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Cécile Lecomte berichtet über Rausschmiss aus ICE

Cécile Lecomte bei der Bahnprotestaktion am 5.5.22 am Brandenburger Tor
Cécile Lecomte bei der Bahnprotestaktion am 5.5.22 am Brandenburger Tor
Foto: omp

Lüneburg (kobinet) Die Aktivistin Cécile Lecomte engagiert sich nicht nur für Maßnahmen gegen den Klimawandel, sondern streitet immer wieder auch für eine barrierefreie Mobilität, vor allem auch bei der Bahn. Nun berichtet die Rollstuhlnutzerin in Schrift und Video auf ihrer Internetseite über einen Rausschmiss aus dem ICE.



„Der hier geschilderte Vorfall hat in sozialen Medien die Runde gemacht, dort habe ich die Hintergründe allerdings nur umgerissen, Twitter eignet sich nicht für längere Texte. Ich habe nun ein Video erstellt, wo die Räumung durch die Polizei zu sehen ist. Das Video enthält auch Infos zu Kontext, Hintergründen und Problemen rund um (Nicht)Barrierefreiheit bei der Bahn. Es muss sich was ändern, darum mache ich solche Erfahrungen öffentlich! Das ist kein Einzelfall“, schreibt Cécile Lecomte auf ihrer Internetseite Einhörnchen.

Link zum Bericht über den Rausschmiss aus dem ICE

Die taz hat den Vorfall für einen ausführlichen Bericht genutzt und hierzu verschiedene Stellungnahmen eingeholt.

Link zum Bericht der taz

Link zum kobinet-Interview mit Cécile Lecomte über die ökologische Verkehrswende und Barrierefreiheit vom 26. Mai 2022

Lesermeinungen

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5 Lesermeinungen
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Sabrina Mevis
17.08.2022 11:41

Das Problem bei solchen Berichten ist stets, dass man nur die eine Seite hört. Ich möchte niemandem etwas unterstellen, aber bei näherem Hinsehen stellt sich oft heraus, dass beide Seiten an einem Problem beteiligt sind und das Berichte von Betroffenen übertrieben werden, um noch mehr Empörung – Shitstorms – zu bekommen. Davon unbenommen ist das Problem der schlechten Moblitätspolitik der DB in Sachen Barrierefreiheit.

Arnd Hellinger
13.08.2022 01:19

Nun ist Frau Lecomte allerdings auch für eine eher eigenwillige Interpretation sozialer Verhaltensregeln bekannt. Insofern wäre ich vorsichtig, hier bei der DB die Alleinschuld zu suchen…

Ja, man _kann_ mit Fug und Recht die Forderung aufstellen, der Deutsche Bahn Konzern möge bitte dergestalt für mehr Barrierefreiheit im Fernverkehr sorgen, dass pro ICE mehr als die heute üblichen 2-4 Rollstuhlplätze angeboten und defekte #Aufzüge auf Bahnhöfen zeitnäher repariert werden, aber all‘ das rechtfertigt _nicht_ das ausfallende Verhalten gegenüber Mitreisenden und Zugpersonal.

Und ja, mensch _kann_ Gespräche mit Assistierenden auch in einer Lautstärke führen. dass andere Fahrgäste dadurch _nicht_ belästigt werden. Wir Menschen mit Behinderung erwarten ja von Anderen auch, im Rahmen des Möglichen auf uns _Rücksicht_ zu nehmen – da können wir in Zug. Bus oder Flugzeug, wiederum im Rahmen des Möglichen, auch _Rücksicht_ auf die Bedarfe anderer Reisender nehmen.

