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Ohne Barrieren in den Landtag

Bild von der Begehung des umgabauten rheinland-pfälzischen Landtags
Begehung des umgabauten rheinland-pfälzischen Landtags
Foto: Landtag Rheinland-Pfalz

Mainz (kobinet) Die Arbeitsgruppe "Barrierefreiheit" des rheinland-pfälzischen Landesteilhabebeirats hat sich kurz nach der offiziellen Eröffnung des sanierten Landtags von Rheinland-Pfalz bei einem Rundgang durch das Deutschhaus einen Überblick über die umgesetzten Maßnahmen verschafft. In einem Gespräch mit Landtagspräsident Hendrik Hering übermittelte die AG ihre Eindrücke und weitere Verbesserungsvorschläge. Die "AG Barrierefreiheit" hatte die nachhaltige Sanierung des Deutschhauses fachlich von Beginn an begleitet. Ziel dieser Arbeitsgruppe war es, bereits in der Planungsphase die Belange von Menschen mit Behinderungen einzubringen, bauliche und räumliche Hürden von Beginn an zu erkennen und Lösungsvorschläge für einen möglichst barrierefreien Landtag zu unterbreiten.

Da die Sanierung des Landtags beispielhaft zeigt, wie Barrierefreiheit und Denkmalschutz in einem partizipativen Prozess in Einklang gebracht werden kann, erachtet dies das NETZWERK ARTIKEL 3 im Rahmen seines Projektes "Gute Nachrichten zur Inklusion" als gutes Beispiel.

In der Arbeitsgruppe waren Menschen mit unterschiedlichsten Beeinträchtigungen vertreten, die den Landtag bei der Planung und Durchführung der Sanierungsarbeiten berieten. Leiter der AG ist der rheinland-pfälzische Landesbeauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Matthias Rösch. Er war auch in die Vorbereitung und Formulierung des Architekturwettbewerbs eingebunden.

Landtagspräsident Hendrik Hering betonte: "Die Barrierefreiheit war ein zentraler Aspekt der Sanierung, da der alte Landtag doch einige kaum überwindbare Hürden für Menschen mit Beeinträchtigungen aufwies". Es sei ihm deshalb ein ganz besonderes Anliegen, den Landtag als Herzkammer der Demokratie allen Menschen gleichberechtigt zugänglich zu machen sowie Teilhabe und Inklusion zu ermöglichen. Das historische Deutschhaus mit seiner denkmalgeschützten Fassade stellte die Planer jedoch vor besondere bauliche Herausforderungen, so Hendrik Hering. Ihm sei bewusst, dass weitgehende Barrierefreiheit ein Weg sei, auf dem noch einige weitere Schritte notwendig seien. Der Landtagspräsident dankte der AG Barrierefreiheit des Landesteilhabebeirats für die langjährige, arbeitsintensive, wertvolle Begleitung und fachliche Beratung des Bauprojekts.

Lob und Nachbesserungsbedarf

Bei einem Rundgang durch das sanierte Deutschhaus wurden neuralgische Punkte und mögliche Barrieren aller Art in den Blick genommen. Positiv bewertete die AG insbesondere den Zugang zum Deutschhaus durch die großzügige kombinierte und kontrastreich gestaltete Treppen- und Rampenanlage am Haupteingang sowie die barrierefreie Erschließung des gesamten Gebäudes. Ebenso gelobt wurde das dreidimensionale Umgebungsmodell im Landtagsinnenhof, der taktile Plan des Plenarsaals, die rollstuhlgerechte Erschließung des Gebäudes insgesamt, das taktile Leitsystem und die Hörschleifen im Plenarsaal für schwerhörige Menschen.

Nachbesserungsbedarf gibt es aus Sicht der AG jedoch auch noch an verschiedenen Punkten im und vor dem Deutschhaus. Beispielsweise sollten die Leitstreifen für blinde Menschen im Innenhof nachbearbeitet werden. Diese lägen unterhalb des Niveaus des übrigen Pflasters, sodass sich Wasser stauen und im Winter gefrieren könnte. Ebenfalls würden die Leitstreifen durch Kanaldeckel unterbrochen. Des Weiteren sollten im Deutschhaus an einigen Stellen die Akustik verbessert werden wie beispielsweise im Pfortenbereich.

Matthias Rösch sagte: "Die Sanierung des Landtags zeigt, wie beispielgebend Barrierefreiheit und Denkmalschutz in Einklang gebracht werden kann. Der Landtag wird so ein Symbol für eine Gesellschaft ohne Ausgrenzung und Barrieren. Die Einbeziehung der Menschen mit Behinderungen von Anfang an hat sich ausgezahlt, um bestmögliche Lösungen zu erreichen und Nachbesserungsbedarfe zu erkennen." Im Namen der AG dankte Matthias Rösch auch dem bauausführenden Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) für die Federführung des Projekts und die gute Zusammenarbeit.

Folgende Teilnehmende umfasst die AG Barrierefreiheit:

- Matthias Rösch, Landesbeauftragter für die Belange von Menschen mit Behinderungen von Rheinland-Pfalz

- Marita Boos-Waidosch, Behindertenbeauftragte der Stadt Mainz

- Ursula Wallbrecher, Vorsitzende des Behindertenbeirats der Stadt Mainz

- Wolfgang Schweinfurth, Fachberater für die Themen Blindheit, Sehbehinderung

- Anja Geissler, Mitarbeiterin der Landtagsverwaltung im Sitzungsdokumentarischen Dienst

- Heiner Boegler, Sozialverband Deutschland

- Joachim Seuling, Schwerhörigenverband, Behindertenbeauftragter der Stadt Koblenz

- Norbert Herres, Landesverband der Gehörlosen

- Kurt Stübinger, Landesverband der Gehörlosen

- Anna Schädler, Landesteilhabebeirat

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Mainz (kobinet) Kategorien Nachricht

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/sbesu68