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Epidemisches „Grundrauschen“ aus den Fabriken?

Portrait Gerhard Bartz
Gerhard Bartz
Foto: Gerhard Bartz

Hollenbach (kobinet) So allmählich mehren sich die Vermutungen, dass neben den Schulen und den öffentlichen Verkehrsmittel die Fabriken für das unaufhörliche „Grundrauschen“ bei den Covid-19-Statistiken verantwortlich zeichnen. Auf dieses satteln sich die erhöhten Risiken durch das Freizeitverhalten der Menschen drauf. So könnten die rapide Steigerungen der Weihnachtszeit und der Zeit danach interpretiert werden.

Zwei Episoden unterstreichen die Vermutungen, dass wirklich die Wirtschaft erhebliche Mitverantwortung trägt.

Riskante Pausen

Dort, wo körperlich gearbeitet wird, in den Werkstätten und Hallen sind die Defizite deutlich erkennbar. Wo mehrere Menschen körperlich schwer zusammenarbeiten müssen, helfen meist keine Plexiglasscheiben. Und wer körperlich schwer arbeitet, tut sich viel schwerer mit den Masken als andere. In den Pausen freut man sich darauf, sitzend sein Vesper zu verzehren. Es macht jedoch wenig Sinn, wenn aus den Pausenräumen viele Stühle entfernt werden, um den Abstandsregelungen Geltung zu verschaffen, wenn die Kolleg*innen dafür in den entstandenen Lücken stehen. So wird der gewünschte Effekt wieder vernichtet. Es erinnert sehr an die „Reise nach Jerusalem. Verhindern könnte man das durch versetzte Pausenzeiten. Damit würden jedoch auch Produktionsprozesse berührt, also nimmt man lieber die Risiken in Kauf.

Betriebliche Corona-Testzentren

Zu hinterfragen ist auch die Praxis betrieblicher Vertragsärzte, die Corona-Tests durchführen. Wenn man dann nach einem akuten Krankheitsfall im Kollegenkreis getestet wird, muss man bis zum Ergebnis arbeiten. Nachdem es positiv ausgefallen ist, wird man für eine Woche nach Hause geschickt. Zwei Nachtests fallen aus, da der Vertragspraxis die Tests ausgegangen sind. Und man stand ohnehin vor der weihnachtlichen Betriebsschließung. So löste sich die Infektion (hoffentlich) in Wohlgefallen auf. Die Interessen von Familienangehörigen wurden gefährdet oder blieben hierbei gänzlich auf der Strecke.

Es zeugt von Kurzsichtigkeit, wenn der Bundesverband der Industrie vor einem industriellen Lockdown warnt. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende! Oder fürchtet man sich davor, dass sich durch ein Absinken der Statistiken der Verdacht bestätigt?

Aus Sicht der Menschen mit Behinderungen, die einerseits von der Triage in den Kliniken betroffen sein könnten und denen andrerseits die vorzeitige Impfung verweigert werden, wenn sie nicht in Anstalten leben, mutet sich diese Zurückhaltung unserer Gesellschaft seltsam an. Theater und Baumärkte bleiben geschlossen. In den Fabriken gilt weiterhin business as usual.

Hollenbach (kobinet) Kategorien Meinung

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/sciuy46