Das ist zu kurz gesprochen‘,“ heißt es in der Ankündigung des Radiobeitrags.

Und weiter heißt es in der Ankündigung: „Die Werkstätten gelten laut Sozialgesetzbuch als Einrichtungen zur Rehabilitation, die Beschäftigten als Teilnehmer einer Rehamaßnahme, weshalb sie nicht regulär bezahlt werden müssen. Sie erhalten ein sogenanntes „Werkstatt-Entgelt“ für die Arbeit, die sie leisten – meist einfache Auftragsarbeiten für Firmen, zum Beispiel Einzelteil-Montagen.“

Link zu weiteren Infos und zum Radiobeitrag von Deutschlandradio Kultur

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Uwe N.
17.11.2022 09:53

Ansich ein schöner Artikel…. Jedoch:

Langsam aber sicher geht mir diese Diskussion um Wfbm’s ganz gehörig auf die Fackel. Warum?

Nun…. Zunächst mal finde ich es etwas Skurill, dass nur die Menschen zu Wort kommen, die nicht ganz so stark beeinträchtigt sind. Mir fehlen hier ganz klar Wortmeldungengen derer die Schwerstbehindert sind……… Denn die sind auf Wfbm’s angewiesen! Ich bin in der „glücklichen lage so eine Frau Assistieren zu dürfen. ich habe mal mit ihr gesprochen und sie gefragt was sie davon hält. Ihre Antwort möchte ich euch nicht vorenthalten. Aber zunächst solltet ihr wissen wer sie ist.

Suie sitzt im Rollstuhl und der ganze Körper ist im Endeffekt eine Spastik. Das einzige was von der bewegung her Problemfrei funktioniert ist der Kopf. Sprache ist auch stark eingeschränkt, sodass eine Kommunikationo nur funktioniert, wenn ich als „Dolmetscher“ vor Ort bin, oder sie ihren Sprachcomputer nutzen kann. Soviel zur Person.
Ich habe sie gefragt:

„Catrin im Bezug auf die aktuelle Diskussion um Wfbm’s. Was denkst du darüber?“

Ihre Antwort:
„Ich kann verstehen, wenn menschen sagen, dass man hier wenig verdient. Ich kann verstehen, wenn Menschen sagen, dass kommt einer Ausbeutung gleich. Aber: Werkstätten abschaffen?? Warum? Was ist dann mit mir? Die Werkstatt ist für mich die einzige Möglichkeit mal von Zuhause weg zu kommen….. Wenn ich nicht in der Werkstatt bin, müsste ich den ganzen tag in meiner Wohnung sein. Das will ich nicht. Wenn es keine Werkstatt mehr gibt, bekomme ich gar kein Geld. Wie soll ich die Dinge bezahlen die mir gefallen und die ich Brauche?
Warum glaubt alle Welt eigentlich immer über mich und meine „Leidensgenossen“ bestimmen zu können. Werkstätten sind ein wichtiger Grundstein für Menschen wie mich! Wir dürfen nicht an den Punkt kommen, dass Werkstätten wegfallen!!“

Marion
Antwort auf  Uwe N.
19.11.2022 12:07

In der gesamten Debatte um die WfbM, gibt es keine Aussagen darüber, dass die WfbM abgeschafft werden soll. Wenn aber solche Forderungen von einer Abgeordneten im EU Parlament kommen, dann sollte diese Abgeordnete abgeschafft werden, da das meiner Meinung nach, behindertenfeindlich ist.

Wer die Debatte, auch politisch, genau verfolgt hat, der weiß, dass sich in Deutschland niemand mit dem Thema befasst.

Es gibt einen schönen Beitrag dazu, der von der Werkstatträtekonferenz ist und eigentlich verdeutlicht, dass man die WfbM in Deutschland weiter entwickeln möchte. Daher bitte keine Panik und sich nicht von Beiträgen in denen es heiß2, dass Werkstätte abgeschafft werden sollen, verunsichern lassen.

Will die Frau das wirklich tun, dann müssten Alternativen geschaffen werden. WfbM ist mittlerweile ein Geschäftsmodell und viele Menschen brauchen nun mal den Schutz in der Werkstatt, was politische Debatten ebenfalls bestätigen.

Uwe N.
Antwort auf  Marion
24.11.2022 13:03

Ich bin da voll und ganz bei ihnen. Ich bekomme zum Glück auch zwei Seiten mit:

Seite eins: das was man in den Medien (Radio, Fernsehen und Social Media) mit bekommt.
Hier bei muss meiner meinug nach ganz klar sein: Das ist mal so gar nicht Verifiziert…….!!!! Nichts als Vermutungen hört man da!!

Seite Zwei: Das was die Politiker sagen! Und hier meine ich den direkten Kontakt…….. Also selbst fragen unddann eine entasprechende Antwort bekommen!

Vielleicht ist es ja von Bundesland zu Bundesland verschieden, das mag sein. Demnach kann ich hier und jetzt auch nur von „Hessen“ sprechen! Die Statements derer, mit denen ich reden durfte, gehen in eine klare Richtung! Die sieht wie folgt aus:

Werkstätten sollen weiterentwickelt werden. Sie sollen Verändert werden, ja das stimmt. Aber Dinge wie „Wir müssen Wfbm#s abschaffen“ hörte ichvon Seiten der Politiker bisher nie!

Die Frau von der ich schrieb, weiß das auch, jedoch fällt es ihr schwer das zu glauben, wenn so viele Unterschiedliche Dinge Kommuniziert werden. Ist ja auch völlig klar!!!

Nebenbei erwähnt: Personen wie Lukas Krämer (ich glaube so heißt er) sind auch nicht sehr Zuträglich der ganzen Situation. Quatschen nur aus einer Sicht heraus….. das hat bisher noch nie geholfen und wird es in zukunft vermutlich auch nicht tun! Es müsste viel mehr Hinterfragt werden. Das jedoch tun die wenigsten! Das ist sehr schade…..!!

Fest steht: Wer nur mosert und Meckert, der wird nix erreichen….. Wer nur Probleme aufzeigt, aber nie mit einem passendem Lösungsvorschlag um sdie Ecke kommt, wird keinen erfolg bei solchen Dingen haben!!

Ich bin Zuversichtlich, dass es Werkstätten noch lange geben wird. Ich bin auch zuversichtlich, dass die Werkstätten eine Positive Entwicklung erleben werden……. Wer aufgibt hat schon verloren!! und auch Verlieren habe ich jedenfalls keine Lust

Wollte ich nur mal angemerkt haben!

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