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Nachlese: Fachtag zu Intersektionalität in der Beratung

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Foto: Susanne Göbel

Bremen (kobinet) Vor vollem digitalen Haus ging es am 31. März um die "Professionelle Haltung von Berater*innen in intersektionalen Beratungskontexten“. Die Diplom Psychologin Kassandra Ruhm aus Bremen, die an der Veranstaltung mitgewirkt hat, hat den kobinet-nachrichten eine Nachlese über die Fachtagung und zum Thema zur Verfügung gestellt.

„Viel zu oft habe ich erfahren, dass behinderte Menschen nur einen eingeschränkten Zugang zur Gesundheitsversorgung hatten, gerade auch zu Psychotherapieangeboten und Fachberatungsstellen. Das kann schwerwiegende Folgen haben. Alle Unterstützungsangebote sollten sich um eine chancengleiche Nutzbarkeit bemühen. Für Menschen mit Sinnesbehinderungen, mit Lernschwierigkeiten, mit Mobilitätsbehinderungen, aber auch zum Beispiel für Menschen mit Migrationshintergrund oder für queere Menschen. Für alle.“, vertritt Dipl.-Psychologin Kassandra Ruhm gegenüber Kobinet. Sie war neben Dr. Urmila Goel eine der beiden Hauptreferent*innen des Fachtages und ist seit über 20 Jahren als Psychologin in Beratungsstellen tätig.

Organisiert wurde der Fachtag, an dem knapp 70 Berater*innen teilnahmen, von der Landeshauptstadt Dresden in Zusammenarbeit mit Lebendiger Leben e. V., dem Queeren Netzwerk Sachsen e. V., dem Ausländerrat Dresden e. V. und anderen freien Organisationen. Die Veranstaltung fand im Rahmen der „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ statt.

Unter Intersektionalität versteht man die Überschneidung und das Zusammenspiel von verschiedenen Diskriminierungsformen gleichzeitig, denen eine Person ausgesetzt sein kann. Die Wissenschaftlerin und Bloggerin Urmila Goel (andersdeutsch.de) erklärt: „Intersektionalität als Perspektive und Haltung ermöglicht das kategoriale Denken zu überwinden. Eine zu beratende Person ist immer vieles gleichzeitig. In der jeweiligen Situation muss festgestellt werden, was genau wie relevant ist, welche spezifischen Diskriminierungserfahrungen vorliegen, aber auch welche Ressourcen die Person hat.“

Der Grund, diesen Fachtag zu organisieren war, dass Beratungsstellen häufig auf eine Zielgruppe oder ein bestimmtes Thema ausgerichtet sind. Wenn jemand aber zum Beispiel blind und of Color (von Rassismus betroffen) ist und ein Problem in der Beziehung hat, wie gehen Beratungsstellen mit der Intersektionalität um?

Dipl.-Psychologin Kassandra Ruhm, die selbst lesbisch und Rollstuhlfahrerin ist, hat 4 Faktoren für einen professionellen Umgang mit Intersektionalität in der Beratungsarbeit heraus gearbeitet.

„1. Ein Grundwissen über unterschiedliche Lebensbedingungen ist hilfreich.

2. Noch wichtiger ist allerdings, Offenheit, Respekt und Interesse für die intersektionalen Beratungsinhalte zu zeigen.

3. Grundlegend ist die Bereitschaft, auch in Beratungen zu gehen, wenn man sich in einem Thema nicht völlig sicher fühlt. Wir können uns nie mit allen intersektionalen Aspekten im Vorhinein auskennen. Professionell ist es dann, ungewohnte Themen und Lebensbedingungen nicht einfach zu vermeiden.

4. Wir brauchen Offenheit, dass es bei meinem Gegenüber anders sein könnte, als ich über diese Personengruppe gehört habe. Es kann sehr gut sein, dass eine junge, muslimische Frau oder ein katholischer Mann von ihren Familien in ihrer gleichgeschlechtlichen Lebensform voll unterstützt werden, aber an ihrem Arbeitsplatz Diskriminierungen erleben.“

"Diesmal war es ein sächsischer Fachtag, mal sehen, wann die anderen Bundesländer nachziehen?" fragt sich Kassandra Ruhm

Link zur Veranstaltungsankündigung

Bremen (kobinet) Kategorien Bericht

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/sflu257