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Assistenzdienst Individualhilfe Heidelberg wird 40 Jahre alt

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Assistenzdienst Individualhilfe Heidelberg
Foto: Assistenzdienst Individualhilfe Heidelberg

Berlin (kobinet) Marcel Renz machte uns auf den 40. Geburtstag des Assistenzdienstes Individualhilfe Heidelberg aufmerksam. Marcel Renz betreibt den Inklusionsblog 'Marcel gibt Gas' https://marcel-gibtgas.de . Er benutzt einen E-Rollstuhl (statt Gas ;-) und ist Autor folgenden Textes.

Der gemeinnützige Selbsthilfeverein und Assistenzdienst Individualhilfe Heidelberg e.V. wird am 24.3.2021 40 Jahre alt. Oberstes Ziel ist seit jeher, Menschen mit Behinderung und teils hohem Unterstützungsbedarf durch Assistenz ein individuelles, selbstbestimmtes und erfülltes Leben zu ermöglichen. Die damaligen Gründungspioniere und Menschen mit Behinderung, die sich damals um ihre selbstbestimmte Pflege und Assistenz gekümmert haben, sind bis heute im Vorstand aktiv.

Zwei Frauen lächelnd sitzen
Assistenzdienst Individualhilfe Heidelberg 40 Jahre, Geschäftsführerinnen Stella Vögele (links) und Michaela Schadeck (rechts); Foto: Medienbüro Rhein-Neckar

1981 wurde der Betreuungsverband für den Zivildienst in Bonn geschlossen. Wenn die damaligen Gründungsmitglieder der Individualhilfe zukünftig nicht im Heim leben wollten, mussten sie etwas tun. Sie gründeten deshalb 1981 die Individualhilfe, die mit Unterstützung des Paritätischen Bildungswerks in Frankfurt die benötigten Dienstleistungen mit Zivildienstleistenden zur Verfügung stellte.

Interessant: UNO-Jahr der Behinderten

Die Vereinten Nationen riefen für 1981 das Jahr der Behinderten aus. Es sollte ein Meilenstein in der Behindertenbewegung sein, denn vor, während und nach diesem Jahr gab es zahlreiche Demonstrationen, bei denen Betroffene öffentlichkeitswirksam mit Straßenbahn-Blockaden und Hungerstreiks auf Missstände und Benachteiligungen von Menschen mit Behinderung aufmerksam machten. Ein bedeutender Auslöser war das Reiseurteil 1980, als das Frankfurter Landgericht einer Urlauberin eine Teilminderung ihrer Reisekosten gewährte mit der Begründung, die sichtbare Anwesenheit Behinderter am Urlaubsort schmälere den Erholungswert. Auch die Gründungsmitglieder der Individualhilfe ließen die Geschehnisse nicht kalt und im Laufe der 80er Jahren nahmen sie an Behindern-Demonstrationen in Heidelberg teil.

Die Individualhilfe wurde im weiteren Fortgang der achtziger Jahre und natürlich in den letzten 40 Jahren immer weiter ausgebaut. Um den Wegfall der Zivis zu kompensieren und Frauen mit Behinderung die Assistenz durch Frauen zu ermöglichen, war die Gründungdes ambulanten Dienstes 1991 ein ganz wichtiger Schritt. Was ganz klein begann, ist mittlerweile ein moderner ambulanter Dienst, der seinen Kunden viel Bürokratie im Umgang mit den Kostenträgern abnimmt und sie auch der Selbsthilfe heraus berät. Die heutige Geschäftsführerin Michaela Schadeck, die selbst auf Assistenz angewiesen ist, sagt mit Blick auf die vergangenen Jahre nicht ohne Stolz: „Was wir in den vergangenen Jahrzehnten und Jahren aufgebaut haben ist wirklich eine tolle Leistung. Dabei war und ist es uns im Hinblick auf unsere Kunden äußerst wichtig, immer nach dem Motto „nicht ohne uns über uns“ zu verfahren und ihnen als Mitglieder unseres Vereins möglichst viel Mitspracherecht zu gewähren.“

Interessantes Modell: die „Organisation Individualhilfe“ besteht einerseits aus dem Verein Individualhilfe für Schwerbehinderte e.V. und zum anderen aus ihrem ambulanten Dienst (https://individualhilfe.de). Kunden können gleichzeitig Mitglieder im Verein werden. Da dieser als alleiniger Gesellschafter des ambulanten Dienstes fungiert, haben die Mitglieder ein großes Mitspracherecht bei der Ausgestaltung und Ausrichtung des Dienstes.

Berlin (kobinet) Kategorien Nachricht

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/sghjrt9