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Frauen mit Behinderung – die Macht, die die Welt besser macht

Franz-Josef Hanke
Franz-Josef Hanke
Foto: Franz-Josef Hanke

Marburg/Lahn (kobinet) "Frauen mit Behinderung - die Macht, die die Welt besser macht", so titelt Franz-Josef Hanke seinen Kommentar, in dem er auf vier behinderte Frauen eingeht, die Geschichte gemacht und diese verändert haben. Die 22jährige Lyrikerin Amanda Gorman ist seiner Meinung nach das letzte Beispiel einer langen Reihe solcher Frauen.

Bericht von Franz-Josef Hanke

Frauen mit Behinderung - die Macht, die die Welt besser macht

Junge Frauen mit der Erfahrung einer Behinderung haben jene Macht, die die Welt besser macht. Amanda Gorman ist das letzte Beispiel einer langen Reihe solcher Frauen. Die 22-jährige Lyrikerin hat bei der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Joe Biden allen anderen die Schau gestohlen. Ihr Gedicht "The Hill" war voll von Metaphern, intelligenten Wortspielen und der klugen Nutzung doppelter Bedeutungen von Wörtern. Zudem war das gereimte Gedicht überaus rhythmisch und von der Autorin grandios vorgetragen.

Kaum mochte man glauben, dass diese junge Poetin als Kind und Jugendliche an einer Sprechbehinderung litt. Nur diese Behinderung habe sie dazu gedrängt, ihre Gedanken und Gefühle in Gedichten auszudrücken. Das rhythmische Sprechen half der Jugendlichen damals, das Stottern zu überwinden. Gleiches berichtete auch Joe Biden. Mit Hilfe des rhythmischen Vortrags von Versen habe auch er seine Beeinträchtigung überwunden, berichtete der einstige Stotterer. Diese Erfahrung verbindet den neuen US-Präsidenten mit dem neuen Lyrik-Superstar.

Ebenso wie er ist auch sie politisch engagiert. Allerdings hat die Tochter einer alleinerziehenden Mutter von Zwillingsschwestern mit Rassismus und Armut zu kämpfen gehabt, bevor sie ein Stipendium für die Elite-Universität Harvard und bereits als Jugenliche erste Literaturpreise erhielt. Gorman geht in ihrem Gedicht, das neben klaren Stellungnahmen zu Waffengewalt und Rassismus enthält, auch auf die Erstürmung des Capitols durch die Anhänger des rassistischen Demokratieverächters Donald Trump ein.

"Arms are for Hagging" stand auf dem Button, den eine Bekannte aus den Vereinigten Staaten von Aermika (USA) schon 1984 im "Fulda Gap" trug. Dieses Wortspiel hat Gorman in "The Hill" aufgegriffen und gefordert, statt auf einem Recht auf Waffen gemäß dem 2. Verfassungszusatz der U'SA zu beharren, die Waffen niederzulegen und sich die Hände zu reichen. Aber ihre gekonnten Reime überzeugen immer wieder durch Hintersinn, wenn sie beispielsweise das Hinnehmen unerträgerlicher Zustände mit "just is" der Forderung nach Gerechtigkeit - "Justice" entgegenstellt.

Zu Recht ist Gorman der strahlende Stern am Himmel der Literatur, hat sie doch der Vereidigungszeremonie kulturellen Glanz und dem gebeutelten Volk Hoffnung auf eine Kultur der Gerechtigkeit und der Abkehr von Rassismus und Gewalt geschenkt. Ihr Traum von einem dünnen schwarzen Mädchen, das hoffen kann, Präsidentin zu werden, hat manche in dem Wunscch bestärkt, sie als Präsidentschaftskandidatin 2036 zu ersehnen. Doch die Rolle der Mahnerin steht jungen Frauen besser als die einer Präsidentin. Greta Thunberg konnte allein durch ihren Mut und ihre Geradlinigkeit die Welt verändern. Ihre Asperger-Begabung macht sie zu einem Machtfaktor, weil sie all ihre großen Geistesgaben allein auf den Klimaschutz konzentriert. Im Gegensatz zu Gorman kommt Thunberg allerdings aus soliden Verhältnissen und genießt die Unterstützung einer gut situierten Familie. Doch ihre Jugend und ihr entschiedenes Auftreten haben sie zu einem Vorbild für Hunderttausende junger Menschen überall auf der Welt gemacht, die nun - ebenso wie sie - mit der weltweiten Bewegung "Fridays for Future" für konsequenten Klimaschutz eintreten.

