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Das Leben der Anderen – wenn Menschenfreunde in die Ferne schweifen

Portrait Dr. Jürgen Schneider
Dr. Jürgen Schneider
Foto: rba

Berlin (kobinet) Dr. Jürgen Schneider übersandte uns diese Meinung, die wir gern hier veröffentlichen.

Dr. Jürgen Schneider

Mark Twain, der Ende des 19. Jahrhunderts auf einer Reise durch Deutschland auf viele Merkwürdigkeiten gestoßen war, hätte, in Anlehnung an einen seiner bekannten Sprüche, die aktuellen deutschen Zustände sicher wie folgt charakterisiert:

“Da die Deutschen die Nächstenliebe aus den Augen verloren haben, verdoppeln sie ihre Anstrengungen hin zu einer Übernächstenliebe”.

Die verlogene Doppelmoral, die in der angsteinflößenden Coronakrise die deutsche Gesellschaft spaltet, hat viel mit deutschem Größenwahn zu tun und mit der immer noch ungebrochenen Überzeugung, dass am deutschen Wesen die Welt genesen soll.

Das was Wilhelm Zwo auch damals schon ausschließlich nur als Empfehlung an die Welt ausgegeben hatte, hat auch heute noch keine Bedeutung für die eigenen Problemlagen. Wir leisten uns stattdessen im eigenen Land eine soziale Kälte, die einen schon im Coronaspätsommer frieren lässt.

Man muss kein Prophet sein, um sich bei wieder steigenden Coronainfektionszahlen ausrechnen zu können, dass die massenhafte Verbreitung des Virus jetzt auch unter jungen Menschen auf andere Personengruppen und ggf. deren Wohnformen überspringen wird. Es werden große Anstrengungen der gesamten Gesellschaft erforderlich sein, um diese fast unausweichliche Entwicklung aufzuhalten und die notwendigen Maßnahmen auch tatsächlich durchzusetzen.

Stattdessen konzentrieren wir uns jetzt auf die die seit längerem unhaltbaren Zustände auf Lesbos, denen wir auch bereits seit längerem untätig zugesehen haben, um dann vor aller Welt unsere überlegene Moral zur Schau stellen zu können. Wo aber bleibt diese zur Schau gestellte Empathie gegenüber den Coronaopfern, den Toten und Denjenigen, die ihre Leistungskraft verloren haben oder deren Lebenserwartung drastisch gesunken ist.

Damit Empathie auch hier überhaupt entstehen könnte, müssten unserer Medien deutlich mehr auf diese Schicksale eingehen und sie sichtbar machen.

Deshalb möchte ich ausdrücklich Ottmar Miles-Paul zustimmen, der hier am 8.9.2020 festgestellt hatte, dass dies anders als bei uns in den USA geschieht, in einem Land, dem wir uns moralisch weit überlegen fühlen.

Der deutsche Moralimperialismus funktioniert allerdings weiter vor allem nach der Devise „warum denn in die Nähe schweifen, wenn das Gute liegt so fern“. Dabei weiß jeder, der sich z. B. im Behindertenbereich auskennt, wo das angeblich moralischste Land auf dieser Erde auch gegenüber anderen Ländern eklatante Lücken aufweist.

Berlin (kobinet) Kategorien Meinung

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/sbegp47

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