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Dennis Sonne ist bereits im Wahlkampfmodus

Dennis Sonne bei seiner Rede zur Listenaufstellung im Dezember 2021
Dennis Sonne bei seiner Rede zur Listenaufstellung im Dezember 2021
Foto: Jamie Böcker, 2021

Lüdinghausen (kobinet) In weniger als 100 Tagen steht die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 15. Mai an. Dennis Sonne kandidiert auf der Landesliste der Grünen und befindet sich bereits mitten im Wahlkampf, wie er im kobinet-Interview mitteilte. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul sprach mit ihm u.a. darüber, was es bedeutet als Rollstuhlnutzer in der Corona-Pandemie einen Wahlkampf zu planen.

kobinet-nachrichten: Mittlerweile sind es weniger als 100 Tage, die noch bis zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 15. Mai verbleiben, für die Sie ja auf der Landesliste der Grünen kandidieren. Hat der Wahlkampf für Sie schon begonnen?

Dennis Sonne: Ja, auch wenn es sich für viele Außenstehende noch nicht so anfühlt, befinde ich mich tatsächlich schon im Wahlkampf. Viele Dinge laufen momentan im Hintergrund. Dazu gehören unter anderem organisatorische Absprachen und Vorbereitungen für Kommendes. Am meisten merke ich es aktuell am Kalender, der sich mit Terminen füllt. Bisher handelt es sich um Online-Termine, da niemand weiß wie sich die Pandemie in den nächsten Wochen und Monaten entwickelt, scheint dies jedoch der richtige Weg zu sein, um keine Veranstaltungen absagen zu müssen.

kobinet-nachrichten: Wahlkampf in Zeiten der Pandemie ist für sich schon eine Herausforderung. Wie ist das für Sie als Rollstuhlnutzer? Was planen Sie konkret?

Dennis Sonne: Ich plane auch selbst Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit den Ortsverbänden, die in meinem Wahlkreis liegen, sowie dem Kreisverband Coesfeld selbst. Es ist, wie gesagt, schwierig einzuschätzen, wie sich die Pandemie entwickelt. Gerne würde ich beispielsweise den Protesttag am 5. Mai nutzen, um hier eine oder mehrere Veranstaltungen zum Thema Inklusion zu initiieren. Wie die Inzidenz im Mai aussieht, kann aber niemand vorhersehen. Das macht es nicht einfach. Als Landtagskandidat, mit dem Schwerpunkt auf soziale Themen, wie Barrierefreiheit und Inklusion möchte ich mit den Menschen in Kontakt kommen, die es direkt betrifft. Das sind grundsätzlich alle Menschen, denn jeder kann von heute auf morgen von Barrierefreiheit profitieren. Menschen mit Behinderungen und Menschen in einem hohen Alter sind dabei auch Anlaufstellen für meinen Wahlkampf. Daher möchte ich auch Werkstätten für Menschen mit Behinderungen und Altenheime besuchen, um dort mit den Einwohner*innen und den Mitarbeiter*innen auf Augenhöhe zu sprechen. Ich fokussiere auch Menschen in Pflegeeinrichtungen und Selbsthilfeverbänden. Ein Schwerpunkt bei meiner Arbeit ist die Beteiligung. Ich möchte die Menschen auf Augenhöhe mitnehmen. Damit meine ich in erster Linie nicht, diese Menschen von mir zu begeistern, sondern Ihre Wünsche und Ängste ernst zu nehmen. Sie anhören und dann alles geben, um etwas auf Landesebene umzusetzen, was die Schwarz-Gelbe-Regierung verpasst hat.

Für mich als Rollstuhlnutzer wird es im anstehenden Wahlkampf noch zusätzlich interessant und spannend zu sehen, inwiefern meine Behinderung Auswirkungen auf Veranstaltungen haben wird. Bei den Planungen von Terminen in Präsenz muss ich immer bedenken, ob der Veranstaltungsort barrierefrei ist. So merke ich täglich, wie wichtig mein Thema ist.

kobinet-nachrichten: Kann man mit Behindertenpolitik allein die Leute begeistern? Welche anderen Themen greifen Sie zusätzlich auf?

