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Das Leben der Anderen – wenn Menschenfreunde demonstrieren

Portrait Dr. Jürgen Schneider
Jürgen Schneider
Foto: rba

Berlin (kobinet) Dr. Jürgen Schneider, ehemaliger Behindertenbeauftragter von Berlin, stellt berechtigte Fragen zur Demonstrationskultur.

Eine Gastkolumne von Dr. Jürgen Schneider.

"Als Altachtundsechziger mit reichlich Demonstrationserfahrungen frage ich mich, ob ich eine Demonstration gut finden kann, bei der sehr viele Teilnehmer ihre eigenen Ziele diskreditieren.

Wenn ein Mensch durch rassistisch motivierte Gewalt zu Tode kommt, dann ist es mehr als verständlich, wenn auch in Coronazeiten vom demokratisch verbrieften Recht zu demonstrieren Gebrauch gemacht wird.

Aber welcher Zweck heiligt eine Demonstration ohne Abstand und ohne Mund-Nasen-Schutz?

Wenn die möglicherweise unerwartete Masse an Demonstranten schon die Abstandsregel außer Funktion setzt, so bleibt doch immer noch der Mund-Nasen-Schutz.

Was treibt Menschen an, für Menschenrechte auf die Straßen zu gehen und zugleich als potentielle Virenträger, also damit auch als potentielle Körperverletzer (im schlimmsten Fall mit Todesfolge), andere Menschen zu gefährden?

Ist es die Entfremdung der Menschen von ihrer unmittelbaren Umgebung, von ihren Mitmenschen, ihren Nächsten?

Man muß seinen Nächsten nicht lieben wie sich selbst, gefährden sollte man ihn aber auch nicht, sonst verliert man jede Glaubwürdigkeit für die Menschenrechte anderer Menschen eintreten zu können.

Ich habe leider In Deutschland und insb. in Berlin schon lange beobachten müssen, dass das Eintreten für die Rechte und den Schutz von Menschen im unmittelbaren Lebensumfeld kaum stattfindet.

Wie viele Menschen sind jemals gegen den Mißbrauch von Kindern, gegen die tägliche Gewalt gegen Kinder, gegen das Versagen der unterfinanzierten Jugendämter und die unzureichende juristische Aufarbeitung der Fälle auf die Straße gegangen. Obwohl die festgestellten Fälle, bei einer hohen Dunkelziffer, vermutlich alle anderen Menschrechtsverletzungen deutlich übertreffen, nimmt unsere Gesellschaft davon kaum Notiz.

Wo sind die Massendemonstrationen für die Menschenrechte von Menschen mit Behinderung, wo die großen Kundgebungen gegen den Pflegenotstand?

Für die zukünftigen Friday for Future -Demonstrationen bleibt zu hoffen, dass sich die Erkenntnis durchsetzt, dass man die Klimarettung durchaus mit Respekt vor der Würde der Mitmenschen verbinden kann.“

Berlin (kobinet) Kategorien Kolumne

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/shtwz46

3 Lesermeinungen
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14.06.2020 12:45

Vielleicht sollte man sich erst einmal über die Frage Gedanken machen, was überhaupt Menschenrechte sind, was Grundrechte sind und wie weit diese überhaupt (auch in Deutschland) umgesetzt wurden.

Klimaschutz und die "Würde der Mitmenschen" kann man nicht verbinden, da es schon in sich ganz unterschiedliche Dinge sind.

Die "Würde der Mitmenschen", was spielt die aber in Deutschland wirklich für eine Rolle? Ist diese wirklich, auch im Kontext der UN-Menschenrechte unantastbar, oder nur eine leere Hülle, die dann durch andere Regelungen grundsätzlich in Frage gestellt wird?

Damit sollte sich kobinet mal befassen und nicht nur drüber schreiben, sondern als Verein auch eine Lobby aufbauen, denn nur Blogbeiträge werden die Welt nicht ändern.

Maria
Antwort auf  empire2014
16.06.2020 16:46

Hallo "empire2014",

ihre Behauptung "Klimaschutz und die 'Würde der Mitmenschen' kann man nicht verbinden, da es schon in sich ganz unterschiedliche Dinge sind" ist faktisch falsch. Ein einfacher Blick in eine Suchmaschine Ihrer Wahl mit den Stichworten "dignity, human rights, climate change" kann Sie schon mal aufklären und weiterbilden. Wenn Sie sich z.B. mit den einzelnen Menschenrechtsorganen bzw. -institutionen befassen, dann können Sie beim Studieren unterschiedlichster Positionspapiere und Erklärungen der UNO z.B. feststellen, dass die durchaus das Konzept der Würde (aus rechtlicher, ethischer und auch bezogen auf andere metatheoretsche Sichtweisen/Ansätze) in Zusammenhang steht mit - hier in diesem Fall - Klimaschutz. Außerdem kann dies noch verbunden werden mit der derzeitigen Lebenslage von verschiedensten marginalisierten Gruppen (z.B. Kinder, ältere Frauen, Menschen mit Behinderungen, indigene Völker, Wanderarbeiter*innen, etc. pp.)
Ein Beispiel: Für eine indigene Gruppe ist absolut die Würde beeinträchtigt, wenn durch den Klimawandel der Wald, der ihren Lebens- und Schutzraum bedeutet, beeinträchtigt und zerstört. Bitte bedenken Sie, dass der Klimawandel in so viele, unterschiedliche Bereiche der Menschen im negativen Sinne Eintritt erhält, dass es sogar m.E. (und auch z.B. die der UNO, Vertreter*innen der Zivilgesellschaft, etc.) noch viel stärker betont werden muss, dass Würde und Klimawandel miteinander in Verbindung stehen.

