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Selbstvertretung stärken und etwas verändern!

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Dresden (kobinet) "Selbstvertretung stärken und etwas verändern!" Unter diesem Motto trafen sich Ende September 2022 ca. dreißig politisch engagierte Menschen mit Behinderung aus Sachsen im barrierefreien Stadtteilzentrum EMMERS in der Bürgerstraße in Dresden. Sie berieten darüber, wie sie ihre Wirksamkeit in den verschiedenen politischen Zusammenhängen und Gremien auf Landes- und kommunaler Ebene erhöhen und aktiv Politik mitgestalten können: Zum Beispiel in der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe Sachsen(LAG SH Sachsen), der Liga Selbstvertretung, im Sächsischen Landesbeirat für die Belange von Menschen mit Behinderung oder vielleicht auch in ganz neu zu gründenden Organisationen.

Es war nach zwei vorangegangenen Online-Treffen die 3. Zusammenkunft, zu der die LAG SH Sachsen, die LIGA der Selbstvertretung und das Antidiskriminierungsbüro Sachsen gemeinsam eingeladen hatten.

Einig waren sich die Teilnehmer*innen in ihrem Verständnis darüber, was Selbstvertretung bedeutet: Nicht Menschen ohne Behinderungen entscheiden über oder für Menschen mit Behinderung, sondern sie kämpfen selbst dafür, dass sich ihr Leben verbessert und sie gleichberechtigt an allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens teilnehmen und mitentscheiden – getreu dem Grundprinzip der internationalen Behindertenbewegung „Nichts über uns – ohne uns!“. Intensiv diskutierten die Teilnehmenden darüber, wie Selbstvertretung und Interessensvertretung konkret ausgestaltet werden können. Sie gingen dabei unter anderem folgenden Fragen nach: Wie sehen die gesellschaftlichen Strukturen in Sachsen aus, in denen sich Menschen mit Behinderung aktiv vor Ort beteiligen können? Was wollen wir verändern? Welche Kompetenzen brauchen wir dafür? Und wie können diese Kompetenzen gestärkt werden? Welche Unterstützungsformen sind dafür nötig (bauliche und digitale Barrierefreiheit, barrierefreie Kommunikation in Form von Gebärdensprache, Leichte und einfache Sprache, Sensibilisierung aller Beteiligten usw.)?

Anschließend konkretisierten die Versammelten ihre Zielstellungen in drei Arbeitsgruppen. So berieten sie zum einen darüber, wie ein entsprechendes Konzept für eine Selbst- bzw. Interessenvertretung von Menschen mit Behinderung in Sachsen aussehen kann. Sie entwickelten Ideen, wie das Ehrenamt durch das Hauptamt unterstützt werden und die Teilhabe von Menschen mit Behinderung durch Öffentlichkeitsarbeit eine größere Lobby in der Politik erhalten kann. Eine große Bedeutung wurde dabei Empowerment-Schulungen zur Stärkung von Kompetenz, Motivation und Eigenverantwortung der Expert*innen in eigener Sache beigemessen.

Aber auch die Veränderung von bestehenden Strukturen sei wichtig, wie zum Bespiel die Ausstattung von kommunalen Behindertenbeiräten mit Rede-, Antrags- und gegebenenfalls Vetorecht etwa bei nicht barrierefreien Baumaßnahmen im öffentlichen Raum. Ebenso müsste der Sächsische Landesbeirat für die Belange von Menschen mit Behinderung seine Wirksamkeit erhöhen. Neben dem dringenden Wunsch, bestehende Selbstvertretungsorganisationen zu stärken, gab es auch die Idee, ein Zentrum Selbstbestimmt Leben in Sachsen zu gründen, heißt es in einem von der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe Sachsen versandten Bericht.

Die Tagung wurde von allen Beteiligten als sehr konstruktiv und motivierend eingeschätzt. Weitere Zusammenkünfte mit konkreten Verabredungen und neuerlichen Vernetzungen werden folgen, zu denen Interessierte herzlich willkommen sind.