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Hamburger Assistenzgenossenschaft in Nöten

Dr. Martin Theben
Dr. Martin Theben
Foto: privat

Hamburg/Berlin (kobinet) Dr. Martin Theben weist auf einen Artikel im Hamburger Lokalteil der TAZ hin, in dem es um die derzeitigen Nöte der Hamburger Assistenzgenossenschaft und deren neue Geschäftsführung geht. Dabei geht es um die zum Teil wohl ermutigenden Versuche, die Genossenschaft vor der Insolvenz zu retten. Betroffene assistenzabhängige Menschen, organisiert im Verein Autonom Leben Hamburg hatten die Genossenschaft vor gut 25 Jahren gegründet, wie der Rechtsanwalt und Hobby-Chronist der kobinet-nachrichten, Martin Theben, berichtet.

Hier der Link zum aktuellen TAZ-Artikel über die Hamburger Assistenzgenossenschaft: https://taz.de/Assistenz-Genossenschaft-in-Geldnot/!5721006&s=Assistenzgenossenschaft/

In der Randschau Heft 3/1990 findet sich auf Seite 8 ein Bericht über die Anfänge und Initiativen des Vereins https://www.archiv-behindertenbewegung.org/archiv/1-3-1990_(08-01-2020_22-37-18).pdf. Dort heißt es zu Beginn: "ln Hamburg gibt es seit 1986 den Verein 'Aktion Autonom Leben, Beratungsstelle für Behinderte e.V,'. Diese Initiative von engagierten Behinderten setzte sich damals ein ähnliches Ziel wie Bremen. Krüppel, die in Heimen leben oder in Abhängigkeit von Angehörigen, sollte der Weg zu einem Selbstbestimmten Leben möglich werden und durch persönliche Beratung alternative Hilfsangebote aufgezeigt werden. Gleichzeitig verfolgten sie auf lange Sicht das Ziel ein 'Krüppelzentrum' als Treffpunkt aufzubauen, in dem sich Betroffene durch Informationen in jeder Form und durch Kontakte mit anderen selber 'schlau machen' können. Selbständigkeitskurse zur Haushaltsführung und Anleitungen im Umgang mit HelferlNNEn gehörten mit zu den Zielen. Im Sommer 1988 eröffnete der Verein mit dem 'Röpers-Hof-Cafä' ein weiteres Projekt, welches von der Behörde für Arbeit, Jugend und Soziales (BAJS) und durch das Arbeitsamt mit 4 Arbeitsplätzen gefördert wurde. Dieses Cafe steht grundsätzlich jedem offen, und ist als Modell zur Schaffung von Arbeitsplätzen für Behinderte voll anerkannt."

Einer der Initiatoren dieses Vereins und der aus diesem hervorgegangenen Assistenzgenossenschaft war der inzwischen leider verstorbene Gerlef Gleiss. In einem Artikel der Randschau Heft 1/95 S. 15 - https://www.archiv-behindertenbewegung.org/archiv/5-01-1995_(08-01-2020_22-27-29).pdf konnte er gemeinsam mit Bärbel Mikler eine Zwischenbilanz ziehen: "Im September 1994 feierte Autonom Leben, wie es sich für Prominente gehört, etwas verspätet, seinen zehnten Geburtstag. In ihrer Festrede lobte uns die Vertreterin der Sozialbehörde als 'das Salz in der Suppe' der Hamburger Behindertenpolitik. Das freute uns sehr, aber ganz zufrieden waren wir damit natürlich noch nicht. Wir wären gerne der Koch und die Köchin. (…) Mit dem Roepershofeafe haben wir modellhaft alternative Arbeitsplätze für behinderte Menschen geschaffen und dadurch die Anerkennung von vielen anderen Behindertenorganisationen und den Offiziellen der Stadt Hamburg bekommen. Das Gleiche gilt auch für die Hamburger Assistenzgenossenschaft, die von uns initiiert wurde und die seit einem halben Jahr erfolgreich arbeitet. Diese beiden Projekte wurden großzügig mit Geldern der Hauptfürsorgestelle unterstützt, die Assistenzgenossenschaft darüberhinaus auch durch eine Stiftung der Hamburger Sozialbehörde. Beides, sowohl die Schaffung von Arbeitsplätzen für behinderte Menschen in kleinen alternativen Betrieben als auch die Qualitätskontrolle der ambulanten Pflege durch die Betroffenen selbst, entsprechen in vielen Punkten den Vorstelungen von Verantwortlichen der Sozialbehörde."

"Wünschen wir der Hamburger Assistenzgenossenschaft – gerade jetzt in schweren Zeiten - auch für die Zukunft alles gute und der neuen Geschäftsführung eine glückliche Hand", betont Dr. Martin Theben.

Hamburg/Berlin (kobinet) Kategorien Nachricht

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/sahmqs3