
Foto: ARD tagesthemen
Berlin (kobinet) In Vor-Corona-Zeiten war man es in Deutschland gewohnt, dass hauptsächlich über statt mit behinderten Menschen bzw. anderen benachteiligten Gruppen, als mit ihnen gesprochen wurde. In Corona-Zeiten hat man schnell eine neue "Risikogruppe" gefunden, die ebenfalls kaum zu Wort kommt. Anders vor kurzem in den tagesthemen, wo Personen, die dieser "Risikogruppe" zugeordnet werden, zu Wort kamen und schildern konnten, wie ihre Sicht der gegenwärtigen Dinge ist. Mit dabei waren u.a. Raul Krauthausen und Hans-Christian Ströbele.
tagesthemen-Moderator Ingo Zamperoni stellte zu Beginn der Sendung eine Frage, die in der derzeitigen Diskussion zum Umgang mit der sogenannten „Risikogruppe“ in Zeiten der Corona-Pandemie kaum gestellt wird, wenn beispielsweise über die Isolierung dieser Gruppe nachgedacht wird: „Was sagen diejenigen dazu, die zu so einer Risikogruppe gezählt werden?“
Während der Ethikrat darüber spricht, dass eventuell bestimmte Gruppen ermutigt werden müssten, in Selbstisolation zu gehen, sehen dies Hans-Christian Ströbele und Raul Krauthausen sehr kritisch. „Das kann nicht heißen, dass man die Alten wegsperrt. Das würde sie in ihren Freiheitsrechten und in ihrer Würde treffen. Und wenn man dann noch von Alten- und Pflgeheimen redet, dann gruselts mich“, betonte Hans-Christian Ströbele in den tagesthemen.
Der querschnittgelähmte Journalist Jan Kampmann wies in seinem Statement daraufhin, dass die Menschen in Krisensituationen immer einen Sündenbock suchten und jetzt sei es gerade die Risikogruppe. Man müsse nun also aufpassen, dass nicht einzelne Personen stigmatisiert werden, da dies die Spaltung der Gesellschaft noch weiter vorantreiben würde. Der Aktivist von AbilityWatch und der Sozialhelden Raul Krauthausen findet es fast schon menschenverachtend, wenn Lockerungen auf Kosten der „ganz Schwachen“ eingeführt würden, obwohl Virologen sagen, dass es problematisch sei, diese zu früh zu tun.
Link zu den tagesthemen vom 7.4.2020 – der Bericht kommt zu Beginn der Sendung





Schuss vor den Bug des Ethikrats
Ich verstehe den sich ab Minute 7:64 anschließenden Kommentar von Mai Thi Nguyen-Kim für den Westdeutschen Rundfunk als Schuss vor den Bug des Ethikrats.
Der Ethikrat ist keineswegs republikanisch und laizistisch, sondern von Theologen, Philologen und anderen wunderlichen politischen Kräften durchsetzt.
Der Schuss war nötig, weil der Ethikrat mit Spekulationen über ‚Lockerungen‘ und mit ‚Selbstisolation von Risikogruppen‘ die Solidarität, die sich mittlerweile organisiert hat, im Kern angreift.
Nach der Corona Krise muss dieser Ethikrat grundlegend neu aufgestellt werden. Oder besser noch, er wird durch eine viel breiter angelegte und öffentlich tagende und neu zu schaffende Institution aufgehoben und ersetzt.
– – – – – – – – – – – – – – – – – – 10.04.2020 – – – – – – – – – – – – – – – – – –
Dies sind die Mitglieder des Deutschen Ethikrats:
VORSITZENDER
Prof. Dr. theol. PETER DABROCK
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Fachbereich Theologie
STELLVERTRETENDE VORSITZENDE
Prof. Dr. med. KATRIN AMUNTS
Forschungszentrum Jülich
STELLVERTRETENDER VORSITZENDER
Prof. Dr. iur. Dr. h. c. VOLKER LIPP
Georg-August-Universität Göttingen Juristische Fakultät Institut für Privat- und Prozessrecht
STELLVERTRETENDE VORSITZENDE
Prof. Dr. med. CLAUDIA WIESEMANN
Universitätsmedizin Göttingen
CONSTANZE ANGERER
Präsidentin a. D. des Landgerichts München I
Prof. Dr. iur. STEFFEN AUGSBERG
Justus-Liebig-Universität Gießen Fachbereich Rechtswissenschaft
Prof. Dr. theol. FRANZ-JOSEF BORMANN
Eberhard Karls Universität Tübingen Katholisch-Theologische Fakultät
Prof. Dr. med. ALENA BUYX
Technische Universität München Institut für Geschichte und Ethik der Medizin
Prof. em. Dr. iur. Dr. h. c. DAGMAR COESTER-WALTJEN
Georg-August-Universität Göttingen Juristische Fakultät Institut für Privat- und Prozessrecht
Dr. med. CHRISTIANE FISCHER
Initiative unbestechlicher Ärztinnen und Ärzte
Prof. em. Dr. phil. habil. Dr. phil. h. c. lic. phil. CARL FRIEDRICH GETHMANN
Universität Siegen
Prof. Dr. theol. ELISABETH GRÄB-SCHMIDT
Eberhard Karls Universität Tübingen
Prof. Dr. rer. nat. Dr. phil. SIGRID GRAUMANN
Evangelische Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe
Prof. Dr. med. WOLFRAM HENN
Universität des Saarlandes Institut für Humangenetik
Prof. Dr. iur. WOLFRAM HÖFLING
Universität zu Köln
Prof. Dr. (TR) Dr. phil. et med. habil. ILHAN ILKILIC
Institute for Health Sciences of Istanbul University
Prof. Dr. rer. nat. URSULA KLINGMÜLLER
Deutsches Krebsforschungszentrum
STEPHAN KRUIP
Mukoviszidose e.V. – Bundesverband Cystische Fibrose
Prof. Dr. phil. Dr. h. c. Dipl.-Psych. ANDREAS KRUSE
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Prof. Dr. phil. ADELHEID KUHLMEY
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Prof. Dr. med. LEO LATASCH
Gesundheitsamt Frankfurt am Main
Prof. Dr. theol. ANDREAS LOB-HÜDEPOHL
Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin
Prof. em. Dr. iur. REINHARD MERKEL
Universität Hamburg
Prof. Dr. phil. JUDITH SIMON
Universität Hamburg Fachbereich Informatik
Prof. Dr. med. ELISABETH STEINHAGEN-THIESSEN
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Dr. phil. PETRA THORN
Praxis für Paar- und Familientherapie/Psychosoziale Kinderwunschberatung
Hmm,
wenn ich mir den Ethikrat mal so anschaue, dann müssen die wirklich ethisch handeln – denn die Mehrzahl der Mitglieder gehört selbst zur Risikogruppe via Alter…
Die Allermeisten, wenn nicht Alle, sind privat krankenversichert.