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Nach der Bluttat im Oberlinhaus

Foto zeigt Ausschnitt aus einem MAZ-Artikel
Ausschnitt aus der MAZ vom 7./8. August
Foto: sch

Berlin (kobinet) Das Warum der Bluttat vom 28. April in einem Heim des traditionsreichen Oberlinhauses ist ein viertel Jahr später nicht aufgeklärt. Eine Pflegerin im Thusnelda-von-Saldern-Haus hat vier ihr anvertraute Menschen getötet und eine Bewohnerin des Wohnheims schwer verletzt. Sie befindet sich in einer psychiatrischen Klinik. Ihr wurde nach der Tat fristlos gekündigt. Das Arbeitsgericht Potsdam hat den Prozess um die Kündigung ausgesetzt. Der Richter wollte vor einer Entscheidung den Ausgang des Strafverfahrens abwarten, berichtet heute die Potsdamer Allgemeine Zeitung.

Psychiatrische Sachverständige begutachten derweil die Beschuldigte, die 32 Jahre im Oberlinhaus angestellt und zur Tatzeit 52 Jahre alt war. Ihr Verteidiger veweist auf eine Überforderung am Arbeitsplatz der überlasteten Ehefrau und Mutter. Unter misslichen Pflegezuständen sei seine Mandantin „kaputt gespielt“ worden.

Die schreckliche Gewalttat ist ein Extremfall. Selten zum Glück kommt das vor. Doch behinderte Menschen in Deutschland haben trotzdem Angst wie die Betroffenen in Potsdam-Babelsberg.

Dass ihre Mitbewohnerinnen und Mitbewohner mutmaßlich von einer Pflegerin getötet wurden, die sie seit Jahren kennen, sei verstörend, sagten sie der Presse. Es gibt zu wenig Pflegekräfte. Die Ausstattung ist wirklich vom Feinsten – aber es fehlen Menschen ...

Oft seien die Pflegekräfte gestresst und dadurch reizbar, dann werde nicht nur der Ton barscher, zitierte die Zeitung eine Alltagserfahrung aus Babelsberg, die allgemein nicht neu ist.: „Viele Abläufe sind so gestaltet, dass der Aufwand für die Pflegekräfte möglichst gering ist“, sagen die Bewohner. Diese Effektivität gehe aber auf ihre Kosten. „Kurz gesagt: Wir werden behandelt wie Kinder. Von einem möglichst selbstbestimmten Leben kann nicht die Rede sein.“

Berlin (kobinet) Kategorien Bericht

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/sbc2469