Werbung:
Banner Fotos für die Pressefreiheit 2020
Banner mit Inklusion Jetzt und der Schrift Dabei am 5. Mai - Live-Blog zum Protesttag
Springe zum Inhalt

Keine Aprilscherze

Ottmar Miles-Paul
Ottmar Miles-Paul
Foto: Franziska Vu ISL

Kassel (kobinet) In den vergangenen Jahren folgte jeweils am 2. April in den kobinet-nachrichten die Auflösung der April-Scherze vom Vortrag. Dieses Jahr hat die kobinet-Redaktion auf April-Scherze verzichtet. Die Realität in Zeiten der Corona-Pandemie hat der Redaktion einerseits den Stoff solche für Scherze geraubt. Angesichts der immer sichtbarer werdenden furchtbaren Auswirkungen der Corona-Krise war kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul andererseits dieses Jahr schlichtweg nicht zum Scherzen aufgelegt. Die Realität habe Fakten geschaffen, die man sich in April-Scherzen kaum ausdenken hätte können, wie er in seinem Kommentar deutlich macht.

Kommentar von kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul

Hätten die kobinet-nachrichten am 1. April 2019 berichtet, dass die UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland mittlerweile so ernst genommen wird, dass Förderschulen und Werkstätten für behinderte Menschen erst einmal geschlossen bleiben, so hätte dies nur ein müdes Gähnen ausgelöst. Hätten die kobinet-nachrichten an dem Tag zusätzlich geschrieben, dass die Staaten dieser Welt den Klimaschutz so ernst nehmen, dass fast alle Flugzeuge am Boden bleiben, Kreuzfahrten derzeit kaum stattfinden, dass Menschen zugunsten des Klimas zu Hause bleiben, ihren Urlaub über Ostern abgesagt haben und zweifelhaft ist, ob sie im Sommer verreisen, wäre dies nirgends als April-Scherz durchgegangen. Und dann noch Berichte darüber, mit welcher Geschwindigkeit nun Schulen und Universitäten Online-Angebote machen, Sitzungen virtuell über Video- und Telefonkonferenzen stattfinden oder dass das Arbeiten im Homeoffice einen Boom erlebt, hätte diese Innovationskraft Deutschland kaum jemand zugetraut.

Tja, hätte? Damals! Was vor wenigen Wochen noch undenkbar war, ist jetzt Realität - nur leider nicht aus den oben geschilderten Gründen, sondern aufgrund eines kleinen Virus mit äusserst großer und tödlicher Wirkung, der uns bedroht, Angst macht und unsere bisherige Art zu leben in die Knie zwingt. Die Fragen stehen aber dennoch im Raum: was nach dieser Krise kommt, welche Fragen wir uns daraus stellen bzw. welche Verhaltungs- und Systemänderungen eventuell daraus folgen? Bei all den massiven Herausforderungen, denen sich unsere Gesellschaft derzeit stellen muss, gibt es vielleicht auch Raum, um über neue Wege nach dieser Krise nachzudenken.

Müssen behinderte Kinder wirklich auf extra Schulen gehen? Oder kann man nicht einen gemeinsamen Unterricht realisieren? Müssen behinderte Menschen wirklich in gesonderten Werkstätten und für ein Taschengeld arbeiten? Oder schaffen wir es, die Inklusion in Betrieben und Inklusionsfirmen entscheidend voranzutreiben und entsprechende Förderinstrumente zu nutzen? Und schaffen wir es, dass wir sogenannte "Heime" abbauen und die Unterstützung behinderter und älterer Menschen im Stadtteil und passgenau sicherstellen? Und müssen wir den Kampf gegen den verheerenden Klimawandel wirklich verloren geben? Oder denken wir ernsthaft darüber nach, wie wir klimaneutral leben können und ob so manche Reise wirklich sein muss?

Vielleicht bekommen wir ja wirklich die Kurve nach dieser Krise? Vielleicht? Ich gehe aber davon aus, dass es am nächsten 1. April doch Raum für einige visionäre Scherze geben dürfte.

Kassel (kobinet) Kategorien Nachricht

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/slqsv37

Click to access the login or register cheese