Gut 40 Jahre vorher war die junge Petra Karin Kelly die Icone der Umweltbewegung. Sie engagierte sich vehement für Umweltschutz, nachdem ihre jüngere Halbschwester Grace schon als Kind an Leukämie gestorben war. Ihre politische Klarheit und Entschiedenheit machte sie als junge Frau zu einem Machtfaktor, während sie sie später an den Rand der - dann immer mehr korrumpierten - Partei "Bündnis 90/Die Grünen" abdrängte.

Noch einmal 70 Jahre vorher war Rosa Luxemburg die behinderte Frau mit dem klaren Instinkt und der rhetorischen Macht, die die Männer vor Neid und Missgunst erblassen ließ. Die gehbehinderte junge Frau aus einer jüdischen Familie in Polen begriff Sozialismus als einen Prozess, der immer wieder neue Korrekturen und selbstkritisches Nachdenken verlangt. Eigene Irrtümer berichtigte sie immer wieder, wohingegen sie selbst Rückschläge nicht zum Anlass nahm, an der verändernden Kraft menschlicher Solidarität zu zweifeln.

Ihre brutale Ermordung durch sogenannte "Freicorps" unter dem Kommando von Waldemar Papst sollte kein Grund sein, ihre kluge analytische Energie nicht als Vorbild zu sehen. Ein Brief an ihren Ehemann Leo Jogiches, der gerade im Nebenzimmer mit Freunden diskutiert, ist eines der berührendsten Zeugnisse literarischer Liebesbekundungen zwischen Zweifel, Zorn, Zuneigung, Angst und Traurigkeit. Luxemburg bleibt auch mehr als 100 Jahre nach ihrer Ermordung die stärkste Stimme für einen menschlichen Sozialismus und den Respekt vor der Meinung der Andersdenkenden.

Sicherlich sind diese vier Frauen willkürlich herausgegriffene Beispiele für die eindrucksvolle Macht, die die Welt besser macht. Ihre Kraft speist sich aus der Erfahrung von Benachteiligung und dem heißen Einsatz für Gerechtigkeit. Ihre Wirkung beruht auch auf dem männlich geprägten Vorurteil, dass Frauen angeblich weniger stark und geistig überlegen seien als Männer.

Amanda Gorman, Greta Thunberg, Petra Kelly und Rosa Luxemburg strafen nicht nur diese patriarchale Arroganz Lügen, sondern auch die faschistische Ideologie vom angeblich "lebensunwerten Leben" Behinderter. Alle vier beweisen, wie wichtig die Erfahrungen mit einer Behinderung für den sozialen und politischen Fortschritt gesellschaftlichen Lebens und vielleicht sogar für das Überleben der gesamten Menschheit sind. Darum danke ich allen vieren für ihre Kraft, an der ich - leider nur im Fall von Petra Kelly - auch ersönlich teilhaben durfte.

Junge Frauen mit der Erfahrung einer Behinderung haben jene Macht, die die Welt besser macht. Amanda Gorman ist das letzte Beispiel einer langen Reihe solcher Frauen.

Ihr Gedicht "The Hill"

war voll von Metaphern, intelligenten wortspielen und der klugen Nutzung doppelter Bedeutungen von Wörtern. Zudem war das gereimte Gedicht überaus rhythmisch und von der Autorin grandios vorgetragen.

Kaum mochte man glauben, dass diese junge Poetin als Kind ud Jugendliche an einer Sprechbehinderung litt. Nur diese Behinderung habe sie dazu gedrängt, ihre Gedanken und Gefühle in Gedichten auszudrücken. Das rhythmische Sprechen half der Jugendlichen damals, ihren Sprachfehler zu überwinden.

Gleiches berichtete auch Joe Biden. Mit Hilfe des rhythmischen Vortrags von versen habe auch er seine Beeinträchtigung überwunden, berichtete der einstige Stotterer. Diese Erfahrung verbindet den neuen US-Präsidenten mit dem neuen Lyrik-Superstar.

Ebenso wie er ist auch sie politisch engagiert. Allerdings hat die Tochter einer alleinerziehenden Mutter von Zwillingsschwestern mit Rassismus und Armut zu kämpfen gehabt, bevor sie ein Stipendium für die Elite-Universität Harvard und bereits als Jugenliche erste Literaturpreise erhielt. Gorman geht in ihrem Gedicht, das neben klaren Stellungnahmen zu Waffengewalt und rassismus enthält, auch auf die Erstürmung des Capitols durch die Anhänger des rassistischen Demokratieverächters Donald Trump ein.

