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Petition für Bahnfahrten ohne Anmeldung

Signal der Bahn mit zwei Armen, die nach oben zeigen und somit auf freie Fahrt hinweisen
Freie Fahrt
Foto: Ch.Smikac

MARBURG (kobinet) Die Europäische Union (EU) überarbeitet derzeit die Richtlinie für Fahrgastrechte, die unter anderem Hilfen für mobilitätseingeschränkte Personen regelt. Darunter fällt auch die Mobilitätsservicezentrale (MSZ) der Deutschen Bahn. Bei der MSZ müssen Hilfeleistungen vor Fahrtantritt angemeldet werden. Spontane Bahnfahrten sind behinderten Menschen so nicht möglich. Einige EU-Länder möchten diese Anmeldefrist von zwei Tagen beibehalten.

Gemeinsam mit der Organisation "We Move Europe" und in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Behindertenforum fordert der Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf, die Anmeldefrist von zwei Tagen abzuschaffen.

Alle, welche diese Forderung unterstützen möchten können diese Petition HIER unterzeichnen.

MARBURG (kobinet) Kategorien Nachricht

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/sefpwz4

6 Lesermeinungen
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18.05.2020 16:23

Ein paar Anmerkungen:
- Die entsprechende EU-Verordnung sagt nicht, dass behinderte Menschen sich 48 Stunden vor einer Reise anmelden müssen. Sie sagt, dass die Eisenbahnen dann auf jeden Fall Unterstützung leisten müssen, wenn wir uns bis dahin angemeldet haben. Das bedeutet, dass Unterstützung auch bei späterer oder ohne Anmeldung erbracht werden muss, wenn Kapazitäten dafür da sind.
- Der Mobilitätsservice ist in der Logik der UN-BRK eine Angemessene Vorkehrung. Das bedeutet, dass er in dem Rahmen geleistet werden muss, wie es für die Bahnen zumutbar ist. Für einen Bahnhof wie Frankfurt / Main (mehr als 20 Gleise) stellt sich da zum Beispiel die Frage, ob der Mobilitätsservice zu jeder Zeit darauf vorbereitet sein muss, dass 15 Reisende gleichzeitig an verschiedenen Gleisen bzw. Gleisabschnitten Unterstützung brauchen, wenn es im Normalfall 4 sind, oder ob Personal für 6 oder 8 reicht. Muss an kleinen Bahnhöfen immer jemand anwesend sein, wenn nur 6-7mal im Monat Unterstützungsbedarf besteht? Oder ist es für beide Fälle eine Alternative, bei Bedarf (zusätzliches) Personal zu schicken? Die BRK lässt Letzteres in bestimmten Fällen zu.
- Aus dem eben genannten Grund wird auch die Abschaffung der Anmeldefrist nicht automatisch garantieren, dass wir jederzeit überall in jeden Zug und wieder raus kommen. Vielmehr würde die Ablehnung dann ggf. am Bahnhof passieren, möglicherweise seltener aber deutlich ärgerlicher.

Perry Walczok
Antwort auf  svendrebes
26.05.2020 10:52

Wenn mehr Züge wie der RRX(Rhein-Ruhr Express) oder die Flirt-Reihe der Eurobahn gebaut und eingesetzt werden würden, dann bräuchten auch keine zusätzlichen Mitarbeiter eingesetzt werden. Aber gerade die Züge im Fernverkehr sind ein Trauerspiel. Gerade einmal zwei Rolli-Plätze mehr sind es geworden. Für so ein langen Zug ist das ein Armutszeugnis. Auch was die Einarbeitung der Mitarbeiter für diese Rampen-Systeme angeht. Die Bahn redet sich mit versicherungstechnischen Ausreden heraus um zu verschleiern, dass sie das Geld für die Einweisung in diese Systeme nicht übernehmen will. Dazu kommt, dass nach 22.00Uhr gar kein Mitarbeiter mehr vor Ort ist um Ein- oder Austiegshilfe zu leisten. Für Menschen wie Raul Krauthausen welche aufgrund ihrer Tätigkeit im normalen Fall viel und lange unterwegs sind, ist dieser Zustand nicht hinnehmbar. Woher nehmen sich manche das Recht uns zu sagen, wann und wie lange wir wohin reisen dürfen? Es ist ein Trauerspiel, dass die Bahn immer noch an Partner festhält, welche nicht in der Lage oder vielleicht gar Willens sind, Fahrzeuge wie die oben genannten zu bauen. Diese beiden Züge zeigen doch, dass ein niveaugleicher Zustieg möglich ist. Aber leider fehlt der Wille dazu, weil es manchen Manager wichtiger ist, ihre eigenen Taschen und die der Spekulanten zu füllen. In einem Punkt will ich die Bahn in Schutz nehmen. Viele der bekannten Probleme haben wir dem Herrn Mehdorn zu verdanken, welcher die Bahn wie auch die Flug-Gesellschaft Air Berlin in den Ruin getrieben hätte. Er wollte die Bahn zu einer vollständigen Aktiengesellschaft umwandeln. Das wurde glücklicherweise verhindert. Leider wurde der Herr Mehdorn dafür nie persönlich zur Rechenschaft gezogen. Sowohl die Union als auch die FDP sollten endlich aufhören, solche Leute mit den Samthandschuhen anzufassen.

