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Regionalkonferenz: Inklusiv gestalten – Ideen und gute Beispiele aus Architektur und Stadtplanung

Jürgen Dusel
Jürgen Dusel
Foto: Henning Schacht

Berlin (kobinet) Die inklusive Gestaltung von Stadtraum und Wohnungen leistet einen bedeutenden Beitrag zur eigenständigen Lebensführung von Menschen mit Behinderungen und älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Jürgen Dusel, hat daher gemeinsam mit der Bundesarchitektenkammer sowie den Architektenkammern Berlin und Brandenburg zur heutigen Regionalkonferenz "Inklusiv gestalten – Ideen und gute Beispiele aus Architektur und Stadtplanung“ eingeladen. Schwerpunktthema der Konferenz, bei der u. a. die Bundesbauministerin Klara Geywitz die Anwesenden begrüßte, war die Auswirkung von Barrierefreiheit auf die Baukosten.

Klara Geywitz erklärte: „Mehr barrierefreie Wohnungen sind das Ziel dieser Bundesregierung. Noch zu viele Menschen in Deutschland, die mit einer Behinderung leben, müssen sich in ihrem eigenen Zuhause aufgrund physischer Barrieren einschränken oder finden nur unter enormen Anstrengungen eine neue Wohnung. Das muss sich insbesondere dann ändern, wenn wir Wohnen im Gesamtzusammenhang betrachten. Möchten wir, dass z.B. ältere Menschen ihre zu groß gewordenen Wohnungen oder Häuser an jüngere Menschen weitergeben, müssen wir mehr barrierefreies und attraktives Wohnen vorhalten. Mit den 14,5 Milliarden Euro, die wir bis 2026 für den sozialen Wohnungsbau bereitstellen, wollen wir mehr verbindlichen barrierefreien Wohnraum schaffen. Überhaupt, barrierefreies Bauen muss nicht teurer sein. Ein schwellenloser Zugang, eine ausreichende Breite der Haustür, bodengleiche Duschen können von Beginn an mitgeplant werden. Diese Konferenz heute hat gezeigt, wie das gelingen kann: indem Architektur und Stadtplanung eng zusammenarbeiten.“

Jürgen Dusel betonte: „Noch viel zu häufig ist barrierefreies Bauen mit Vorurteilen behaftet, es sei zu teuer, es sei schwieriger auf dem Markt zu vermitteln. Doch beides ist nicht zutreffend: Wie wir heute auf der Konferenz gesehen haben, gibt es gute Beispiele für kostensparende und schöne, qualitativ hochwertige und barrierefreie Architektur. Barrierefreiheit ist ein Qualitätsstandard, von dem alle Menschen profitieren. Es wird Zeit, dass wir anfangen, für den tatsächlichen Bedarf zu bauen und nicht daran vorbei. Bereits jetzt fehlen über zwei Millionen barrierefreie und altersgerechte Wohnungen in Deutschland. Hier müssen wir dringend gegensteuern.“

„Endlich können die Regionalkonferenzen wieder als Präsenzveranstaltungen stattfinden“, freut sich BAK-Vizepräsident Martin Müller über die Fortsetzung der erfolgreichen Veranstaltungsreihe. „In unserer Zeit der Umbrüche und Krisen stellt eine inklusiv gestaltete Umwelt einen großen Mehrwert für die ganze Gesellschaft dar, da sie das soziale Miteinander und den Zusammenhalt stärkt und Teilhabe ermöglicht. Architektur und Stadtplanung trägt dazu bei, die richtigen Rahmenbedingungen dafür zu schaffen – durch Planungsexpertise entstehen gute und intelligente Lösungen auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft, wie die heutigen Best-Practice-Beispiele zeigen.“

„Barrierefreiheit bedeutet die Lösung für Jahrzehnte. Universal Design ist wertvoll und für uns alle eine nachhaltige Investition in die Zukunft“, sagte Theresa Keilhacker, Präsidentin der Architektenkammer Berlin.

„Das erfolgreiche Format erlebten wir nun auch in Berlin und Brandenburg. Es zeigt, wie erfolgreich Ideen auf Bundesebene in den unterschiedlichen Regionen Deutschlands tragfähig umgesetzt werden können“, so Andreas Rieger, der Präsident der Brandenburgischen Architektenkammer. „Unsere liberale Demokratie braucht Inklusion. Diese entsteht in unseren Städten und Dörfern in dem kooperativen Zusammenwirken der Akteure vor Ort. Architektinnen und Architekten, Stadtplanerinnen und Stadtplaner bilden hierbei die kommunikative Schnittstelle zwischen den Bedürfnissen und Anforderungen der Gesellschaft und umsetzbaren Lösungsmöglichkeiten bei den unterschiedlichsten Rahmenbedingungen in der Stadt wie auf dem Land.“

Die Regionalkonferenz stellte mit Impulsvorträgen, Präsentationen gelungener Projekte sowie in Gesprächsrunden vor, wie interdisziplinäre und intelligente Planungsansätze aussehen können. Die von der ZDF-Journalistin Katrin Müller-Hohenstein moderierte Veranstaltung im Berliner Futurium richtete sich an Architektinnen und Architekten, an Stadtplanerinnen und Stadtplaner, an die Interessenvertretung der Menschen mit Behinderungen, aber auch an Auftraggeber aus Kommunen und der Wohnungswirtschaft sowie an interessierte Bürgerinnen und Bürger.