"Arms are for Hagging" stand auf dem Button mit ineinander verschränkten Gewehrläufen, den eine Bekannte aus den Vereinigten Staaten von Aermika

(USA) schon 1984 im "Fulda Gap" trug. Dieses Wortspiel hat Gorman in "The Hill" aufgegriffen und gefordert, statt auf einem Recht auf Waffen gemäß dem 2. Verfassungszusatz der U'SA zu beharren, die Waffen niederzulegen und sich die Hände zu reichen. Aber ihre gekonnten Reime überzeugen immer wieder durch Hintersinn, wenn sie beispielsweise das Hinnehmen unerträgerlicher Zustände mit "just is" der Forderung nach Gerechtigkeit - "Justice"

entgegenstellt.

Zu Recht ist Gorman der strahlende Stern am Himmel der Literatur, hat sie doch der Vereidigungszeremonie und dem Football-Endspiel kulturellen Glanz und der Welt Hoffnung auf eine Kultur der Gerechtigkeit und der Abkehr von Rassismus und Gewalt geschenkt. Ihr Traum von einem dünnen schwarzen Mädchen, das hoffen kann, Präsidentin zu werden, hat manche in dem Wunscch bestärkt, sie als Präsidentschaftskandidatin 2036 zu ersehnen.

Doch die Rolle der Mahnerin steht jungen Frauen besser als die einer Präsidentin. Greta Thunberg konnte allein durch ihren Mut und ihre Geradlinigkeit die Welt verändern. Ihre Asperger-Begabung macht sie zu einem Machtfaktor, weil sie all ihre großen Geistesgaben allein auf den Klimaschutz konzentriert.

Im gegensatz zu Gorman kommt Thunberg allerdings aus soliden Verhältnissen und genießt die Unterstützung einer gut situierten Familie. Doch ihre Jugend und ihr entschiedenes Auftreten haben sie zu einem Vorbild für Hunderttausende junger Menschen überall auf der Welt gemacht, die nun - ebenso wie sie - mit der weltweiten Bewegung "Fridays for Future" für konsequenten Klimaschutz eintreten.

Gut 40 Jahre vorher war die junge Petra Karin Kelly die Icone der Umweltbewegung. Sie engagierte sich vehement für Umweltschutz, nachdem ihre jüngere Halbschwester Grace schon als Kind an Leukämie gestorben war. Ihre politische Klarheit und Entschiedenheit machte sie als junge Frau zu einem Machtfaktor, während sie sie später an den Rand der - dann immer mehr korrumpierten - Partei "Bündnis 90/Die Grünen" abdrängte.

Noch einmal 70 Jahre vorher war Rosa Luxemburg die behinderte Frau mit dem klaren Instinkt und der rhetorischen Macht, die die Männer vor Neid und Missgunst erblassen ließ. Die gehbehinderte junge Frau aus einer jüdischen Familie in Polen begriff Sozialismus als einen Prozess, der immer wieder neue Korrekturen und selbstkritisches Nachdenken verlangt. Eigene Irrtümer berichtigte sie immer wieder, wohingegen sie selbst Rückschläge nicht zum Anlass nahm, an der verändernden Kraft menschlicher Solidarität zu zweifeln.

Ihre brutale Ermordung durch sogenannte "Freicorps" unter dem Kommando von Waldemar Papst sollte kein Grund sein, ihre kluge analytische Energie nicht als Vorbild zu sehen. Ein Brief an ihren Ehemann Leo Jogiches, der gerade im Nebenzimmer mit Freunden diskutiert, ist eines der berührendsten Zeugnisse literarischer Liebesbekundungen zwischen Zweifel, Zorn, Zuneigung, Angsg und Traurigkeit. Luxemburg bleibt auch mehr als 100 Jahre nach ihrer Ermordung die stärkste Stimme für einen menschlichen Sozialismus und den Respekt vor der Meinung der Andersdenkenden.

Sicherlich sind diese vier Frauen willkürlich herausgegriffene Beispiele für die eindrucksvolle Macht, die die Welt besser macht. Ihre Kraft speist sich aus der Erfahrung von Benachteiligung und dem heißen Einsatz für 'Gerechtigkeit. Ihre Wirkung beruht auch auf dem männlich geprägten Vorurteil, dass Frauen angeblich weniger stark und geistig überlegen seien als Männer.

Amanda Gorman, Greta Thunberg, Petra Kelly und Rosa Luxemburg strafen nicht nur diese patriarchale Arroganz Lügen, sondern auch die faschistische Ideologie vom angeblich "lebensunwerten leben" Behinderter. Alle vier beweisen, wie wichtig die Erfahrungen mit einer Behinderung für den sozialen und politischen Fortschritt gesellschaftlichen Lebens und vielleicht sogar für das Überleben der gesamten Menschheit sind.

Marburg/Lahn (kobinet) Kategorien Meinung

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