Antwort auf  Perry Walczok
26.05.2020 23:34

Größtenteils Zustimmung.
RRX, "Flirt" etc. fahren allerdings höchstens 160 km/h, ein IC mit Lok dagegen 200, ein ICE bis zu 300. Da braucht es schon eine andere Federung und eine etwas andere Radkonstruktion. Talgo hat das Problem gelöst, indem sie die Räder an die Wagenenden bauen und andere Drehgestelle verwenden. Stadler baut inzwischen Hochgeschwindigkeitszüge, deren Einstieg 76cm hoch ist, von wo aus Rampen nach oben gehen.
Bis ausschließlich solche oder ähnliche Züge fahren, werden aber noch rund 30 Jahre vergehen. Bis dahin und bis zu jedem Bahnsteig Leitstreifen und Aufzüge bzw. Rampen führen, werden wir Bahnhofspersonal brauchen.

Was die Rollstuhlstellplätze in Fernzügen betrifft, frage ich Sie, wie viele pro Zug "genug" sind? Ich bin seit mehr als 20 Jahren recht viel mit Zügen unterwegs, darunter auch oft mit ICE 1, die 3 Stellplätze haben. Alle 3 Plätze waren extrem selten gleichzeitig belegt, bei den meisten meiner Fahrten war ich der einzige Rollstuhlnutzer. Und es kommt im Schnitt einmal im Jahr vor, dass ich auf einen anderen Zug ausweichen muss.

Arnd Hellinger
Antwort auf  Perry Walczok
31.05.2020 21:48

Ganz so einfach ist das nicht. Bevor etwa der RRX überhaupt fahren konnte, mussten an den jeweiligen Strecken erst sämtliche Bahnsteige auf 76 cm Höhe gebracht werden und auch die verschiedenen FLIRT-Baureihen sind nur mit den jeweils "passenden" Bahnsteighöhen wirklich barrierefrei. Fernzüge wiederum müssen internationalen Standards bei Drehgestellen, Bremstechnik etc. genügen und zwischen Narvik in Norwegen und Agrigent auf Sizilien bzw. Ankara in der Türkei mit unterschiedlichsten Bahnsteigen zurecht kommen können. Das sind die Zulassungsbestimmungen, auch wenn (derzeit) kommerziell natürlich kein Zug die Gesamtstrecke Narvik Ankara fährt.

Und der Frage von Herrn Drebes, wie viele Rolliplätze ein IC, EC, oder ICE denn haben sollte, darf ich mich gerne anschließen.

Arnd Hellinger
21.05.2020 16:04

Warum kobinet immer wieder die Fake News verbreitet, es gäbe eine Anmeldungspflicht über die MSZ, vermag ich nicht zu erkennen. Eine solche ergibt sich weder aus den Beförderungsbedingungen (AGB) der Deutschen Bahn noch aus dem Tarif noch aus dem Allgemeinen Eisenbahngesetz oder der Eisenbahn-Verkehrsordnung - sie existiert juristisch also gar nicht.

Dass es andererseits für beide Seiten - Fahrgast und Bahnbetreiber - zweckmäßig sein kann, Reisen mit Unterstützungsbedarf im Rahmen des Möglichen vorab zu planen, sollte dabei gleichwohl einsichtig sein. Daraus ergibt sich aber eben kein Zwang zur Voranmeldung, nur eben das Risiko, dass u. U. kein Servicepersonal am Bahnsteig steht - weil sich die Mitarbeitenden eben auch nicht zerteilen können...

Uwe Wiedemann
24.05.2020 20:44

Leider ist die Petitionsbegründung nicht sehr plausibel. Dort steht: "Wenn es uns beliebt, gehen wir zum Bahnhof, kaufen eine Fahrkarte und los geht's. Für jede/n Fünfte/n in der EU geht das nicht." In der angegebenen Quelle steht dann, dass die Europäische Kommission schätzt, dass jeder 6. Mensch in der EU eine Behinderung hat. Dass nicht alle Menschen mit Behinderung Probleme beim Bahnfahren haben dürfte klar sein. Man sollte aus meiner Sicht nicht ein wünschenswertes Ziel mit unlauteren Daten stützen.

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