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Freiheit wird vom Unterdrücker niemals freiwillig gewährt …

Michael Gerr
Michael Gerr
Foto: privat

Würzburg (kobinet) Michael Gerr ist nicht nur seit vielen Jahren als Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft Behindertenpolitik der Grünen aktiv, sondern wirbt seit vielen Jahren dafür, dass mehr behinderte Menschen den Einzug in die Parlamente schaffen und setzt sich für eine Gesellschaft der Vielfalt ein. Am vergangenen Wochenende hat er selbst es zwar nicht auf einen aussichtsreichen Listenplatz der Grünen zur Bundestagswahl in Bayern geschafft, seine gehaltene Rede gibt aber gerade im Vorfeld des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung behinderter Menschen eine Reihe von Denkanstößen zur Überwindung von Aussonderung und Diskriminierung.

Im folgenden dokumentieren die kobinet-nachrichten die Rede von Michael Gerr, die er für seine Bewerbung um Platz 16 der bayerischen Landesliste für den Bundestag am 17. April in Augsburg gehalten hat:

Liebe Freund*innen,

ich beginne mit einem Zitat: „Freiheit wird vom Unterdrücker niemals freiwillig gewährt; es muss von demjenigen verlangt werden, der unterdrückt wird.“ – Zitat Ende. Mit meiner Bewerbung trete ich an für mehr Freiheit: Für Vielfalt statt Einfalt. Für ein Klima der sozialen Gerechtigkeit. Und für Menschenrechte, für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte. Ich fordere dieses ein, nicht nur, aber speziell auch für Menschen, die in diesem Lande behindert werden. Nochmals: Mit meiner Bewerbung fordere ich diese Freiheit ein.

Mein Name ist Michael Gerr. Wenn ihr es nicht sehen könnt, ich stehe hier mit meinem Rollstuhl, den ich seit 1993 nutze. 2003 bin ich bei den Grünen eingetreten, und ich fühlte mich bei euch, bei uns, schnell zuhause. Ich konnte erreichen, dass in meinem Kreisverband Barrierefreiheit heute selbstverständlich ist. Bei den bayerischen Grünen erreichte ich eine Satzungsänderung, weshalb auch heute diese Versammlung barrierefrei ist. Ich war im Bezirkstag und im Stadtrat und seit gut 7 Jahren trete ich als Sprecher der BAG Behindertenpolitik für die Rechte von Menschen mit Behinderung ein.

Viele Jahre bin ich in Behindertenverbänden aktiv bis hin zur europäischen Ebene, so aktuell im Forum Menschenrechte.

Liebe Freund*innen,

Seit nunmehr 11 Jahren ist die UN Behindertenrechtskonvention in Deutschland geltendes Recht. Da geht es nicht um Sonderrechte. Es geht um gleiche Rechte, wie sie alle anderen genießen. Ist das denn zu viel verlangt?

Ist das denn nur ein unrealistischer Traum?

Ich träume davon, dass es in Deutschland ein Barrierefreiheits-Gesetz gibt. Ein Gesetz, das öffentliche und private Anbieter*innen verpflichtet, ihre Dienstleistungen und Produkte barrierefrei anzubieten. Ist das denn ein unrealistischer Traum, zumutbare Rampen vor Läden, digitale Tools für Teilhabe oder Öffentlicher Verkehr, den alle nutzen können?

Erstes Beispiel, zweites Beispiel: Ich träume davon, dass es im Arbeitsleben normal ist, dass überall selbstverständlich auch behinderte Menschen dabei sind. Doch in Deutschland leisten wir es uns, dass wir immer mehr Menschen aus dem allgemeinen Arbeitsmarkt aussondern, in so genannte Werkstätten für Menschen mit Behinderungen: ohne Mindestlohn, ohne Arbeitnehmer*innenrechte. Die UN hat hierzu mehrfach ihre tiefe Besorgnis ausgedrückt: Über 300.000 ausgesonderte Menschen. Es gibt für sie kaum Wahl-Freiheiten. Und viele sind unterfordert mit einfachsten Arbeiten. Ist es denn ein so unrealistischer Traum diese Aussonderungen zu beenden?

Ein drittes Beispiel: Ich träume davon, dass auch in der Politik Menschen mit Behinderungen ganz selbstverständlich dabei sind. Da muss man in der eigenen Partei beginnen. Tatsache ist, dass es in Landesparlamenten keine behinderten Menschen bei den Grünen gibt. Und eben auch nicht im Bundestag. Immerhin hat es Katrin Langensiepen als einzige behinderte Frau ins EU-Parlament geschafft. Und wir haben auf dem letzten Parteitag ein Vielfaltsstatut beschlossen. Das muss noch mit Leben gefüllt werden. Es ist also nicht unrealistisch, kein Traum, dass auch Behinderte in die Parlamente kommen und dort gut arbeiten!

Ihr hier, wir hier, haben es heute mit in der Hand. Bitte schickt Selbstvertreter*innen wie mich aus Bayern in den Bundestag. Menschen, die wie ich, für Vielfalt einstehen, mit ihren persönlichen Erfahrungen, auch Diskriminierungserfahrungen, und mit einer klaren politischen Haltung, für soziale Gerechtigkeit, für eine inklusive Gesellschaft, die niemanden zurücklässt, egal ob behindert oder nichtbehindert, schwul, lesbisch, bi-, inter-, transsexuell, queer oder mit Migrations- oder Rassismuserfahrung, egal mit welcher Religion oder Anschauung. Damit aus Träumen und aus Rechten Realität werden kann.

Liebe Freund*innen,

Mein Angebot steht. Ich fordere das ein, wie im Zitat zu Beginn. Die Freiheiten kommen nicht von allein. Das Zitat ist von Martin Luther King. Ich bitte dich um deine Stimme!

Während es Michael Gerr nicht gelungen ist, einen guten Listenplatz für die Bundestagswahl zu bekommen, hat es Wiebke Richter aus Regensburg geschafft und hat mit Listgenplatz 23 eine gute Chance für den Einzug in den Bundestag. Michael Gerr erklärte, dass er sie mit voller Kraft im Wahlkampf unterstützen werde.

Link zum Bericht über die Listenwahl von Wiebke Richter

Würzburg (kobinet) Kategorien Nachricht

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/schjlty