Werbung:
Banner Fotos für die Pressefreiheit 2020
Cartoon Phil Hubbe Ausschnitt Rolli liest kobinet
Springe zum Inhalt

VdK fordert mehr Tempo bei der inklusiven Kinder- und Jugendhilfe

Verena Bentele
Verena Bentele
Foto: Irina Tischer

Berlin (kobinet) Die Bundesregierung will die Hilfen für Kinder und Jugendliche inklusiver ausgestalten. Dem Sozialverband VdK geht das jedoch zu langsam. VdK-Präsidentin Verena Bentele betonte anlässlich der ersten Lesung eines entsprechenden Gesetzentwurfs im Bundestag am Freitag in Berlin: "Der heute im Bundestag diskutierte Gesetzentwurf hat viel Gutes, jedoch geht die vorgesehene Umsetzung bis 2028 an der Lebenswirklichkeit der jetzigen Kinder und Jugendlichen vorbei. Damit endlich allen jungen Menschen, unabhängig ob mit oder ohne Behinderung, aus einer Hand geholfen wird, ist mehr Tempo notwendig.“

Derzeit sei nach Informationen des VdK je nach Art der Behinderung eines jungen Menschen ein anderes Amt zuständig. Dies führe dazu, dass für über 70 Prozent der circa 360.000 Kinder und Jugendlichen mit Behinderung kein gleichberechtigter Zugang zu den Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe gewährleistet ist. Verena Bentele erläuterte dazu: "Die unterschiedlichen Zuständigkeiten derzeit führen den Hilfegedanken ad absurdum: Es kann so weit kommen, dass sogar innerhalb einer Familie unterschiedliche Kostenträger zum Tragen kommen – wenn beispielsweise das eine Geschwisterkind einen Rollstuhl benötigt und das andere psychische Beeinträchtigungen hat.“ Weiter unterstrich sie: "Viele unserer Forderungen wurden mit dem Gesetzesentwurf aufgegriffen. Allerdings dauert der vorgesehene Umsetzungszeitraum bis 2028 viel zu lange. Bis die Kinder- und Jugendhilfe inklusiv gestaltet ist, soll es also noch sieben Jahre dauern. Das muss schneller gehen.“

Die Idee eines "Verfahrenslotsen“, der als verbindlicher Ansprechpartner junge Menschen und ihre Eltern unterstützt, begrüßt der VdK. Jedoch soll der Verfahrenslotse erst 2024 die Arbeit aufnehmen und vier Jahre später schon wieder aufgeben. "Das geht an der Lebensrealität vorbei. Die Berater braucht es dauerhaft. Denn gerade Familien mit Kindern mit Behinderung sind mit vielen Leistungssystemen konfrontiert. Daher sollte der Verfahrenslotse die Familien nicht nur bei den Leistungen der Eingliederungshilfe nach dem SGB IX unterstützen, sondern auch bei den Leistungen aller weiteren Sozialleistungssysteme – und damit zum Beispiel auch bei den Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe“, fordert die VdK-Präsidentin.

"Positiv bewerten wir die Sicherstellung von Schutzkonzepten in stationären Einrichtungen und im Bereich der Pflegekinderhilfe sowie die Verpflichtung zur Etablierung externer Beschwerdemöglichkeiten. (...) Unser Ziel ist es, einen guten Gesetzentwurf in den parlamentarischen Beratungen noch besser zu machen“, hieß es vonder stellvertretenden Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Nadine Schön. Der kinder- und jugendpolitische Sprecher Marcus Weinberg der Unionsfraktion betonte: "Jede Veränderung in der Kinder- und Jugendhilfe betrifft unmittelbar die Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen sowie deren Eltern. Deshalb bedarf dieses Gesetz unserer besonderen parlamentarischen Aufmerksamkeit. Zentrales Leitbild der Reform muss es sein, junge Menschen und ihre Eltern nicht als Objekte fürsorgender Maßnahmen oder intervenierender Eingriffe zu betrachten. Sie müssen stets als Expertinnen und Experten in eigener Sache auf Augenhöhe aktiv und mitgestaltend in die Hilfe- und Schutzprozesse einbezogen werden. Das wollen wir mit mehr Beteiligung von Kindern- und Jugendlichen in allen Prozessen sowie mehr Beratungsmöglichkeiten durch unabhängige Ombudsstellen in den Ländern erreichen. Darüber hinaus soll es mehr unbürokratische Hilfen in Notsituationen geben und einen Rechtsanspruch der Eltern auf Beratung, Unterstützung und Förderung der Beziehung zum Kind bei Unterbringung in einer Pflegefamilie oder Einrichtung der Erziehungshilfe. Zusätzlich soll die Inklusion in der Kinder- und Jugendhilfe als Leitgedanke verankert werden."

Berlin (kobinet) Kategorien Nachricht

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/sbeijl2