Werbung:
Banner Fotos für die Pressefreiheit 2020
Banner kobinet unterstützen
Cartoon Phil Hubbe Ausschnitt Rolli liest kobinet
Springe zum Inhalt

Kein Mensch darf mehr weg-gucken

Stefan Göthling
Stefan Göthling
Foto: Mensch zuerst

Leinefelde/Kassel (kobinet) "Kein Mensch darf mehr weg-gucken", so der Appell von Stefan Göthling von Mensch zuerst, der Selbstvertretungsorganisation von Menschen mit Lernschwierigkeiten nach der Tötung und Verletzung behinderter Menschen in Potsdam. Er fragt sich in seinem Beitrag auf der Internetseite von Mensch zuerst, wie es wohl den anderen Bewohner*innen geht, die in der Einrichtung leben. Die Perspektive der Betroffenen und der Opfer komme überhaupt viel zu kurz, so das Resümee einer Veranstaltung auf Clubhouse zum Thema Gewalt gegen behinderte Menschen, an der am 1. Mai über 70 Menschen teilgenommen haben.

"Ich denke seit gestern immer an die Bewohner und Bewohnerinnen aus der Einrichtung. Sie wohnten vielleicht direkt neben den Opfern. Oder sogar mit ihnen in einem Zimmer. Wie müssen sich die Bewohner und Bewohnerinnen fühlen? Wie geht es den Bewohnern und Bewohnerinnen jetzt? Haben sie Angst, dass sie morgen die Nächsten sind?", schrieb Stefan Göthling am Freitag, nachdem er von der furchtbaren Tat in Potsdamt gehört hatte und dies ihm keine Ruhe mehr ließ auf der Internetseite von Mensch zuerst.

Und weiter meint er: "In manchen Medien wird gesagt: Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind die Opfer. Das sehe ich anders. Es wird geschrieben: Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen können noch nicht trauern. Weil sie sich um die Bewohner und Bewohnerinnen kümmern müssen. Ich frage mich: Wie viele Leute haben in Potsdam in der Einrichtung wieder einmal weg-geguckt? Dass so etwas schlimmes passieren konnte. Ich wünsche den Angehörigen und Bewohnern und Bewohnerinnen viel Kraft für diese schwere Zeit. Ich wünsche mir von der Politik und allen Bürger und Bürgerinnen: Es muss mehr aufgepasst werden. Kein Mensch darf mehr weg-gucken. Wir haben alle eine Verantwortung für den Menschen neben uns."

Link zum Beitrag von Stefan Göthling von Mensch zuerst

"Gewalt gegen behinderte Menschen - wo bleibt der Aufschrei", lautet der Titel einer Veranstaltung auf Clubhouse, die am 1. Mai von Sandra Olbrich moderiert wurde. Auch hier stand immer wieder die Frage im Mittelpunkt "Wer sind die Opfer?" und "Wo bleibt die Opferperspektive in den Medien?" Deutlich wurde in der Diskussion, dass solche Taten oft als Einzelfall dargestellt werden, sich aber die Gewalt, denen behinderte Menschen vor allem auch in Einrichtungen ausgesetzt sind, durch viele Bereiche ziehe. Hier gelte es endlich einen entsprechenden Gewaltschutz zu schaffen und vor allem endlich das System der Aussonderung und Kassernierung behinderter und älterer Menschen zu beenden und ihnen ein inklusives Leben in der Nachbarschaft mit der Unterstützung, die sie brauchen, zu ermöglichen.

Leinefelde/Kassel (kobinet) Kategorien Nachricht

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/sdqrux8