Alexander Drewes
Antwort auf  Arnd Hellinger
16.08.2022 18:20

Lieber Arnd,

eingedenk unserer kürzlich auf Facebook stattgehabten Diskussion weißt Du ja, was ich von DB Service und St&S so halte. Hier hat ja nun DB Fernverkehr agiert.
Das Problem ist zunächst, dass ich mir das Video zunächst einmal transkribieren lassen musste, wobei natürlich von der Emotionalität von allen drei Seiten – Fr. Lecomte, Zub und Bundespolizei – in der Transkription nicht mehr so allzu viel übrig bleibt.
Problematisch scheinen mir hier aber zwei Tatbestandsumstände zu sein: Zum einen grundsätzlich das Verhalten von Fr. Lecomte, zum anderen die Problematik, die sich auch hier wieder stellt.
Zum einen wüsste ich nicht, dass die Rollstuhlplätze in irgendwelchen ICE im Ruhebereich liegen. Du hast da den besseren Plan als ich, insofern: klär mich auf, wenn das anders sein sollte.
Zum anderen stellt es naturgemäß ein Problem dar, wenn sich das Publikum allzu viel Ruhe wünscht, wir mit unseren Assistenten aber in irgendeiner Weise kommunizieren müssen (sogar meine Assistentin versucht das neben dem Lormen auch lautsprachlich, obwohl ich davon wenig bis nichts mitbekomme; mir ist das aber wichtig, genauso, wie ich nach wie vor versuche, lautsprachlich zu kommunizieren und die Lautstärke naturgemäß nur rudimentär einschätzen kann).
Zum Verhalten von Fr. Lecomte: Das kann man durchaus als grenzwertig ansehen, wobei insbesondere der Geschäftsführer der ISL zurecht auf den Umstand hingewiesen hat, dass sie da ja auf ein grundsätzliches Problem aufmerksam macht.
Zum einen sind 0,5 Prozent der Plätze für Rollstuhlnutzende im Fernverkehr eine Unverschämtheit. Zum anderen sind die Plätze so konstruiert, dass man bei einer regelhaften Nutzung z.B. mit einem E-Rolli beim besten Willen keine vier Rollstühle in einen ICE bekommt. Gruppenreisen von rollstuhlnutzenden Menschen sind im Fernverkehr völlig undenkbar.
Ich könnte sehr gut damit leben, wenn sich die Rollstuhlplätze ein wenig mehr auf die einzelnen Waggons verteilten, so hat man ja tatsächlich das Gefühl von Sonderwelten selbst im Zug (und, ja, ich weiß, die Kosten, insbesondere für die fahrzeuggebundenen Einstiegshilfen. Aber: Andere Bahnen schaffen es ja auch, ihre Sitzlandschaften ein wenig komfortabler zu gestalten, als dies der DB möglich zu sein scheint).
Dass weder Zub noch Bundespolizei hier sonderlich souverän mit der Situation umgegangen sind, scheint mir allerdings auch ziemlich offensichtlich. Ich schleppe nicht jemanden, der scheinbar sogar noch die Schmerzerkrankung mitteilt, an Händen und Füßen aus einem Zug: Das ist einfach schon im Normalfall unwürdig, bei unsereinem wirkt so etwas noch deutlich unheimlicher.
Vorliegend scheinen alle Seiten derart viel falsch gemacht zu haben, dass man sich hier im Grunde schwer tut, zu rechten und zu richten. Ich möchte den Rausschmiss von Fr. Lecomte auf jeden Fall nicht verantwortet haben müssen.

Mit bestem Gruß

Alex.

Holger Hase
09.08.2022 12:03

Es gibt viele andere Behinderte Menschen die in andren Bundesländern beruflich als Landtagsabgeordnete/er oder im Bundestag tätig sin und nicht nur diese beiden.

Alexander Drewes
Antwort auf  Holger Hase
09.08.2022 21:57

Sehr geehrter Herr Hase,

wenn es denn so viele beeinträchtigte Menschen gibt, die in anderen Bundesländern in Landtagen bzw. gar dem Deutschen Bundestag als Abgeordnete tätig sind (das halte ich – ehrlich gesagt – für ein Gerücht; zumindest hinsichtlich des Umstandes, dass sich dieselben auch offenbart haben würden), dürfte es Ihnen ja nicht schwer fallen, dieselben namentlich zu benennen. Daneben: Wo spricht der Artikel überhaupt von zwei Abgeordneten?

Mit bestem Gruß

Alexander Drewes.