Dennis Sonne: Es ist ja viel mehr als "nur“ Behindertenpolitik. Inklusion und Barrierefreiheit betrifft so ziemlich jedes politische Feld. Von Digitalisierung, über Bauen, Verkehr, Kultur, Gesundheit, Migration und Arbeit. Auch Bildung ist ein Thema, das verändert werden muss. Bildung steht jede*r Bürger*in zu und dazu braucht unser Bildungssystem ein Umdenken. In einem ersten Schritt müssen sich dafür alle Verantwortlichen und Betroffenenvertreter*innen an einen Tisch setzen, es müssen Konzepte überdacht, weitergedacht oder neugedacht werden. Und um Bildung für jede*n zu ermöglichen, ist dies ein unumgänglicher Schritt, für den ich einstehen werde. Und um nochmals das Thema Digitalisierung aufzunehmen: In vielen Bereichen, wie zum Beispiel bei Behördengängen wird es Menschen mit Behinderungen unnötig schwer gemacht. Hier kann bzw. muss Digitalisierung helfen, denn sie stellt für viele Menschen ein wichtiges Hilfsmittel dar. Es muss flächendeckend, bei allen Behörden, die Möglichkeit geschaffen werden, elektronische Anträge zu stellen. Nur so kann Barrierefreiheit im bürokratischen Bereich garantiert werden.

kobinet-nachrichten: Der Platz 36 auf der Landesliste der Grünen ist nicht ganz das, was Sie sich erhofft haben. Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein, es in den Landtag zu schaffen?

Dennis Sonne: Ich hätte mir schon einen Listenplatz weiter vorne gewünscht, aber ich bin auch nicht unglücklich über meinen Listenplatz. Bei 200 Abgeordneten im Düsseldorfer Landtag sollten die Grünen am 15. Mai ein Ergebnis von Mindestens 18 Prozent einholen, sodass ich garantiert über die Landesliste in den Landtag einziehe.

Ich halte das für realistisch. Gerade im Hinblick auf die aktuellen Landesergebnisse, bei denen sich 18 Prozent bei den Umfragen (10. Februar/Forsa) widerspiegeln. Was das Wahlergebnis ausmachen wird, ist neben meiner Arbeit im Wahlkampf, aber auch die grüne Regierungsarbeit in Berlin. Grundsätzlich zeigt sich aber in der Bevölkerung ein Umdenken. Immer mehr Menschen wünschen sich Veränderung in verschiedenen Bereichen. Die Grünen können diese Veränderungen verwirklichen.

kobinet-nachrichten: Was steht als nächstes für Sie im Wahlkampf an?

Dennis Sonne: Meine Website steht in den letzten Zügen. Da ich Inklusion und Barrierefreiheit als Hauptthema habe, wird die Website komplett barrierefrei sein. Es gibt neben einem Accessibility Tool, welches Menschen mit Sehbehinderungen viele Einstellungen ermöglicht, auch die gesamte Seite in Leichter Sprache. Hier hat mir freundlicherweise mein Freund Graf Fidi geholfen und meine Texte in leichte Sprache übersetzt. Mein Kandidatenflyer wird ebenfalls in Leichte Sprache mit Sprachausgabe übersetzt und hat einen QR-Code mit direktem Link zur Audio-Ausgabe. Des Weiteren arbeite ich gerade mit den Ortsverbänden in meinem Wahlkreis (Coesfeld II) an Terminen. Ich bereite einiges an Film und Foto vor und freue mich auf die spannenden, aber auch arbeitsreichen Wochen, die vor mir liegen. Ich bin jetzt schon sehr dankbar für die viele Unterstützung von all meinen Freund*innen, die mich auf meinen Weg begleiten.

kobinet-nachrichten: Vielen Dank für das Interview.

Dennis Sonne: Ich bedanke mich für das Interview und der gesamten kobinet-Redaktion!

Link zur Facebook-Seite von Dennis Sonne

Lüdinghausen (kobinet) Kategorien Interview

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/sdhopw8