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Von erfolgreichen und weniger erfolgreichen Impfgesuchen

Grafik zeigt Corona-Virus auf der Webseite der WHO
Corona-Virus
Foto: WHO

Düsseldorf (kobinet) In Deutschland haben rund 2,5 Millionen Menschen (mehr als drei Prozent der Bevölkerung) bereits die zweite Dosis Impfstoff gegen das Corona-Virus erhalten, wie aus den Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) hervorgeht. Insgesamt 6,2 Prozent (ca. 5,2 Millionen) Menschen haben demnach mindestens eine Dosis erhalten. In dieser Phase der Impfung machen behinderte Menschen ganz unterschiedliche Erfahrungen von Freud bis Frust, wie Zuschriften an die kobinet-Redaktion zeigen.

Im Folgenden veröffentlichen die kobinet-nachrichten zwei Berichte, die die Mühen und den Frust aufzeigen, denen sich behinderte Menschen derzeit zum Teil unterziehen müssen, um geimpft zu werden.

Alfonso Roman-Barbas nutzt einen Rollstuhl und lebt mit dem Persönlichen Budget im Arbeitgebermodell. Er hat den kobinet-nachrichten folgenden Bericht über seine bereits erfolgte erste Impfung geschickt:

"Ich wurde letzten Montag in Düsseldorf mit AstraZeneca geimpft. Hier meine Geschichte zu der Odyssee wie es dazu kam: Zunächst wurde ich durch Uwe Frevert vom Verein Selbstbestimmt leben in Nordhessen (SliN) darauf aufmerksam gemacht, dass Arbeitgebermodelle vergleichsweise als Pflegedienste gelten und deshalb schon früh in der Priorität bei der Impfvergabe dran sein können. Damit fing der Marathon an. Ich habe versucht mich telefonisch durchzufragen, wie das denn nun funktioniert, mich und meine Mitarbeiter impfen zu lassen. Ich habe im Januar bei der offiziellen Impfhotline angerufen und dort sagte man mir: 'Ja sie gelten als Pflegedienst aber die sind noch nicht dran. Rufen Sie Ende Februar Anfang März nochmal an.' Also haben wir gewartet und Ende Februar noch einmal dort angerufen. Dann hieß es dort aber: 'Ja Sie gelten als Pflegedienst aber wir sind nicht zuständig'. Sie vergeben nur Termine für über 80jährige, die Zuständigkeit für die Unternehmen liege woanders. Wo wusste der Mensch leider nicht."

Alfonso Roman-Barbas ließ aber nicht locker: "Dann haben wir bei der offiziellen Corona-Hotline vom Ministerium angerufen. Wieder wurde nicht bezweifelt, dass wir dran sind mit Impfen. Aber auch hier wusste man nicht so genau, wie das dann läuft. Die Person meinte: 'Sie werden als Pflegedienst angeschrieben von Ihrer Kommune, wenn Sie registriert sind und dann bekommen Sie auch einen Termin. Wenn man nicht registriert ist, bekommt man keinen.' Nun sind wir als Privathaushalte natürlich nicht als Pflegedienst registriert, also war die Frage, wie kommen wir an die Registrierung und an die Termine? Die sinnvollste Möglichkeit schien mir, wenn die Kommune die Termine vergibt, mich beim Gesundheitsamt durchzufragen. Das haben wir dann auch gemacht, die Düsseldorf-Hotline hat uns die passende Nummer gegeben, die Nummer für die Terminvergabe, wenn man angeschrieben worden ist. Da wir nicht angeschrieben worden sind, meinte die Mitarbeiterin sie können eigentlich nicht helfen, wir müssten uns an den Koordinator wenden, der die Pflegedienste anschreibt."

Und weiter ging's: "Die Email haben wir glücklicherweise herausgefunden und eine positive Rückmeldung bekommen: Ja wir dürfen mit der ausgedruckten E-Mail in der Tasche und einer Arbeitgeberbescheinigung, die ich selbst ausstellen kann, für mich und meine Mitarbeiter Termine vereinbaren. Jeder Mitarbeiter muss leider selbst an der Terminvergabe-Hotline anrufen und gleich im ersten Satz sagen, dass man die E-Mail hat vom Koordinator, sonst werfen die einen sofort aus der Leitung. Für manche Mitarbeiter ist das richtig schwierig, die brauchen dabei Unterstützung und ich muss ihnen helfen. Bisher haben es zwei meiner Mitarbeiter geschafft und ich selbst, geimpft zu werden. Alle Behinderten im Arbeitgebermodell sind berechtigt, das genauso zu machen, wie ich. Wenn jemand Fragen hat, kann er sich über meine Firmen-Homepage bei mir melden, ich versuche dann gerne ehrenamtlich zu helfen", berichtet Alfonso Roman-Barbas.

Demgegenüber wartet Roland Zährl immer noch auf seine Impfung. Er schrieb in einem Bericht an die kobinet-nachrichten: "Ich bin Rollstuhlfahrer und als Säugling schwerer an Kinderlähmung erkrankt. Außerdem bin ich rund um die Uhr auf ein Atemgerät angewiesen. Am 12 Januar sollte ich in Mannheim geimpft werden. Am 11 Januar sollte ich nochmal anrufen, um den zweiten Termin festzulegen. Bei diesem Gespräch wurde ich wieder ausgeladen, da ich nicht impfberechtigt sei. Am 2 März hatte ich erneut einen Impftermin im Impfzentrum Heidelberg Commissary Patrick-Henry-Village. Ich war so erleichtert, jetzt endlich geimpft zu werden. Als ich dort ankam, wurden meine Unterlagen geprüft und ich wurde weitergeleitet an eine Ärztin, die mir sagte, dass ich nicht geimpft werde, da ich nicht berechtigt sei mit dem Impfstoff von BioNtech geimpft zu werden. Ich zeigte ihr die Bestätigung in der ausdrücklich drin stand, dass ich am 2.3.21 um 11.39 Uhr mit dem Corona-Impfstoff - Comirnaty (BioNTech)" geimpft werden soll. Die Antwort war, das interessiere sie nicht, ich hätte gar nicht vom Callcenter die Bewilligung erhalten dürfen und ihr sei das Problem bekannt, aber sie dürfe mich nicht mit dem (BioNTech) impfen. Als ich das von ihr so kalt ins Gesicht geschleudert bekam, war es für mich, als habe sie mir soeben mein Todesurteil ausgesprochen. Ich sagte ihr das auch und bat sie, mir dann eben den Impfstoff von AstraZeneca zu geben damit ich mich jetzt nicht umsonst dem Risiko ausgesetzt habe, mich anzustecken. Denn ich lebe jetzt schon fast ein Jahr in Quarantäne und eben weil ich weiß, dass, wenn ich mich anstecke, dies mein Todesurteil bedeutet. Darauf entgegnete sie mir, sie hätten hier überhaupt keinen Impfstoff von AstraZeneca. Ich merkte, wie ich trotz Beatmung keine Luft mehr bekam und eine unsagbare Wut und Ohnmacht brach sich bahn."

Und weiter berichtet Roland Zährl: "Mein ganzes Leben, 61 Jahre lang, habe ich um meine Daseinsberechtigung und Eigenständigkeit gekämpft und viele Kämpfe ausgetragen - und hier scheiterte ich. Ich habe das Impfzentrum als gebrochener Mann verlassen und den Glauben an unseren Staat, dem ich soviel zu verdanken habe."

Düsseldorf (kobinet) Kategorien Nachricht

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/safku90