Ihre Sichtweise ist zudem sehr eurozentrischtisch geprägt - ein Blick über den Tellerrand lohnt sich immer. Ein Sich-bewegen-aus-der-Komfortzone auch, auch wenn man z.B. selbst einer marginalisierten Gruppe angehört.

Besonders die derzeitige Debatte über Rassismus zeigt auch wieder mal leider ganz stark auf, dass viele, viele Menschen sich nicht mit ihren eigenen Privilegien befassen wollen. Und wenn Sie noch nie das "Vernügen" hatten, sich mal ernsthaft mit dem Zusammenhang zwischen Menschenwürde und Klimawandel zu befassen, dann sind sie - zumindest in diesem Fall - auch priviligiert oder haben weggeschaut. Der Klimawandel beeinträchtigt nämlich auch das Leben der marginalisierten Gruppen in Deutschland sogar.

Ich gehöre nicht dem Kobinet-Team an, aber es ist wirklich im negativen Sinne sehr auffällig, das hier immer wieder die gleichen Personen das Kobinet-Team oder einzelne Autor*innen scharf, auf eine persönliche Art und Weise angehen und ihnen Inkompetenz unterstellen. Wo ist denn das faktisch-fachlich fundierte Wissen all jener Kommentartor*innen, die sich darüber beklagen? Die Basis dafür ist die Peer-Perspektive, klar! Aber auch dann kann man sich natürlich immer mal wieder weiterbilden oder den konstrutiven Diskurs suchen, wenn man z.B. mit der Meinung der Autor*innen nicht übereinstimmt. Nur so kommt man auch weiter.

Danke Kobinet, dass es euch gibt und ihr so viele unterschiedliche Themenrbereiche abdeckt.

Herzliche Grüße
Maria

Antwort auf  Maria
16.06.2020 22:56

Hallo Maria,

ich würde nicht kommentieren, wenn ich damit keine Diskussion auslösen wollte, denn gerade Diskussionen dienen der Wahrnehmung von Meinungsvielfalt.

Zum Kernthema: Klimaschutz und die "Würde der Mitmenschen" kann man nicht verbinden, da es schon in sich ganz unterschiedliche Dinge sind. - Ich will das mal detaillierter darstellen: Der Mensch in seinem Urverhalten, hat schon immer die Umwelt zerstört. Mit Beginn der Kolonialisierung, insbesondere in Afrika, ganz besonders extrem, damit wir uns Luxusgüter wie Internet, Smartphone, Computer, Autos, etc ... als standardisierte Güter zu eigen machen. Was dabei mit anderen Völkern und der Umwelt passiert, interessiert bis heute niemand. Im Gegenteil, wir setzen die Prozesse fort und exportieren unseren Müll in Regionen die wir eh bereits zerstört haben.

Menschenrechte, ergeben sich aus dem Völkerrecht im justiziablem Sinne (über Moral lässt sich diskutieren). Genau diese Menschenrechte werden als Grundlage genommen und sind nicht explizit mit Umweltthemen zu vermischen. Zwar heißt es: „Wir sind entschlossen, Armut und Hunger in all ihren Formen und Dimensionen zu beenden und dafür zu sorgen, dass alle Menschen ihr Potenzial in Würde und Gleichheit und in einer gesunden Umwelt entfalten können. “, doch das steht schon im Wiederspruch zu dem was wir durch Ausbeute zwecks eigenen Wohlstandes tun.

Wollen wir also Menschenwürde/Menschenrechte durchsetzen/umsetzen, sind zwar die Auswirkungen des Handelns unserer westlichen Welt zu beenden um das allgemeine Gleichgewicht in der Umwelt wieder herzustellen als eine der zu schaffenden Grundvoraussetzungen, aber das geschieht nicht in Einheit, solange wir uns den Grundvoraussetzungen (auch justiziell) nicht bewusst sind. Genau diese Punkte sind aber nicht Bestand des Klimaschutz, da dieser die Wiederherstellung des Urzustandes der Umwelt überhaupt nicht berücksichtigt und daher die Verbindung zur Menschenwürde/Rechte fehlen.

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