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Hubert Hüppe fordert Landtagsdebatte zu Vorkommnissen im Wittekindshof

Hubert Hüppe
Hubert Hüppe
Foto: Rolf Barthel

Düsseldorf (kobinet) Der ehemalige Bundesbehindertenbeauftragte und langjährig in der Behindertenpolitik engagierte Hubert Hüppe fordert eine lücken- und schonungslose Aufklärung der Vorkommnisse in der Diakonischen Stiftung Wittekindshof. Hierzu sei eine Debatte im Landtag und die Einsetzung einer Enquete Kommission nötig, erklärte er gegenüber den kobinet-nachrichten angesichts der Ermittlungen gegen 145 Personen, über die auch die kobinet-nachrichten berichteten.

"Die jetzt erst bekannt gewordenen Vorwürfe, dass in den Einrichtungen der Stiftung Menschen mit Behinderungen eingesperrt, geschlagen, getreten und erniedrig wurden, erinnern an die dunkelsten Zeiten der Diakonie. Es zeige sich jetzt, dass dort ein geschlossenes System vorherrsche, in dem irgendwie alle mitwirkten oder wegschauten. Aufsichtsbehörden sind unterbesetzt, nehmen ihre Aufgaben nicht wahr, Mitarbeiter quälen Menschen oder schauen weg, weil sie Nachteile fürchten, Geschäftsführer verdienen sechsstellige Gehälter und sind am Profit orientiert, die Politik ist stolz auf ihre Einrichtungen und die Arbeitsplätze, die durch die Sozialindustrie geschaffen wurden, gesetzliche Betreuer haben keine Zeit für so etwas", analysiert Hubert Hüppe die Situation.

Und weiter betont er: "Angehörige haben Angst davor etwas zu sagen, weil es dann den betroffenen Verwandten in den Einrichtungen noch schlechter geht. Wenn sich der Vorwurf bewahrheitet, dass man sogar CS-Gas (Tränengas) gegen Menschen mit Behinderungen vorgegangen ist und dieses Gas mit Geld der Einrichtung beschafft worden sei ohne dass dies auffiel oder jemand Anstoß daran genommen hätte, dann zeigt dies, wie abgeschottet heute noch Einrichtungen der Behindertenhilfe sind." Erschreckend sei zudem, dass die Evangelische Kirche von Westfalen als Stiftungsaufsicht seit einem Jahr von dem massiven Verdacht weiß, aber keinen Grund sieht, aktiv zu werden.

Hubert Hüppe fordert den Präsidenten der Diakonie Deutschland, Pfarrer Ulrich Lilie, sich endlich dem Fall anzunehmen und für mehr Transparenz zu sorgen. Nachzufragen sei auch bei der Stiftung Wohlfahrtspflege Nordrhein-Westfalen und der Aktion Mensch, die auf der Internetseite der Stiftung Wittekindshof als große Förderer ihrer Einrichtungen bezeichnet werden, in denen im Jahr 2019 nach eigenen Angaben 220 Millionen Euro umgesetzt wurden. Der ehemalige Beauftragte erinnert daran, dass es gerade in Nordrhein-Westfalen in der Vergangenheit mehrere Fälle von Erniedrigung und Gewalt in Sondereinrichtungen gegeben hätte. Das Ergebnis wäre immer gewesen, dass es eine große, aber kurze Empörung gegeben hätte und danach wieder alle zur Tagesordnung übergegangen seien. Hüppe fordert nunmehr eine Debatte im Landtag von Nordrhein-Westfalen und die Einsetzung einer Enquete Kommission, die sich mit dem Thema Gewalt gegen Menschen mit Behinderungen in Sondereinrichtungen beschäftigt.

Vonseiten der Diakonie Deutschland kam übrigens auf der Facebook-Seite von Hubert Hüppe folgende Antwort auf einen Beitrag von ihm zu den Vorkommnissen bei der Stiftung Wittekindshof: "Grundsätzlich liegt es in der Verantwortung der Einrichtung bzw. der zuständigen Aufsichtsorgane, Fehler und Fehlverhalten aufzuarbeiten. Deshalb äußern wir uns nicht zu Vorgängen in Einrichtungen. Gleichwohl sind wir verbandsintern in Gesprächen."

Link zum Facebook-Eintrag von Hubert Hüppe und den Reaktionen

Link zum Bericht der kobinet-nachrichten über die Ermittlungen im Wittekindshof in Bad Oeynhausen

Düsseldorf (kobinet) Kategorien Nachricht

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/sastw67