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Virtuelle Bahntour durch die Pfalz

Einstieg in die Odenwaldbahn mit Rampe im April 2014
Einstieg in die Odenwaldbahn mit Rampe
Foto: Susanne Göbel

Mainz/Mannheim/Kaiserslautern/Saarbrücken (kobinet) Wäre da nicht die Coronoa-Pandemie, dann würden sich heute Matthias Rösch mit seinem Assistenten, Ottmar Miles-Paul und Susanne Göbel zu ihrer schon traditionellen Bahntour treffen. Seit 2009 sind die Bahnfreaks zweimal jährlich auf Tour, um die Barrierefreiheit des Regionalverkehrs in und um Rheinland-Pfalz herum zu testen und tolle Bahntouren zu genießen. So leicht sind sie aber auch trotz Corona-Pandemie nicht klein zu kriegen, denn sie machen heute eben die geplante Bahntour virtuell.

Am Dienstag nach Ostern 2009 hatte alles begonnen. Ottmar Miles-Paul war damals Landesbehindertenbeauftragter von Rheinland-Pfalz und Matthias Rösch leitete das Referat zur Selbstbestimmung, Gleichstellung und Teilhabe im rheinland-pfälzischen Sozialministerium. Beide setzten sich für den konsequenten Ausbau des barrierefreien Bahnverkehrs ein und machten sich damals zum ersten Mal zusammen mit Susanne Göbel und dem Assistenten von Matthias Rösch auf Erkundungstour in Sachen Barrierefreiheit der Bahn in Rheinland-Pfalz. Zwischenzeitlich hat sich zwar einiges verändert, der Rollstuhlnutzer Matthias Rösch ist seit 2013 Landesbehindertenbeauftragter von Rheinland-Pfalz, der sehbehinderte Ottmar Miles-Paul und Susanne Göbel wohnen in Kassel. Die zweimal jährlich stattfindenden Bahntouren sind aber geblieben und werden stets von Matthias Rösch mit großer Sorgfalt vorbereitet.

Als es vor gut zwei Wochen offensichtlich wurde, dass die für heute geplante Bahntour so nicht stattfinden kann, setzte ein kreativer Planungsprozess ein, der letztendlich darin gipfelte, dass die Bahnfreaks den Umständen angepasst zwar zu Hause bleiben, aber gemeinsam virtuell auf Bahntour gehen. "Wir treffen uns im Hauptbahnhof Mannheim und nehmen die S-Bahn nach Kaiserslautern (S1 um 11.26 Uhr auf Gleis 1)", so der Plan für heute. Matthias Rösch reist vorher mit seinem Assistenten virtuell ab 9:22 Uhr mit der S-Bahn aus Mainz nach Mannheim, Susanne Göbel und Ottmar Miles-Paul nehmen virtuell den ICE um 8:37 Uhr ab Kassel-Wilhelmshöhe nach Mannheim, so dass beide, wenn die Züge pünklich sind, gegen 10:45 Uhr in Mannheim sein müssten.

"Um 11.56 Uhr steigt dann der 'Bahnretter' Werner Schreiner virtuell in Neustadt an der Weinstraße zu und berichtet uns über die Eisenbahnen im Süden von Rheinland-Pfalz. Wegen der Coronakrise wurde der Bericht vorab aufgezeichnet (https://www.swrfernsehen.de/eisenbahn-romantik/folgen/broadcastcontrib-swr-37000.html). Um 12.33 Uhr kommen wir auf Gleis 3 in Kaiserslautern an. Um 13.03 Uhr fahren wir dann mit der Regionalbahn nach Saarbrücken (Gleis 2). Seit Dezember sind hier neue Züge im Einsatz, ich bin gespannt, wie es mit der Barrierefreiheit aussieht. Um 13.56 Uhr kommen wir dann in Saarbrücken auf Gleis 12 an. Wenn wir dann noch Lust haben, können wir eine Stadtführung durch Saarbrücken machen (https://saarbruecken.tomis.mobi/)", so der Plan von Matthias Rösch für die Tour, die weitgehend barrierefrei zu machen sein müsste.

Neben dem virtuellen Stadtrundgang in Saarbrücken haben die findigen Planer*innen mittlerweile Kontakt mit Dunja Fuhrmann und Peter Reichert aufgenommen. Diese zeigten sich enorm flexibel, so dass sie nach dem virtuellen Eintreffen in Saarbrücken telefonisch hinzugeschalten werden und den Reisenden aus erster Hand berichten können, wie es sich in Saarbrücken lebt. Sie können dann die Bahnreisenden mit ihren Erzählungen zu ihren Lieblingsplätzen in Saarbrücken entführen. Um 14:51 Uhr geht es dann mit dem Regional-Express ab Saarbrücken von Gleis 3 zurück nach Mainz. Dort steigt Matthias Rösch um 17:06 Uhr aus und gönnt sich zu Hause wahrscheinlich noch ein leckeres Glas Wein. Für Susanne Göbel und Ottmar Miles-Paul stehen dann noch über 220 km an, bis sie dann wahrscheinlich erfüllt von der schönen Tour und müde gegen 20:00 Uhr in Kassel zu Hause sind.

Bei diesem Stress, darf natürlich die Verpflegung nicht zu kurz kommen. "Proviant bringen wir wie gehabt selbst mit", heißt es im Plan von Matthias Rösch. Susanne Göbel hat sich dafür extra ein Rezept mit pfälzischen Dampfnudeln von ihrer Freundin und gebürtigen Rheinland-Pfälzerin Carolin Emrich aus Bremen mailen lassen. Andere Leckereien werden die Tour ergänzen.

Und die Technik ist bei dieser virtuellen Tour natürlich auch nicht unerheblich: "Als technische Kommunikationshilfe zur Vermeidung von Virenübertragung schlage ich FaceTime vor", heißt es im Reiseplan von Matthias Rösch. Dass bei dieser Tour nicht viel schief gehen kann, zeigen die Erfahrungen der über 20 bisherigen Bahntouren, über die die kobinet-nachrichten zum Teil berichtet haben, wie beispielsweise die Bahntour im April 2014 in den Odenwald. Die kobinet-nachrichten bleiben aber dran, sollten wider Erwarten doch Barrieren während der Tour auftreten. Da in den Zügen noch Platz sein dürfte, sind die weitere virtuelle Mitreisende herzlich bei dieser Tour willkommen, betonte Ottmar Miles-Paul.

Mainz/Mannheim/Kaiserslautern/Saarbrücken (kobinet) Kategorien Nachricht

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/sbjmnv6