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Genauer Hinschauen für inklusive Stadtteile

Beleuchtete Sozialraum-Wand Kassel
Beleuchtete Sozialraum-Wand in Kassel
Foto: Susanne Göbel

Kassel (kobinet) Susanne Göbel vom Vorstand des Netzwerk Persönliche Zukunftsplanung hat sich ihren Sozial-Raum, in dem sie in Kassel lebt, genauer angeschaut und darüber im Editorial des Netzwerk-Newsletters berichtet. Sie wünscht uns allen für 2022 einen offenen Blick für unsere großen und kleinen Sozial-Räume und für all die Menschen, die diese Räume lebendig werden lassen.

Bericht von Susanne Göbel

Kassel, morgens um 7 Uhr: Ich bin in meinem mir sehr vertrauten Stadt-Teil unterwegs. Heute fällt mir besonders diese beleuchtete, lange Glasbaustein-Wand ins Auge. So intensiv habe ich das Licht-Kunstwerk noch nie wahrgenommen! Tagsüber geht es unbeleuchtet und im alltäglichen Trubel der davor liegenden Straßenbahn-Haltestelle und der Menschen, die sich daneben auf knallroten Sitzgelegenheiten niederlassen, unter.

Aber genaues Hinschauen am frühen Morgen lohnt sich: Das Licht-Kunstwerk ist ein beleuchteter Stadt-Plan Kassels und jeder Glasbau-Stein steht für einen (Sozial-) Raum. Rechts der Fluss Fulda in blau, daneben in Grün die stadtnahe Karlsaue. Ganz links leuchten Teile des Bergparks, überragt vom Wahrzeichen der Stadt: der Herkules-Statue. Dazwischen viele große und kleine Bausteine: Räume und Orte, in denen viele Menschen leben oder sich tagsüber aufhalten. Gründerzeithäuser, Wohnblocks der 1950er-Jahre, Villen, Fachwerkhäuser und einige Bauernhöfe mit Pferdekoppeln gehören ebenso dazu, wie Supermärkte und unzählige besondere kleine Läden. Grüne Oasen, viele Straßen gesäumt von den sogenannten Beuys-Eichen, Straßenbahnlinien, eine ausgewiesene Fahrradstraße, der Gemeinschaftsgarten Huttenplatz, das Bundessozialgericht, der Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe, kleine Kunst-Tempel, Kindergärten und Schulen, ein selbst organisierter Feierabend-Markt und noch viel mehr findet man hier.

Ich kenne diese Orte gut, trotzdem entdecke ich bei jedem Spaziergang etwas Neues. Kassel hat nicht immer einen guten Ruf, ich finde zu Unrecht. Der Stadt-Plan beleuchtet meine Stadt und ihre Sozial-Räume, auch die Ecken, die auf den ersten Blick und in Realität nicht so schön sind und Herausforderungen mit sich bringen. Zwei Seiten einer Medaille eben.

Besonders die letzten zwei Jahre haben mir gezeigt, wie lebens-wichtig unser Mit-Einander und starke Sozial-Räume in herausfordernden Zeiten sind! Und manchmal braucht es Licht, aber immer Aufmerksamkeit, um Altbekanntes neu und Neues, Anderes und Spannendes im eigenen Umfeld und bei Menschen zu entdecken.

Ich wünsche uns allen für 2022 einen offenen Blick für unsere großen und kleinen Sozial-Räume und für all die Menschen, die diese Räume lebendig werden lassen.

Link zum Newsletter des Netzwerk Persönliche Zukunftsplanung und zur Vorankündigung eines Online-Netzwerk-Treffens am 4./5. März unter dem Motto "Welche Zukunft wollen wir?"

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/scfny40